Oliver Plaschka – Die Magier von Montparnasse

Im Pariser Viertel Montparnasse des Jahres 1926 können sich der Bühnenzauberer Ravi und seine Assistentin Blanche glücklich schätzen, da sie ein Engagement erhalten haben. Doch bei ihrem letzten Auftritt geht etwas schief und Ravi ist gezwungen, vor den Augen des Publikums echte Magie einzusetzen. Zuerst scheint es, als hätte der Bruch der ältesten Regel der Magierzunft keine Konsequenzen, doch als am nächsten Morgen wieder der gleiche verhängnisvolle Sonntag beginnt, bemerkt Ravi, dass die Welt aus den Fugen geraten ist. Gefangen in einer Zeitschleife versucht er, seine im Zauberschlaf liegende Assistentin Blanche zu beschützen und gleichzeitig einen Weg aus dieser verfahrenen Situation zu finden. Angelockt von den Vorkommnissen in Montparnasse tauchen nach und nach andere Magier und zwielichtige Gestalten auf, bei denen sich Ravi nie sicher sein kann, welche Motive sie bewegen.

Was in den nächsten Tagen in Montparnasse vor sich geht, wird aus insgesamt 7 verschiedenen Blickwinkeln wiedergegeben. Justine, die Bedienung des „Jardin“, in dem Ravi und Blanche logieren und in dem auch nach und nach alle anderen Beteiligten eintreffen, ihr Chef Alphonse und dessen Frau Esmée sowie der junge angehende Schriftsteller Gaspard stehen für die Sichtweise der Nicht-Magier, die nicht bemerken, dass sie sich in einer Zeitschleife befinden und immer wieder den gleichen Tag aufs Neue durchleben. Kleine Abweichungen sorgen allerdings dafür, dass kein Tag dem anderen vollkommen gleicht und insbesondere die Wandlungen in der sich anbahnenden Liebesgeschichte zwischen Justine und Gaspard sind dabei besonders eindrucksvoll und vor allem einfühlsam geschildert. Im Gegensatz dazu stehen Ravi und der Magier Barneby für den Blickwinkel derer, die die Zeitschleife als solche erkennen und sich an die vorherigen Tage erinnern können. Obwohl keiner dem anderen richtig vertraut und sie sich vorsichtig umschleichen, arbeiten sie gemeinsam an einer Lösung des Problems. Die letzte Perspektive ist auch die ungewöhnlichste: obwohl Blanche in tiefem Schlaf in ihrem Bett im „Jardin“ liegt, gibt es einige kurze Abschnitte, in der deutlich wird, dass sie dennoch einen Einfluss auf die um sie herum stattfindende Entwicklung nehmen kann.

Aufgrund dieser vielen Blickwinkeln kommt es stellenweise vor, dass man manche Szenen mehrmals erlebt, allerdings aufgrund der unterschiedlichen Erzähler anders wahrnimmt. Es ergibt sich dadurch ein buntes und vielfältiges Puzzle, dass neben der Vielfalt an Erzählern noch durch einige Abgesandte der „Société Silencieuse“ ergänzt wird, die den Gebrauch von Magie überwacht und ihren Mitgliedern strenge Regeln vorgibt. Doch obwohl sie alle vorgeben, nur im Sinne des Direktorats zu arbeiten, führen sie eigene Pläne im Schilde. Das Verwirrspiel, wer nun mit wem gegen wen und warum, hat mich einen Großteil des Buches über hervorragend unterhalten und zu meiner Zufriedenheit werden die meisten Fragen am Ende des Buches auch beantwortet, so dass der Leser nicht hängen gelassen wird.

Neben dem Rätseln um die Ursache der Zeitschleife und möglichen Wegen, sie zu durchbrechen, hat mich auf der emotionalen Ebene die Beziehung zwischen Justine und Gaspard gefangen genommen. Jeden Sonntag Vormittag begegnen sie sich, doch nicht jeden Tag entsteht daraus eine innige Verbindung, die für beide einen neuen Weg in die Zukunft eröffnet. Während sie sich an einem Tag nur einen Blick über die Straße hinweg zuwerfen, verbringen sie eine andere Version des selben Sonntags gemeinsam wie ein verliebtes Paar. Obwohl die Magier sowohl Justine als auch Gaspard in ihre Experimente und Forschungen einbeziehen und sie dabei wenig mehr als Versuchskaninchen für sie sind, lässt sie ihr Schicksal nicht kalt und als sich alle Dinge ihrem Ende nähern, unternehmen sie noch den Versuch, den beiden das Leben zu verschaffen, dass sie ihnen wünschen und das ihnen bestimmt zu sein scheint.

Alles in allem hat Plaschka mit „Die Magier von Montparnasse“ einen beeindruckenden Roman geschrieben, der den Leser nicht nur zum Mitdenken und Miträtseln einlädt, sondern ihn auch emotional an sich bindet und nur schwer wieder loslässt. Dafür vergebe ich 5 von 5 schwarzen Katzen.

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