James A. Owen – Die Chroniken der Imaginarium Geographica (1) – Wo Drachen sind

Gegen Mitte des 20. Jahrhunderts, als der 2. Weltkrieg tobt, wird der junge Student John in London von der Polizei erwartet, die ihm die traurige Mitteilung überbringt, dass man seinen Mentor ermordet habe. Von John abgesehen haben auch Jack und Charles eine, wenngleich auch weniger innige Verbindung zum Professor und sind über dessen Tod betrübt. Während sie gemeinsam versuchen, die Nachricht zu verdauen, erhalten sie Besuch von einem seltsamen Mann, der sich als Bert vorstellt. Er kannte den verstorbenen Professor ebenfalls und war einer seiner Gehilfen, während der Professor als  Hüter für die Imaginarium Geographica verantwortlich war. Dieser Atlas, der Karten aller Inseln des Archipels der Träume enthält, u.a. vom Schlaraffenland, Thule und Lilliput, wird jetzt zur Bedrohung für das Archipel, da der finstere Winterkönig ihn benutzen will, um alle Inseln aufzuspüren und unter seine Kontrolle zu bringen. Der einzige Weg, um dies zu verhindern, ist den Atlas zu zerstören. Allerdings weiß nur der Schöpfer der Imaginarium Geographica, wie man das bewerkstelligen kann. Ein gefährlicher Wettlauf durch das Archipel der Träume beginnt für die drei jungen Männer.

John, Jack und Charles kommen alle drei völlig unvorbereitete als Fremde ins Archipel der Träume, wo sie mitten in einen Kampf hineingezogen werden, von dem sie bis vor wenigen Tagen noch nicht einmal wussten, dass er überhaupt tobt. Doch vieles im Archipel ist ein Spiegelbild der wirklichen Welt und auf diese Weise hat auch der 2. Weltkrieg Einzug in die Fantasiewelt gehalten. Während John mir mit seiner unsicheren Art und seinen Selbstzweifeln sehr glaubwürdig erschien, war mir Jack mit seiner streckenweise sehr überheblichen Art öfters unsympathisch. Charles nahm in diesem Trio die Rolle des Vermittlers ein, wodurch er allerdings nichts an Profil hinzugewann und eher eine blasse Figur blieb.

An Fantasiewesen fehlt es im Archipel der Träume entsprechend seiner Natur nicht. Dabei reicht die Spanne von sprechenden Dachsen über die üblichen Elfen, Zwerge und Trolle bis hin zu verschollenen Drachen. Daneben tauchen allerdings auch mythische Gestalten aus menschlichen Legenden auf wie beispielsweise die drei Nornen aus der irischen Mythologie und der sagenumwobene König Artus. Diese Vielfalt verleiht der Welt eine gewisse Farbenfrohheit und wirkt dank der schwelenden Konflikte zwischen den einzelnen Völkern auch nicht aufgesetzt.

Auffällig war, wie offen sich Owen bei anderen Meilensteinen der Fantasy-Literatur bedient hat, insbesondere bei dem „Herrn der Ringe“ und bei den „Chroniken von Narnia“. Durch die am Ende aufgedeckte Identität seiner Hauptpersonen werden diese Anleihen jedoch in einen völlig anderen Kontext gestellt und vor dem Plagiatsvorwurf bewahrt.

Ein besonderer Pluspunkt des Buches sind die am Anfang jedes Kapitels abgedruckten Zeichnungen, die jeweils eine Szene der folgenden Geschehnisse zeigen und vom Autor selbst angefertigt wurden.

Insgesamt gesehen habe ich mich von diesem Buch gut unterhalten gefühlt und obwohl der Ausgang der Geschehnisse recht früh absehbar war, hat es dem Weg dorthin nicht an Spannung gefehlt. Ich vergebe für dieses Buch 3,5 von 5 Kesseln und werde sicherlich auch den Folgeband „Die Suche nach dem Roten Drachen“ lesen.

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