Miral al-Tahawi – Das Zelt

Die Ich-Erzählerin Fatima wächst in einer Beduinenfamilie auf. Während sie als jüngstes Kind ungeduldig auf jede Rückkehr ihres Vaters aus der Wüste wartet, warten ihre älteren Schwestern darauf, dass sie endlich verheiratet werden und dem trostlosen Heim mit der depressiven Mutter und der tyrannischen Großmutter den Rücken kehren können. Da der Vater die meiste Zeit jedoch unterwegs ist, um sich um die Viehherden und andere Dinge zu kümmern, ist das Leben für die kleine Fatima beinah unerträglich langweilig, zumal ihre Welt lediglich auf das Gehöft ihres Vaters begrenzt ist, dessen Tore für sie verschlossen sind. In ihrer Einsamkeit blüht ihre Fantasie auf und sie erfindet Freunde und Geister – Geschichten, die ihr keiner glaubt und die sie von ihrer Familie entfremden. Sie sehen in ihr ein Unglücksbringer, ein Kind, dass viel zu sehr nach der unglücklichen Mutter kommt und daher gemieden werden muss.

Der einzige Mensch, der sich Fatimas in den folgenden Jahren annimmt, ist eine Engländerin. Doch auch sie hat dabei ihre Hintergedanken, denn sie möchte unbedingt das prächtige Pony von Fatima für ihre Zucht nutzen. Während sich Fatima nach einem komplizierten Beinbruch bei der Engländerin aufhält und sich von ihr pflegen lässt, lernt sie deren Sprache und ihre Welt kennen. Dabei wird ihr jedoch immer deutlicher bewusst, wie sehr sie außerhalb der ihr bekannten Realitäten lebt. Sie gehört nicht mehr zu den Beduinen, die ihre englischen Sprachkenntnisse mit Argwohn betrachten, noch gehört sie zu den europäischen Kreisen, die sie und ihre Geschichten eher als ein exotisches Kuriosum betrachten, denn als gleichwertigen Mensch.

Während dieser zweite Teil des Buches mit seiner Tragik mich nicht unberührt ließ, konnte ich mit der jungen Fatima so überhaupt nichts anfangen. Ihr Charakter blieb mir trotz der eigentlich sehr persönlichen Erzählperspektive völlig fremd und auch ihre Familie war mir ein Rätsel. Abgesehen davon, dass der Leser kaum etwas über die Wesenszüge ihrer Schwestern erfährt und die Mutter sowieso nur ein beinah durchsichtiges Schemen war, habe ich nicht einmal durch die Familienverhältnisse durchgeblickt. Wer ist jetzt Schwester und wer nicht? Gab es neben Fatimas Mutter noch andere Frauen in der Familie und welche davon ist die Mutter welcher Schwester? Und was ist mit Bediensteten?

Absolut verwirrt wurde ich schließlich durch Fatimas Fantasien. Wie viel von dem, was sie erzählt hat, ist tatsächlich Realität und was hat sie sich ausgedacht? Die Grenzen verschwammen immer mehr und da mir jeglicher Überblick über das Personal des Buches fehlte, wusste ich irgendwann nicht mal mehr, ob die Personen, von denen Fatima gerade sprach, wirklich existierten oder nur Geister waren.

Fazit: Viel zu wirr, um mich irgendwie begeistern zu können. Lediglich für die Schilderung von Fatimas Aufenthalt bei der Engländerin vergebe ich noch 1 von 5 Sternschnuppen.

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