„Gothic. Darker Stories“ – Rückkehr auf den Friedhof

Letztes Jahr haben meine Cousine und ich im Rahmen des Lesefestes Leipzig.liest die Gothic-Lesung in der Friedhofskapelle Plagwitz besucht, die uns sehr gut gefallen hat. Keine Frage also, dass auch die diesjährige Lesung in der Trauerkapelle des Südfriedhofs am Abend des 19. März auf unserem Programm stand.

Die Trauerkapelle des Südfriedhofs

Die Trauerkapelle des Südfriedhofs

Obwohl unsere Anreise zum Veranstaltungsort diesmal wesentlich problemloser ablief, was auch an der bekannteren und öffentlich leichter zugänglichen Location lag, waren wir trotzdem erst knapp vor Beginn der Lesung da. Die Veranstalter, die wohl schon mit einem größeren Besucherandrang gerechnet hatten, haben mit der Trauerkapelle des Südfriedhofs einen größeren Raum organisiert, der dennoch wieder nicht problemlos allen Platz bieten konnte. Glücklicherweise kamen wir gerade noch rechtzeitig, um einen der aus den Nachbarräumen herbeigeschafften Stühle zu ergattern, so dass wir uns nicht um den kühlen Steinboden kümmern mussten, sondern unsere Aufmerksamkeit ganz auf die Vortragenden richten konnten.

Die bisher erschienen Gothic-Bücher

Die bisher erschienen Gothic-Bücher

Während im Vorjahr die Anthologie „Gothic. Dark Stories“ den Inhalt der Lesung vorgab, standen diesmal zwei Anthologien im Mittelpunkt. Einerseits tritt „Gothic. Darker Stories“ mit den enthaltenen Kurzgeschichten die Nachfolge von „Gothic. Dark Stories“ an und bietet mehr des bekannten Grusels von vielen Autoren, die schon in der ersten Anthologie vertreten waren. Andererseits bietet „Gothic. Dark Lyrics“ zahlreiche Gedichte und Liedtexte passend zum düsteren Titelthema, die jedoch nicht nur von den Kurzgeschichtenautoren der Anthologien stammen, sondern auch von solchen Genregrößen wie beispielsweise Edgar Allan Poe oder der Band „In Extremo“.

Kerzenschein gab es diesmal nur am Rand

Kerzenschein gab es diesmal nur am Rand

Nachdem Boris Koch als Herausgeber der Kurzgeschichten-Anthologie einige einleitende Worte gesprochen hatte, eröffnete Anna Kuschnarowa den Reigen der Vortragenden mit einem Gedicht aus der Lyrik-Ausgabe. Leider war dieses schon wieder vorbei, ehe ich mich darauf eingerichtet hatte, dass es begann – keine Ahnung, worum es ging. ^^’ Gleich anschließend las die Autorin ihre Kurzgeschichte „Nasty Sirens“ in Gänze vor. Die Hauptperson, ein junger Grieche, wurde in seiner Jugend beinah vollständig von den Sirenen in der Nähe seiner Heimatinsel vereinnahmt, doch nachdem er fast gestorben war und seine Erinnerungen verloren hatte, nutzte dies seine Mutter für einen Neuanfang in New York. Die Vergangenheit holte ihn jedoch in Form der neuen Popgruppe „Nasty Sirens“ ein, die aus eben jenen Sirenen besteht, die ihn schon einmal verhext hatten.

Schaurige Atmosphäre - nicht immer wegen des Inhalts der Erzählungen

Schaurige Atmosphäre - nicht immer wegen des Inhalts der Erzählungen

Simon Weinert bot im Anschluss mit seiner Erzählung „Totengebell“ einen interessanten Kontrast, bei dem die letzten Zeilen eine überraschende Wendung herbeiführten. Wenig Überraschendes bot Maike Hallmann mit ihrer Gespenstergeschichte „Echo“, die nicht mit ihrem Inhalt sondern aufgrund des eher undeutlichen und streckenweise viel zu schnellen Vortrags der Autorin auffiel, bei dem es schwer fiel, die Konzentration aufrecht zu erhalten.

