Die Leipziger Buchmesse am 20.03.2010

Nach der Gothic-Lesung am Freitag Abend und einer für meinen Geschmack viel zu kurzen Nacht riss mich mein Wecker am Samstag morgen aus dem Schönheitsschlaf. Vor uns lag ein ganzer Tag auf der Buchmesse, die sich wie im Vorjahr in 4 Messehallen sowie der zentralen Glashalle ausgebreitet hatte. Insgesamt warteten 2.071 Aussteller aus 39 Ländern auf die Besucher und boten ein umfangreiches Programm rund um das Buch (Quelle).

Willkommen zur Leipziger Buchmesse

Willkommen zur Leipziger Buchmesse

Bevor meine Cousine und ich uns von den Menschenströmen treiben ließen, drängte ich sie erstmal in Halle 2, wo erfahrungsgemäß der größte Ansturm zu erleben war. Neben den Schulbuchverlagen und den Kinder- und Jugendbüchern ist dort die Comic- und Mangaecke beheimatet, die dieses Jahr um einen abgegrenzten Erholungsbereich für Cosplayer ergänzt wurde. Dort begaben wir uns auf die Suche nach einem Tipp aus meinem Japanisch-Kurs und wurden auch bald darauf fündig. Überglücklich habe ich einige der letzten Exemplare der Kanji(Lern)Sudoku-Ausgaben gekauft in der Hoffnung, dass sie mir beim Japanisch-Lernen helfen können. ^^’

Anschließend blieben wir noch in der Comic-Ecke, wohin wir uns so mutig vorgekämpft hatten. Die Manga-Stände zogen weniger unsere Aufmerksamkeit auf sich als die Comic-Auslagen. Obwohl der Splitter-Verlag keinen eigenen Stand hatte, konnten wir uns beim Comic Gemeinschaftsstand über die Neuerscheinungen informieren und auch bei den Ständen der örtlichen Comicläden gab es einiges Interessantes zu entdecken. Besonders faszinierend finde ich die Adaption des Kinderbuchklassikers „Alice im Wunderland“, die passend zum aktuellen Kinofilm erschien. Eine Leseprobe gibt es auf der Verlagshomepage.

Am Stand der Random House-Gruppe

Am Stand der Random House-Gruppe

Im Anschluss an unseren Erkundungszug durch die von schreiend bunt verkleideten Jugendlichen bevölkerten Gänge von Halle 2 zogen wir weiter in Halle 3 um uns dort bis zum Beginn der ersten Veranstaltung auf unserer Liste die Zeit zu vertreiben. Der Stand des Fischer-Verlags gehörte zu den ersten Anlaufpunkten in dieser Halle, doch leider wurden unsere Hoffnungen auf eine vernünftige und aktuelle Vorschau für die Klassik-Reihe des Verlags mal wieder enttäuscht – anscheinend hat man es bei Fischer nicht notwendig, den Lesern etwas Service zu bieten. 😦 Auch bei anderen großen Verlagen sah es eher mau aus, was Broschüren und Vorschauen betraf. Offenbar verlässt man sich darauf, dass die Vielleser sich im Internet informieren und für den Gelegenheitsleser gibt es schließlich die Büchertische und Bestsellerlisten in den lokalen Buchläden. Keine Entwicklung nach meinem Geschmack!

Damaris Kofmehl im Interview

Damaris Kofmehl im Interview

Um 14.30 Uhr begaben wir uns zur Leseinsel Religion, wo die Autorin Damaris Kofmehl zu ihrem Buch „Der Neonazi“ interviewt wurde. Während der Inhalt des Buches – ein Junge wird von seinem Großvater zu einem Nazi erzogen, steigt aber später aus der Szene aus, wo er berüchtigt war – durchaus interessant klang und möglicherweise Einblicke in die rechte Szene und die Erziehungsmethoden der Nazis zu geben vermag, machte die Autorin einen ziemlich unsympathischen Eindruck. Zu Beginn erzählte sie einiges über ihr Leben und wie sie zu der Idee kam, dieses Buch zu schreiben. Als sie aber anschließend darüber sprach, wie furchtbar es doch für sie war, sich die Geschichte des Neonazis von diesem erzählen zu lassen und dass sie dem Leser das doch gar nicht alles zumuten könne und deswegen sich dazu entschlossen habe, die Ereignisse zu „zensieren“, verebbte mein Interesse an dem Buch. Ich kann es grundsätzlich nicht leiden, wenn ich als Leser bevormundet werde und der Autor für mich entscheidet, was ich aushalten kann und was zu viel für mich wäre. Wir verließen daraufhin die Leseinsel Religion vorzeitig und begaben uns lieber zurück in Halle 2 zur Fantasy Leseinsel.

