Robert Anton Wilson – Schrödingers Katze

Diese Trilogie des Autors der schon fast legendären „Illuminatus!“-Trilogie besteht aus den Büchern

  • Das Universum nebenan
  • Der Zauberhut
  • Die Brieftauben

die man laut Vorwort unabhängig voneinander und in beliebiger Reihenfolge lesen kann. In allen drei Büchern tauchen die gleichen Personen auf, von denen einige als Konstanten agieren, während andere Charaktere zwar den gleichen Namen tragen und auch ähnliche Wesenszüge aufweisen, aber völlig verschiedene Rollen spielen.

Zu den konstanten Personen gehört an allererster Stelle die transsexuelle Mary Margaret Wildeblood, die sich zu einer Frau umoperieren ließ, ihren amputierten Penis präparierte und ihm den Namen Ulysses gab. Daneben taucht auch in jedem Buch die Orgasmusforschung von Dr. Dashwood auf, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den menschlichen Orgasmus in all seinen Möglichkeiten zu erforschen, wobei jedes Mal der präparierte Penis von Mary Wildeblood ein Gastspiel in diesem Institut gibt. Das übrige Personal ist dagegen recht unbeständig und selbst wenn einige Charaktere in allen drei Teilen der Trilogie auftauchen, so doch in verschiedenen Positionen. Wer in einem Buch als durchgeknallter Sektenführer daherkommt, der die Erde mit ein paar hundert selbstgebastelten Atombomben in die Luft jagt, kann in einem anderen Buch durchaus Präsident der Vereinigten Staaten sein.

Die Personen an sich sind allesamt eher blaß und ich konnte keine Beziehung zu ihnen aufbauen. Dafür waren vor allem Dingen die Vielzahl der Charaktere, die häufigen Szenenwechsel und der begrenzte Seitenumfang von nicht mal 300 Seiten pro Buch ausschlaggebend. Die Handlung für sich genommen war ebenfalls nichts herausragendes – höchstens herausragend verwirrend und schwer durchschaubar. Worum es in den Büchern eigentlich geht, kann ich nicht sagen. Es gibt in jedem Fall eine Rahmenhandlung, in der eine Person beschließt, einen Roman zu schreiben und sich selbst als Charakter zu integrieren. Worum es in den Romanen allerdings geht, ist vollkommen unterschiedlich: in „Das Universum nebenan“ ist das Leben in den USA verdammt hart und eine Sekte, die heimlich hunderte von selbstgebauten Atombomben gebaut und deponiert hat, prangert diese Missstände an. In „Der Zauberhut“ hingegen wurde die Armut einfach abgeschafft und da es den Menschen hervorragend geht, nutzen sie all ihre Energien zur Erforschung des Lebens im All und zur Erreichung der Unsterblichkeit. In „Die Brieftauben“ schließlich untersucht der Geheimdienst der USA das Verschwinden einer handvoll Wissenschaftler, wobei nicht nur der ermittelnde Detective unter einer Art Persönlichkeitsstörung leidet.

Was genau Wilson mit diesen Büchern zum Ausdruck bringen wollte, ist mir nicht wirklich klar geworden, wobei ich allerdings aus dem Glossar, welches am Ende jedes Buches abgedruckt ist, eine gewisse Ahnung mitgenommen habe. Aber selbst ohne diese Ahnung hat mir die Lektüre der Bücher eine merkwürdige Freude gemacht: ich wusste nicht genau, was ich da lese, aber es gefiel mir. Wie ein Blurb vom Playboy es ausdrückt: „Eine bekiffte Fassung von ‚Alice im Wunderland’.“ Wenn allerdings der Playboy sich zu einem Kommentar über ein Buch hinreissen lässt, dann darf damit gerechnet werden, dass in besagtem Buch mit Sex nicht unbedingt gegeizt wurde. Von daher sollte man sich bewusst sein, dass Wilson in jedem der Bücher dieser Trilogie streckenweise sehr detailreiche Sexszenen wiedergibt, die einigen Lesern als obszön aufstoßen könnten.