Der schleichenden Müdigkeit, die sich während der vergangenen Minuten bei mir bemerkbar gemacht hatte, wurde jedoch gleich darauf von Christian von Aster Einhalt geboten, der seinen Auftritt sinngemäß mit den Worten einleitete, dass er sich ein Thema ausgesucht hat, das wunderbar zu Vampiren und Horror passt – einem Kindergarten! In einer ebensolchen Einrichtung erlebt ein junger Erzieher in der Ausbildung seinen ganz persönliches Grauen mit „der Brut“. Leider hat Christian von Aster sich des Schachzugs bedient, mitten in der Erzählung aufzuhören und die Zuhörer damit auf die Folterbank zu spannen. Wer wissen möchte, was es mit der Brut auf sich hat, muss zum Buch greifen und selber lesen. Zur Entschädigung gab er allerdings im Anschluss noch seinen Beitrag zum Lyrik-Band „Galgenweisheit“ zum Besten, der wie die Kurzgeschichte mit dunklem Humor aufwarten und den Zuhörern so manches Lachen entlocken konnte.

Koch und Heitz

Herausgeber Boris Koch links neben Autor Markus Heitz

Den Abschluss der Lesung bildete wie bereits im Vorjahr Markus Heitz, der jedoch diesmal seinen Beitrag vollständig las. In „Paranormal“ sind die Hauptpersonen alles, aber nicht normal. Zum Geburtstag des Vaters bereitet die Mutter ein Festmahl zu – Hauptzutat: der Postbote. Widerwillig lässt sich die Tochter in den Keller des Hauses schicken, um noch einige Zutaten zu holen. Doch ganz wohl ist ihr dabei nicht, schließlich gehörte das Haus früher einmal Satanisten. Zu dumm, dass ausgerechnet zu dem Zeitpunkt ihr Handy klingelt und ihr Freund ihr etwas von einem entflohenen Axtmörder erzählt. Und wessen Schatten ist das eigentlich, der auf das Regal fällt?

anschließende Signierstunde

anschließende Signierstunde

Insgesamt gesehen war die Gothic-Lesung wieder ein Erlebnis, kann aber bei Weitem nicht an die Veranstaltung im Rahmen der Buchmesse 2009 heran reichen. Durch den größeren Raum und die hellere Beleuchtung mit den riesigen Kronleuchtern ging die heimelige Atmosphäre verloren, die ein Highlight der letztjährigen Lesung war. Statt dessen hat sich das Ganze eher in Richtung „Massen“-Veranstaltung entwickelt, die auch nicht durchgängig mit der Qualität der ausgewählten Beiträge überzeugen können. Dennoch hätte man den Abend durchaus schlechter verbringen können und durch den Büchertisch und die Signierbereitschaft der anwesenden Autoren wurde das Ganze angenehm abgerundet.

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4 Kommentare zu “„Gothic. Darker Stories“ – Rückkehr auf den Friedhof

  1. Natira sagt:

    Das hört sich nach einem spannenden und anregenden Abend an 🙂 Boris Koch und Markus Heitz habe ich bei anderen Gelegenheiten dieses Jahr gehört: Sie lesen beide sehr gut.
    Lg Natira

  2. Myriel sagt:

    Wie ich auf deinem Blog lesen konnte warst Du auf dem Fantasy-Abend in der Bahnhofsbuchhandlung. Dort war ich letztes Jahr und fand es ebenfalls sehr schön. Leider hatten wir dieses Jahr schon anderes in der Planung, aber Heitz, Koch und Frau Schlederer haben wir auch so genießen können. 🙂

  3. Natira sagt:

    Den Abend fand ich wirklich unterhaltsam. Der Anteil von Fantasy-Büchern ist inzwischen in meinem SuB auch schon gewachsen :).

  4. Myriel sagt:

    Das Fantasygenre hat aber auch zu viel Verlockendes zu bieten – zum Glück auch ohne die üblichen Klischees zu bedienen. 🙂

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