Terry Goodkind – Das Schwert der Wahrheit (1) – Das erste Gesetz der Magie

Richard Cypher ist ein Waldläufer, der im friedlichen Westland ein einfaches, aber zufriedenes Leben führt. Doch nach dem grausamen Mord an seinem Vater ist es mit seiner Ruhe vorbei und er macht sich auf die Suche nach dem Täter. Dabei lernt er die hübsche Kahlan kennen, zu der er schnell Vertrauen fasst, die ihm aber dennoch etwas vorenthält. Sie kommt von jenseits der magischen Grenze, die Westland von seinem östlichen Nachbarn in Midlands und D’Hara abschirmt, wo der grausame Darken Rahl herrscht und nach Rache für den Mord an seinem Vater giert. Kahlan, die als Mutter Konfessor eine besondere Rolle in der Gesellschaft einnimmt und sogar noch über Königen steht, ist ihm dabei im Weg und er hat ihr einige seiner Spezialtruppen nachgesandt. Da Richard jedoch verhindert hat, dass sie ihren Auftrag ausführen konnten, gerät er selbst ins Visier von Darken Rahl. Von seinem väterlichen Freund Zedd, der in Wahrheit ein Zauberer ist, der sich ins magiefreien Westland zurückgezogen hatte, wird Richard zum Sucher ernannt, der lediglich sich selbst und der Wahrheit verpflichtet ist. Ausgerüstet mit dem Schwert der Wahrheit als Erkennungszeichen ähnelt er damit Kahlan und nimmt ähnlich wie sie als Mutter Konfessor eine Sonderstellung ein. Gemeinsam versuchen sie Darken Rahl aufzuhalten, dessen Pläne ihm zwar die ultimative Macht verleihen könnten, aber auch das Risiko beinhalten, alles Leben auszulöschen.

Richard, der sich in seiner Heimat bestens auskennt und alle Fähigkeiten für das Leben im Wald beherrscht, wird im Laufe der Handlung in die Rolle des unwissenden Weltretters gedrängt. In Kahlans Heimat, den Midlands, herrscht im Gegensatz zu Westland noch Magie, die neben unheimlichen und gefährlichen Kreaturen auch andere Gefahren hervorgebracht hat, über die Richard nicht das Geringste weiß. Er ist dazu gezwungen, sich voll und ganz auf Kahlan zu verlassen und obwohl er weiß, dass sie ihm etwas verschweigt, bedrängt er sie nicht. Dieses Vertrauen erscheint mir in seiner Unerschütterlichkeit übertrieben, ist aber die Basis der Beziehung zwischen Richard und Kahlan und muss deshalb so hingenommen werden. Dass Richard aber keineswegs blind durch die Welt läuft, stellt er immer wieder unter Beweis und selbst sein nächstes Umfeld wird von seinem Misstrauen nicht verschont, wenn er entsprechende Anzeichen feststellt. Insgesamt gesehen ist Richard ein sympathischer Held, der zwar etwas unwissend, dafür umso zielstrebiger seiner Queste nachgeht.

Alle anderen Personen fallen im Vergleich zu Richard ab und man lernt sie nicht annähernd so gut kennen. Selbst Kahlan und Zedd, die zweitwichtigesten Personen, bleiben vielfach im Dunkeln und ihre Vergangenheit wird nur zu einem kleinen Teil erhellt. Diese starke Fokussierung auf Richard liegt mit Sicherheit auch am personellen Erzähler, der alles aus Richards Perspektive schildert und dem Leser so seine Sichtweise vermittelt. An einigen wenigen Stellen gibt es jedoch Brüche im sonst geradlinig verlaufenden Erzählstrang und Goodkind springt an andere Orte, wo er unter anderem auch von Darken Rahl berichtet. Diese Szenenwechsel kommen allerdings zu selten vor und beleuchten zumeist immer eine andere Person, so dass sich daraus kein paralleler Handlungsstrang ableiten lässt, sondern diese Passagen wie Fremdkörper wirken. Daneben sind mir auch noch einige Anachronismen negativ aufgestoßen, wobei ich allerdings nicht weiß, ob diese nur auf eine unglückliche Übersetzung zurück zu führen sind.

Worauf ich unbedingt noch hinweisen möchte, sind die im letzten Viertel des Buches verstärkt auftretenden Gewalt- und Folterszenen, in denen zwar nicht jedes Detail ausschmückt ist, aber bei deren Schilderung Goodkind auch nichts beschönigt hat.

Alles in allem hat das Buch sicherlich seine Schwächen, jedoch hat es mich hervorragend unterhalten und so sehr gefesselt, dass ich es innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe. Ich hatte zwar keine Zweifel, wie das Buch ausgehen würde, über die Details war ich mir jedoch sehr lange unsicher, weshalb ich umso gespannter weiter gelesen habe, je näher die letzte Seite kam. Obwohl ich bereits von mehreren Seiten gehört habe, dass die in der Neuauflage des Blanvalet-Verlags 11 Bände umfassende Serie ab der Mitte gewaltig zu schwächeln beginnt, werde ich mir auf jeden Fall noch die nächsten Bücher zu Gemüte führen, beginnend mit „Die Schwestern des Lichts“. Für den Serienauftakt vergebe ich 4,5 von 5 Kästchen.

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