Insgesamt gesehen dürften sich die Lesermeinungen an diesen Büchern scheiden: die einen werden ihnen nicht abgewöhnen können und die anderen werden sie auf ein Podest erheben. Obwohl ich gewiss schon Besseres gelesen habe, gehöre ich doch eher zur zweiten Gruppe, denn die Lektüre hat mir Spaß gemacht und nach einer Verschnaufpause werde ich mir wohl auch noch die eingangs erwähnte „Illuminatus!“-Trilogie besorgen. Von daher vergebe ich 4 von 5 Beasts.

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6 Kommentare zu “Robert Anton Wilson – Schrödingers Katze

  1. Evi sagt:

    Hi Myriel!

    Ich kann dir nur zum Entschluss gratulieren, dass du dir die Illuminatus!-Trilogie anschaffen willst. Ich glaub ich hab schon mal so ganz nebenbei *gg* erwähnt, dass die Bücher total abgefahren sind…
    Die Verschnaufpause vorher ist aber sicher eine gute Idee 😉

    Und ich muss jetzt direkt mal einen alten Wilson zum Re-Read hervorkramen…

    LG, Evi

  2. Myriel sagt:

    Hallo Evi,
    ja, die „Illuminatus!“-Trilogie hattest Du schonmal unauffällig erwähnt. :mrgreen:
    Wie ist sie eigentlich inhaltlich? Auch so total verworren wie „Schrödingers Katze“ oder mit einer stringenteren Handlung so wie „Masken der Illuminaten“?
    LG Myriel
    P.S. Welcher Re-Read wird es denn werden? *neugierig*

  3. Evi sagt:

    Soweit ich mich erinnern kann, gab es durchaus eine Handlung, allerdings hat mich am Anfang sehr verwirrt, dass die Erzählperspektive ständig gewechselt hat, und man nie so genau wusste, wer man nun war. Das war auch der Grund dafür, dass ich das Buch beim ersten Mal lesen abgebrochen habe (wie gesagt, es ist ungefähr 10 Jahre her, dass ich das gelesen habe). Als ich es dann nach einiger Zeit wieder zur Hand nahm, hat es etwas gedauert, aber ich kam dann damit klar – und dann bin ich total hineingekippt in die Geschichte, konnte das Buch nicht mehr weglegen und hab mir auch die beiden anderen Teile gekauft und gleich verschlungen. Und dann noch ein paar andere Bücher von Wilson *gg*
    Was den Re-Read betrifft, ich weiß noch nicht so genau, wahrscheinlich „Das Universum nebenan“, leider habe ich die Illuminatus!-Bücher nicht mehr, denn die habe ich mal meinem Bruder geborgt, und sie nicht wieder zurückbekommen *grrr*

  4. Myriel sagt:

    Das klingt ganz danach, als sollte die Verschnaufpause zwischen „Schrödingers Katze“ und „Illuminatus!“ lieber etwas großzügiger ausfallen, damit ich mich nicht mit diesen wirren Geschichten übersättige. Mal sehen, wann ich das nächste Mal Appetit auf Wilson habe. ^^
    Tz, so ein fieser Bruder. Die Gefahr ist bei meinem zum Glück relativ gering, so viel liest er nicht.

  5. Anonymous sagt:

    ‚Schroedingers Katze‘, ‚Die Illuminati-Papiere‘ oder ‚Illuminatus‘, Wilson besticht durch seine Kunst den Leser zu verwirren und doch zu faszinieren. An Genialitaet fast nicht zu ueberbieten. Wobei ich bei Wilson auch oft an Philip K. Dick denken muss, diese beiden, Douglas Adams und Thomas Harris haben mich zum Lesen gebracht. Faszinierend.

    Gruss

  6. Hallo …
    in Wilson’s Welt pflegten die höheren Primaten ihre Egos bereits wie permanente Notfallsituationen. Die meisten Prämissen ihres religiösen, wissenschaftlichen und philosophischen Denkens waren folglich tendenziell falsch. „Jede falsche oder auch nur teilweise falsche Prämisse, die exakt und logisch weitergedacht wird, verursacht (jedoch) eine approximative Simulation von Irrsinn.“ – postulierte Blake Williams (einer der Protagonisten) etwa auf Höhe 72nd Street … den Broadway überquerend.
    UND: ich habe diesen Kommentar mit einem Kommentar von mir verlinkt.
    http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/563836/-gefundene-KUNST

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