Tania Douglas – Die Ballonfahrerin des Königs

Marie-Provence de Serdaine ist die Tochter eines Adligen. Früher hätte ihr das viele Privilegien eingebracht, doch 6 Jahre nach der französischen Revolution würde es ihr Todesurteil bedeuten, wenn jemand ihre wahre Identität herausfindet. Doch das Risiko der Entdeckung ist für sie bedeutungslos angesichts des Schicksals des jungen Louis Charles, des Sohns des hingerichteten Königs Louis XVI. und Marie Antoinette. Inhaftiert im Temple in Paris vegetiert der 10jährige unter unmenschlichen Bedingungen dahin und sein Tod ist nur eine Frage der Zeit. Ihn zu befreien hat sich Marie-Provence geschworen und deshalb hat sie sich unter falschem Namen eine Anstellung bei Doktor Jomart erschlichen, dem Arzt, der Charles regelmäßig untersucht. Durch ihre Tätigkeit im Kinderheim lernt sie auch den bürgerlichen André Levallois kennen, dessen große Leidenschaft der Ballonfahrt gilt. Die Erfahrung ihres ersten Flugs mit Andrés Ballon bringt sie auf eine tollkühne Idee, doch schnell wird deutlich, dass sich Marie-Provence zwischen ihrem Schwur zur Befreiung des Königssohns und ihrer aufkeimenden Liebe zu André Levallois entscheiden muss.

Normalerweise zählen historische Romane so überhaupt nicht zu meinem Gebiet, doch die Erwähnung der Ballonfahrt hat mich neugierig gemacht und deswegen habe ich einen neuen Versuch mit dem Genre gewagt – und ihn keineswegs bereut.

Die Autorin schafft es eine durchweg spannende und gefühlvolle Geschichte zu erzählen. Marie-Provence und André zählen zu den Hauptpersonen und streckenweise ist ihre Beziehung zueinander mehr als nur schwierig. Die aufkeimende Liebe zwischen beiden ist genauso zart und einfühlsam beschrieben wie ihre späteren Differenzen und es zählt zu Douglas großen Leistungen, dass man dabei für beide Seiten Verständnis aufbringt, obwohl man nicht alle Entscheidungen gutheißt. Auch die übrigen auftretenden Personen sind sehr ambivalent angelegt und erst nach und nach fügen sich die Puzzlestücke der Vergangenheit zusammen und man versteht, warum sie so agieren.

Sehr gut gefallen hat mir auch, wie die unvermeidliche Gewalt, die zu Zeiten der französischen Revolution geherrscht hat, dargestellt ist. Die Autorin verzichtet dankenswerterweise auf detaillierte Beschreibungen, sondern sie greift auf einige eindringliche Bilder zurück, die stellvertretend für das ganze Grauen stehen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Szene, in der ein Mann zur Unterhaltung von einer Gruppe Kinder Spatzen guillotiniert, während keine einzige Hinrichtung eines Menschen geschildert wird.

Ein weiterer Pluspunkt des Romans ist, wie geschickt die Autorin historische Realität und Fiktion verbindet. Sie erzählt ihre eigene Geschichte, ohne dabei in Widerspruch zu den überlieferten Fakten zu treten. Eine gute Orientierung, wo ihre Fantasie gewirkt hat und wo sich Douglas an die Realität gehalten hat, bietet das Personenverzeichnis zu Beginn des Buches, in dem zwischen Romanfiguren und historischen Figuren unterschieden wird. Ein Glossar, Anmerkungen und eine Bibliografie runden das Buch ab und laden zu weiteren Recherchen ein. Empfehlenswert ist zudem die Homepage der Autorin, auf der sie ergänzende Materialien zur Verfügung stellt.

Insgesamt gesehen hat mir dieses Buch sehr gut gefallen und mir gezeigt, dass es selbst im Genre der historischen Romane Perlen gibt, die es zu suchen lohnt. Bei dieser Erzählung passt für mich so ziemlich alles, selbst das Ende ist schlüssig und eine logische Entwicklung der vorherigen Ereignisse. Das ist mir 4,5 von 5 Ballen Seide wert.

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