Oliver Plaschka liest aus "Die Magier von Montparnasse"

Oliver Plaschka liest aus "Die Magier von Montparnasse"

Dort startete 15.00 Uhr die Lesung von Oliver Plaschka aus seinem aktuellen Buch „Die Magier von Montparnasse“. Über sein Debüt „Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Bartholomew“ habe ich schon viel Posivites gehört, weswegen ich auf seinen neuen Roman, der im Paris des Jahres 1926 angesiedelt ist, schon sehr gespannt war. Ausdrucksstark und gestenreich trug Plaschka verschiedene Passagen vor, zwischen denen er erläuternd die Grundzüge der Handlung in Kurzform erklärte, ohne dem Leser zu viel zu verraten. Da der aufblitzende Humor voll und ganz auf meiner Wellenlänge liegt und mir das Titelbild ausgesprochen gut gefällt, habe ich das Buch kurz entschlossen nach der Lesung käuflich erworben und es mir gleich noch vom Autor signieren lassen. An die Bitte von Herrn Plaschka, dass er das signierte Buch doch bitte nicht bei E-bay entdecken möchte, halte ich mich natürlich gern, schließlich hat das Schätzchen es in meinem Bücherregal viel besser. 😉

Im Anschluss erkundeten wir noch für ein wenig die Halle 4 der Buchmesse, in der unter anderem die Internationalen Verlage und die Messebuchhandlung angesiedelt waren. Da unsere Füße sich aber zunehmend bemerkbar machten, hoben wir uns eine genauere Untersuchung der Stände für Sonntag auf und fuhren mit der Tram zurück zum Hauptbahnhof, wo wir uns ein nahrhaftes Abendessen gönnten, bevor es wieder auf die Piste ging.

Kai Meyer in der Moritzbastei

Kai Meyer in der Moritzbastei

Für diesen Abend hatten wir uns den Besuch der Lesung von Kai Meyer in der Moritzbastei ausgesucht. Im Gegensatz zu Grusel und Horror auf dem Friedhof am Freitag bietet der erste Band der neuen Trilogie des deutschen Erfolgsautors „Arkadien erwacht“ eine Liebesgeschichte nach dem Motto Romeo & Julia mit Wandelwesen. In der urigen Atmosphäre der unterirdischen Räume der Moritzbastei las Meyer ausdrucksstark drei verschiedene Passagen aus dem Roman vor, die die unterschiedlichen Stimmungen und Atmosphären sehr gut wiedergaben. Im Anschluss stellte er sich den Fragen des Publikums, die nach einem verhaltenen Anfang bald rasch aufeinander folgten. Mit einer Ausnahme antwortete Meyer bereitwillig und ausführlich – lediglich als eine Besucherin, die das Buch bereits gelesen hatte, sich eine Erläuterung zum Ende wünschte, stöhnten erst die übrigen Zuhörer auf, ehe der Autor aus Rücksicht auf mögliche Spoiler nur eine kurze Antwort gab. Wie schon auf anderen Lesungen auch bot ein Büchertisch denjenigen, deren Neugierde auf das Buch unstillbar erwacht war, die Möglichkeit ihr Bedürfnis zu stillen und der Autor erfüllte bereitwillig die Signierwünsche seiner Leser.

Obwohl der Tag lang und anstrengend war, hat er sich definitiv gelohnt, denn sowohl mein SUB als auch meine Wunschliste haben ein Plus zu verzeichnen gehabt. Was wir am Sonntag noch erlebt haben und wie sich dieser Tag auf SUB und Wunschliste ausgewirkt haben, folgt in einem gesonderten Beitrag. 😉

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5 Kommentare zu “Die Leipziger Buchmesse am 20.03.2010

  1. Natira sagt:

    Danke für den anschaulichen Bericht. Die Moritzbastei ist ja ein wunderbarer Lesungsort!

