Bernhard Hennen – Elfenritter

Diese Trilogie ist, wie der Titel bereits vermuten lässt, in der gleichen Welt angesiedelt wie die zuvor erschienenen Romane „Die Elfen“, „Elfenwinter“ und „Elfenlicht“. Die einzelnen Romane

  • Die Ordensburg
  • Die Albenmark
  • Das Fjordland

sind zeitlich während der Geschehnisse in „Die Elfen“ und nach „Elfenlicht“ einzuordnen.

Hauptpersonen sind Gishild Gunnarsdottir, Tochter des Königs des Fjordlands, und der Waisenjunge Luc aus Lanzac, der als einziger in seinem Dorf die Pest überlebt hat. Gishild belauscht während der Verhandlungen zwischen ihrem Vater und Rittern der Tjuredkirche eine Unterhaltung zwischen der Ritterin Lilianne und einem Spitzel vom Hof ihres Vaters, doch sie wird dabei erwischt und versehentlich schwer verletzt. Um sie als Pfand gegen ihren Vater einsetzen zu können – falls sie denn ihre Verletzung überlebt – wird sie heimlich in die Ordensburg Valloncour gebracht, wo der Nachwuchs für die Neue Bruderschaft der Tjuredkirche ausgebildet wird. Gegen ihren Willen muss sie dort ausharren und mit anderen Jugendlichen gemeinsam leben. Zu ihrer Lanze, ihrer Gruppe, gehört unter anderem auch Luc, zu dem sie eine besondere Beziehung aufbaut, da er ebenfalls ein Geheimnis birgt und deswegen eine Außenseiterstellung einnimmt.

Während Gishild anfangs noch darauf hofft, jeden Tag von ihrem Vater und seinen Elfenverbündeten gerettet zu werden, gehen die Jahre ins Land und aus dem Mädchen wird eine junge Frau, die sich mit ihrer Situation arrangiert. Doch gerade an dem Tag, als eine große Hochzeitszeremonie in der Ordensburg stattfinden soll, bei der auch sie Luc das Ja-Wort geben wird, kommen die Elfen endlich und holen sie. Ihr mühsam errichtetes Gleichgewicht wird dadurch erneut zerstört, denn als Tochter des auf der Suche nach ihr verstorbenen Königs Gunnar ist sie nun die Herrscherin im Fjordland und damit die Feindin ihres Geliebten Luc.

Luc seinerseits kämpft nicht nur um seine Liebe zu Gishild, sondern er hat auch die seltene Gabe, seiner Umgebung Magie entziehen zu können und damit zu heilen. Da Elfen, Trolle und andere Wesen Albenmarks ohne Magie aber nicht existieren können, bedeutet seine Fähigkeit ihren sicheren Tod. Deswegen lässt Emerelle überall nach Personen wie ihm fahnden, um mögliche Feinde bereits im Vorfeld auszuschalten, bevor sie Schaden anrichten können. Nach außen hin wirkt die Herrscherin Albenmarks kühl und berechnend, doch in ihrem Innersten ist sie verzweifelt, da sie in Visionen den Tod ihres ersten Ritters und heimlichen Geliebten Ollowains gesehen hat. Das bringt sie in eine ausweglose Lage, denn entweder verliert sie Ollowain oder ganz Albenmark – egal wie sie sich entscheiden wird, der Verlust wird kaum zu verkraften sein.

An und für sich ist die Geschichte, die Hennen hier auf knapp 2000 Seiten vor dem Leser ausbreitet, vielversprechend, doch braucht er viel zu lange, um seine Schachfiguren auf dem Spielbrett zu arrangieren: erst nach ca. 400 Seiten treffen Luc und Gishild in Valloncour ein und werden dort als Novizen in die Ordensburg der Neuen Ritterschaft aufgenommen. Die Zeit bis dorthin zog sich für mich wie Kaugummi, eine Straffung hätte hier gut getan. Als die beiden jedoch erstmal ihre Positionen erreicht hatten, flogen die Seiten dank Hennens flüssigem und mitreißendem Schreibstil nur so dahin.

Gishild und Luc als eindeutige Hauptpersonen waren sympathisch gestaltet und den inneren Zwiespalt, den beide mit sich auszufechten hatten, hat sie vielschichtiger und damit interessanter gemacht. Doch auch das übrige Personal hat sich in fast allen Lagern als überraschend ambivalent erwiesen, wodurch im Ergebnis eine klare Schwarz-Weiß-Malerei vermieden wurde. Besonders im dritten Band hat sich vieles in der Konstellation der Parteien verändert bzw. die zugrunde liegenden Prämissen haben sich verschoben und es wurde einige erhellende Einblicke in die Machenschaften innerhalb der Tjuredkirche gegeben.

Was am Anfang der Trilogie zu ausführlich war, hat mir gegen Ende an einer anderen Stelle jedoch gefehlt. Wenn etwas über beinah die ganzen 2000 Seiten Seiten immer wieder angedeutet wird, dann erwarte ich, wenn es denn eintritt, etwas mehr als nur eine halbe Seite zum Thema. Da habe ich unweigerlich gedacht „Wie jetzt, das soll’s schon gewesen sein???“

Insgesamt gesehen haben mir die bisher gelesenen abgeschlossenen Elfenromane besser gefallen als diese Trilogie. Dennoch hat mir das Lesen überwiegend Spaß gemacht und mein Bild der Elfenwelt etwas mehr vervollständigt. Dafür gibt es von mir 3,5 von 5 Lanzen.

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