Ange Guéro – Die Legende von Ayesha (1) – Rune der Knechtschaft

Marikani ist die Erbin und künftige Herrscherin des südlichen Reichs Harabec, doch als sie während eines diplomatischen Besuchs im Norden verraten wird und auf eigene Faust den Weg zurück in ihre Heimat suchen muss, ist ihr Thron und ihr Leben in Gefahr. Mehr aus Reflex denn aus Berechnung befreit sie einige Galeerensklaven von ihrem während eines Gefechts beschädigten Schiffs, bevor sie jämmerlich ertrinken. Unter den Männern ist auch Arekh, der künftig z.T. auch gegen seine Absicht die Rolle von Marikanis Leibwächter und auch Berater übernimmt. Gemeinsam mit Marikanis Zofe Lionor schlagen sie sich langsam aber sicher Richtung Harabec durch und trotzen dabei den Widrigkeiten der unwegsamen Natur, ihren Verfolgern und politischen Widerständen. Doch selbst als sie endlich wieder in ihrer Heimat angekommen ist, muss Marikani weiter kämpfen, denn ihr Cousin erhebt Anspruch auf den Thron – und das ausgerechnet, als eines der nördlichen Herzogtümer seine Truppen an der Grenze aufmarschieren lässt.

An und für sich klang der Titel und der Rückentext des Buches spannend und versprachen eine Fantasy-Story abseits von Zwergen, Elfen und Co., denn Marikani soll die Reinkarnation der Göttin Ayesha sein, die das versklavte Türkisvolk, dass sich vor allem durch türkisfarbene Augen und ein Mal auf dem Rücken auszeichnet, befreien soll. Doch von dieser Prophezeiung ist, wie man meiner Zusammenfassung des Inhalts entnehmen kann, kaum die Rede. Nur am Rand erfährt man vom Schicksal des Türkisvolkes, wie es zu ihrer Versklavung kam und unter welchen Umständen sie heute leben müssen; von Marikani als Wiedergeburt einer Göttin ist überhaupt keine Rede. So gesehen weckt der Klappentext völlig falsche Erwartungen an das Buch, die nicht erfüllt werden können.

Darüber lässt sich hinwegsehen, solange das Buch ansonsten eine gute Geschichte bietet – was es leider überhaupt nicht tut. Die Personen blieben mir durchgängig fremd. Weder Arekh, aus dessen Perspektive der personale Erzähler die Geschehnisse schildert, noch Marikani oder Lionor entwickeln eine stimmige Persönlichkeit. Warum sie etwas tun, was sie sich dabei denken oder was sie fühlen, ist für den Leser nicht nachvollziehbar und widerspricht sich oftmals auch selbst.

Zudem wird man bereits auf den ersten Seiten mit einer Vielzahl von Fakten erschlagen, die man als Leser nicht einordnen kann und die zum Großteil – zumindest in diesem Buch – nie wieder eine Rolle spielen. Ein Glossar hätte zumindest einige Verwirrung vermeiden können, da man sich als Leser nicht damit hätte aufhalten müssen, zu versuchen sich alles Erwähnte zu merken – unabhängig davon, ob man es wieder braucht oder nicht. Immerhin ist im Buch eine Karte abgedruckt, auf der man die Marschroute von Arekh, Marikani und Lionor verfolgen konnte.

Dass das Autorenpaar auch anders kann, beweisen die letzten rund 50 Seiten, die spannend und mitreissend geschrieben sind und auf denen einige Tatsachen enthüllt werden, die alles zuvor geschehene in ein völlig neues Licht rücken. Allerdings wäre ich niemals bis zu der Stelle gekommen, wenn ich das Buch nicht in einer Leserunde gelesen hätte, denn ich hätte es vorher abgebrochen.

Selbst im Nachhinein mit dem Wissen um den gelungenen Schluss des Buches kann ich es nicht guten Gewissens empfehlen, denn über 300 Seiten voller Andeutungen und halbgarer Antworten als Appetithäppchen sind im Vergleich zu einem gelungenen Schluss einfach unverhältnismäßig. Von daher gibt es von mir gerade mal 1 von 5 Löwenmasken.

Die beiden anderen Bände dieser Trilogie, „Pakt der Könige“ und „Volk der Verbannten“ werde ich jedenfalls nicht lesen. Ich kann mir ausrechnen, wie die Bücher enden werden und habe keine Lust, mich möglicherweise durch nochmals einige hundert Seiten quälen zu müssen, nur um meine Vermutung bestätigt zu finden.

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