Frank Schätzing – Tod und Teufel

Im Köln des 13. Jahrhunderts schlägt sich Jacop, wegen seiner flammend roten Haare „der Fuchs“ genannt, als Dieb und Bettler durch. Während einer seiner Streifzüge beobachtet er, wie der Dombaumeister von einem plötzlich hinter ihm aufgetauchten Schatten vom Gerüst in den Tod gestürzt wird. Bevor er so richtig realisieren kann, was er gerade gesehen hat, flieht er vom Tatort. Durch zwei angebliche Zeugen wird beinah ganz Köln davon überzeugt, dass der Tod des angesehenen Mannes nur ein Unfall war. Jacop hingegen weiß es besser, doch jeder, dem er erzählt, was er gesehen hat, stirbt bald darauf. Zwei Möglichkeiten bleiben dem Fuchs jetzt noch: die Flucht oder der Kampf. Unterstützt von seiner Zufallsbekanntschaft Richmondis, ihrem Vater und ihrem Onkel nimmt er den Kampf gegen den Unbekannten auf und stößt dabei auf eine Intrige, die die Herrschaft über Köln zum Ziel hat.

Die Hauptperson Jacop ist ein Dieb und Tunichtgut, dem ich nicht viel abgewinnen konnte. Sein loses Mundwerk, mit dem er sich aus manch kniffliger Situation herausgeredet hat, war ein sympathischer Charakterzug, doch hat sich mir der Eindruck aufgedrängt, dass Jacop mehr aus seinem Leben hätte machen können, als er gewillt war. Er gefiel sich zu sehr in seiner Rolle als berühmt-berüchtigter Dieb „der Fuchs“. Als er dann mitbekommt, in welchen Schlamassel er geraten ist, reagiert er zudem mehr verschüchtert und nicht wie der Kämpfer, der er gern sein würde. Ohne Unterstützung von Richmondis und ihren beiden Männern hätte er vermutlich einfach aufgegeben. Im Gegensatz dazu steht die resolute Richmondis, die an Jacop einen Narren gefressen hat, sowie ihr Vater und Onkel, die beide einem guten Schluck nicht abgeneigt sind und sowohl nüchtern als auch in angetrunkenem Zustand Debatten über Gott und die Welt führen. Über dieses Gespann habe ich mich während des Lesens amüsiert und auch Richmondis war mir sympathisch.

In einem zweiten Erzählstrang blickt der Leser in das Lager der Verschwörer, die hinter dem Tod des Dombaumeisters stecken, und erfährt, was sie zu dieser Tat bewogen hat. Positiv zu vermerken ist, dass sie nicht einfach nur aus Machtgier agieren, sondern sie gute Gründe für ihr Handeln haben. Auch gibt es innerhalb der Gruppe manche Charaktere, die verschieden starke Grautöne in der Charakterzeichnung aufweisen und von denen ich sogar mit einem sympathisieren konnte.

Die Handlung an sich ist ziemlich simpel gestrickt. Nachdem sich Jacop endlich zum Kampf gegen seine unbekannten Widersacher entschlossen hatte, versuchte er gemeinsam mit seinen neuen Freunden mehr über den Mörder und seine Hintermänner herauszufinden, woraufhin diese mit neuen Vertuschungs- und Erpressungsversuchen reagieren. Die Auflösung des Konflikts hat mir gut gefallen, denn sie war ziemlich realistisch und das Beste, was man in dieser Situation erwarten konnte.

Ähnlich wie in „Der Schwarm“ konnte sich Schätzing in diesem Buch auch nicht zurückhalten und hat viele seiner Rechercheergebnisse in der Handlung untergebracht. Während es mir im „Schwarm“ nicht so sehr gestört hat, fand ich hier die Dialoge, in denen das Wissen vermittelt wird, reichlich plump und aufgesetzt und zu einem guten Teil auch überflüssig, da viel zu weit ausgeholt wird, um zum Kern der Sache vorzudringen.

Fazit für mich: obwohl dieser historische Krimi nicht schlecht ist, hat mir „Der Schwarm“ als moderner Wissenschaftsthriller ein ganzes Stück besser gefallen. Von daher vergebe ich für „Tod und Teufel“ nur 2,5 von 5 Äpfeln.

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