Une soirée fantastique (22.05.2010)

Im Rahmen des an diesem Wochenende stattfindenden 19. Wave Gotik Treffens in Leipzig fand gestern Nachmittag im „Dark Flower“ eine Gemeinschaftslesung von 5 bekannten deutschen Fantasyautoren statt, organisiert von WerkZeugs.

Christian von Aster

Christian von Aster

Eingeläutet wurde der Abend von Christian von Aster, der eine herrlich schräge Kurzgeschichte über die letzten Stunden des Herrn Barnabas B. vortrug. Während dieser im Sterbehospiz St. Judas dahinscheidet, treffen nach und nach 6 „Gäste“ ein, die alle das gleiche beanspruchen: die Seele des demnächst Versterbenden. Dem ersten Gast wurde sie in Finnland überschrieben als Gegenleistung für geschmuggelten Alkohol, während der zweite Gast sie erhielt, als er Barnabas ermöglichte, in Kapuzinerklostern Kondomautomaten aufzustellen. Ähnlich erging es den übrigen Gästen und nachdem sie akzeptiert hatten, dass sie alle über den Tisch gezogen wurden, beschließen sie, zur Vermeidung einer totalen Pleite, Barnabas Seele wenigstens gleichmäßig aufzuteilen. Eins hatten sie dabei allerdings nicht bedacht: dass jemand, der so selbstsüchtig, ignorant und vollkommen herzlos ist wie Barnabas, unmöglich eine Seele besitzen kann.

Boris Koch

Boris Koch

Während sich von Aster in Richtung seiner nächsten Veranstaltung verabschiedete, betrat Boris Koch das Lesepult, nicht ohne noch einen äußerst liebenswürdigen Kommentar von seinem Vorgänger zu erhalten. Anschließend widmete sich Koch seinem Roman „gebissen“, in dem es, wie der Titel schon andeutet und wie es momentan scheinbar vom Markt gewünscht wird, um Vampire geht. Koch las zwei verschiedene Stellen ausdrucksvoll vor, in denen wir Sandy kennen lernen, die von ihrem Freund zugunsten ihrer Schwester verlassen wurde und die so wütend ist, dass sie ihren Teddybären stellvertretend für ihren Ex-Freund auf ein Holzkreuz schlägt. Einige Wochen später geht es Sandy immer noch nicht besser. Auf einem Streifzug durch die Stadt wird sie unwiderstehlich von etwas angezogen und trifft schließlich in einem verlassenen Fabrikgelände auf einen Vampir, der ihr eröffnet, dass sie auserwählt sei. Nun ja, sonderlich originell klingt der Plot jetzt nicht, aber Koch hat eine angenehme Vortragsweise, die seine Lesung zu einem gelungenen Beitrag der Veranstaltung werden lies.

Christoph Hardebusch

Christoph Hardebusch

Das gleiche kann ich vom nächsten Vortragenden, Christoph Hardebusch, nicht unbedingt behaupten. Er trug ebenfalls zwei verschiedene Passagen aus seinem Roman „Die Werwölfe“ vor, die aufgrund der geringen Lautstärke jedoch schwierig zu verstehen waren. Soweit ich es mitbekommen habe, ist ein italienischer Adelsspross namens Niccolo eine der Hauptpersonen, die in Genf auf den englischen Lord Byron trifft. Wie genau die titelgebenden Werwölfe damit zusammen hängen, werde ich mir wohl selbst erlesen müssen. Zum Glück hat mir meine Cousine das Buch ausgeliehen, so dass dem nichts im Wege steht.

Nach einer Stunde Lesung wurde an dieser Stelle eine 15minütige Pause eingelegt, die einige der Anwesenden genutzt haben, sich mit neuen Getränken zu versehen, während andere die Veranstaltung verließen. Immerhin haben sie damit bis zur Pause gewartet. Zahlreiche andere haben es nicht so lange ausgehalten, während widerrum andere erst während der Lesung eintrafen. Das dadurch verursachte ständige Kommen und Gehen trug nicht dazu bei, eine angenehme Atmosphäre herzustellen. Insgesamt gesehen war dies sogar die unruhigste Veranstaltung, auf der ich bisher war. Dennoch blieb ich bis zum Schluss und konnte so noch die Vorträge von Markus Heitz und Oliver Plaschka hören.

Markus Heitz

Markus Heitz

Markus Heitz hat entgegen meiner Hoffnungen nicht aus „Collector“ gelesen, sondern aus „Judassohn“, was aber auch besser zum fantastischen Thema der Lesung gepasst hat. Zu Beginn wies er gleich darauf hin, dass „Judassohn“ die Fortsetzung von „Kinder des Judas“ sei, aber man dieses nicht unbedingt gelesen haben muss, um „Judassohn“ zu verstehen. Da jedoch auch Sia wieder die Hauptrolle gibt und soweit man es aus den Auszügen erkennen konnte, auf frühere Erlebnisse angespielt wird, die in „Kinder des Judas“ geschildert werden, scheint es mir trotzdem angebracht, dass man die Bücher in der richtigen Reihenfolge liest.

Oliver Plaschka

Oliver Plaschka

Den Abschluss der frühabendlichen Veranstaltung bildete Oliver Plaschka, der genau wie seine Vorgänger zwei unterschiedliche Szenen aus seinem neuen Roman „Die Magier von Montparnasse“ vorlas. Obwohl ich schon auf der Leipziger Buchmesse seine Lesung besucht habe, hat sich meine Befürchtung nicht erfüllt und Plaschka hatte sich diesmal für andere Passagen entschieden, die relativ spät im Buch angesiedelt sind. Zwar hat er sich bemüht, die für das Verständnis wichtigen unmittelbaren Zusammenhänge kurz zu erklären, aber trotzdem war ich eher verwirrt, wer jetzt mit wem gegen wen und warum agiert. Zum Glück besteht aber auch hier die Möglichkeit, dass ich das selbst herausfinde, indem ich mir das Buch zu Gemüte führe, was sich seit der Buchmesse auf meinem SUB tummelt.

Fazit: Es war ein netter Nachmittag, der meine Lesepläne aber nicht über den Haufen geworfen oder wesentlich beeinflusst hätte. Die Bücher von Hardebusch und Plaschka werde ich sowieso in nächster Zeit lesen und ich denke, auch „Judassohn“ wird den Weg zu mir finden. Einziger Neuzugang auf meinem Wunschzettel ist die Anthologie „Stirnhirnhinterzimmer“, die auf dem aufgebauten Büchertisch von WerkZeugs neben anderen Werken der Autoren vertreten war. Grundlage ist ein Projekt der drei Autoren Christian von Aster, Boris Koch und Markolf Hoffmann, bei dem sie einmal im Monat in einer Berliner Bar die verschiedenen Spielarten der Phantastik ausloten und Kurzgeschichten zu einem bestimmten Thema vortragen. Einige dieser Geschichten sind nun in der Anthologie versammelt und die Kurzfassungen auf der Rückseite klingen so abgefahren und schräg, dass ich mir das Buch früher oder später bestimmt zulegen werde.

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