    Interessant ist Deine Anmerkung zu dem Buch von Damaris Kofmehl. Zu dem konkreten Buch und der Autorin kann ich nichts sagen, war weder bei der Lesung, noch habe ich das Buch in der Hand gehabt. Aber so streng wie Du gehe ich an die Frage nicht heran, weil ich dann kaum in der Lage bin, überhaupt ein Buch zu lesen. Wie sage ich es am besten, hm… Der Autor redigiert sein Buch und fügt Passagen zu bzw. entfernt sie, insbesondere, wenn er für ein bestimmtes Alter schreibt.Regelmäßig erfahre ich als Leser auch nicht – außer es wird im Nachwort erwähnt unter Hinweis auf weiterführende Literatur oder in einem Interview -, welche Sachen entweder durch den Autor selbst oder ggf. durch das Lektorat wegfallen… Ich verstehen und respektiere Deine Einstellung durchaus und denke, ihr könnte nur nachgekommen werden, wenn der Autor entsprechend einen Hinweis incl. Nennung weiterführender Bücher in seinem Buch erteilt. Allerdings bezweifle ich, daß das jeder Autor tun wird, womit ich im Grunde wieder am Anfang bin ;). Daß der Leser selbst Gelegenheit hat, sich durch Eigenrecherche weiter mit der Materie zu befassen, steht ja sowieso außer Frage. Herrje, das ist ja ein langer Kommentar geworden, ich höre jetzt mal lieber auf. Ich denke, Du weißt wo ich hinwollte 😉
    Lg Natira

  2. Myriel sagt:

    Hallo Natira,
    ich verstehe was Du meinst und kann es auch sehr gut nachvollziehen. Grundsätzlich ist es natürlich die Entscheidung des Autors, was er in sein Buch aufnimmt und was er weg lässt. Bei freier Belletristik ist das natürlich noch mehr der Fall als bei einem Roman, der auf wahren Tatsachen beruht. Mich stört auch nicht der Eingriff in die Handlung an sich – das Ausgelassene lässt sich ja wunderbar in einem Nachwort kurz benennen, wie Du geschrieben hast – sondern vielmehr die in meinen Augen „fadenscheinige“ Begründung für die Auslassung. Das hinterlässt bei mir ein komisches Gefühl und verdirbt mir die Neugier auf den Roman. Hätte ich ihn ohne das Interview in die Hand genommen und fände ein entsprechendes Nachwort o.ä., dann hätte ich damit vermutlich auch keine Probleme gehabt. Wie gesagt, es liegt mehr am Auftreten der Autorin als an irgendwelchen objektiv greifbaren Dingen.
    Ich hoffe, Du verstehst was ich meine. 😳
    LG Myriel

  3. natira sagt:

    Hallo Myriel!
    Ja, ich seh die Richtung ;). Nicht umsonst habe ich nach zwei Lesungen Bücher gekauft :D, wenngleich dies natürlich in die andere Richtung zielt. Als Leser/Zuhörer reagiere ich halt emotional auf die Buch- bzw. Autorenpräsentationen, sowohl zum positiven als auch zum negativen hin …
    LG Natira

  4. Myriel sagt:

    Hallo Natira,
    Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Bestes Gegenbeispiel zu Frau Kofmehl wäre in meinem Fall Oliver Plaschka: seine Lesung aus „Die Magier von Montparnasse“ hat mir so gut gefallen, dass das Buch in meine Tasche gehüpft ist, obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, keine Bücher zu kaufen. ^^‘
    LG Myriel

  5. Natira sagt:

    🙂 Ich hatte schon gescherzt, ich würde die gekauften Bücher per Paketsendung nach Hause schicken, damit ich sie nicht schleppen muß. Da es aber letztlich „nur“ der neue Roman von Tanja Kinkel sowie eine Biographie von Lieselotte Welskopf-Henrich (gebunden) waren, die drei TB, die ich mitgenommen hatte, ein Leseexemplar-TB von der Messe sowie drei klitzekleine dünne gebundene Mängelexemplare, habe ich meinem Trolley und dessen Rollen sowie meinen Armen gut zugeredet *g*.
    Eine Gesprächsrunde, die mich kopfschüttelnd und frustriert zurückließ, weil ich irgendwie nichts aus ihr „mitnehmen“ konnte, hatte ich übrigens aus: Jana Hensel mit „Achtung Zone“…
    Lg Natira

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