Thomas Plischke – Endspiel

Deutschlands Sommermärchen fand 2006 statt, als die 18. Fußball-Weltmeisterschaft in unserem Land ausgetragen wurde. Warum Deutschland jedoch den Titel nicht holte, darüber klärt Thomas Plischke in seiner „persönlichen Abrechnung mit König Fußball“ auf.

Joachim Renner ist 38 Jahre alt und arbeitet als Redakteur in der Sportabteilung einer mittelgroßen norddeutschen Zeitung. Nach dem Skandal beim Finale verschwand er plötzlich. Warum er verschwand und was wirklich beim Finale geschah, erklärt Jo rückblickend in seinen Aufzeichnungen, die dieses Buch bilden und damit dem Leser vorliegen. Er beginnt dabei chronologisch beim Beginn der WM mit der spektakulären Eröffnungsfeier und hangelt sich entlang der verschiedenen Spiele bis zum Finale. Auf dem Weg dorthin beginnt sein Weltbild jedoch zu wanken. Zuerst erfährt er, dass eine Ex-Freundin aus der Redaktion dafür gesorgt hat, dass er nach der WM seinen Job verlieren wird. Dann tritt ein Mann an ihn heran, den er für einen Geheimagenten hält, und erklärt, dass der Trainer der deutschen Nationalmannschaft nach dem WM ein politisches Amt anstrebt und um diese Einmischung zu verhindern, benötigt er Insider-Informationen, an die Jo als Journalist leichter herankommt. Und nachdem Jo über einige Ungereimtheiten gestolpert ist, macht Aristoteles Kant die Liste von Personen, die Jos Leben in Unordnung bringen, komplett. Zuerst hält ihn Jo für einen verrückten Verschwörungstheoretiker, doch die Beweise, die Aristoteles vorlegt, um Jo zu überzeugen, und die Dinge, die Jo selbst erlebt, überzeugen ihn davon, dass eine einflussreiche Gruppe von Personen im Hintergrund die Fäden zieht, um Deutschlands Nationalmannschaft zum Sieg zu führen und den Freudentaumel des Volkes auszunutzen, um ein neues Zeitalter einzuläuten. Dabei schrecken diese Leute auch vor Erpressung und Mord nicht zurück, so dass Jo bald nicht mehr weiß, wem er überhaupt noch trauen und wo er sich sicher fühlen kann.

Obwohl Jo seine Erlebnisse rückwirkend erzählt und daher bereits weiß, was bis zu dem Zeitpunkt passieren wird, an dem er seinen Bericht schreibt, hält er sich mit Vorausdeutungen zurück. Er schildert im Gegenteil die Geschehnisse so, als ob sie sich gerade jetzt abspielen würden, wodurch man mit Jo sehr gut mitfühlen kann.

Im Gegenteil zu meiner vorherigen Lektüre „Bockmist“ von Hugh Laurie bleiben die diversen Verschwörungen, in die Jo in diesem Buch verwickelt wird, überschaubar und nachvollziehbar, wobei die Auflösung der Handlungsfäden zum Ende des Buches stimmig ist, aber auch noch überraschen kann.

Was dem Bericht besondere Authentizität verleiht, sind eingeschobene Zeitungsartikel und andere Zitate, die das Niedergeschriebene ergänzen. Optisch gelungen heben sie sich zudem durch andere Schriftarten ab, so dass man genau erkennen kann, wo die Grenze zu Jos Bericht verläuft.

Obwohl Fußball an sich so überhaupt nicht mein Thema ist, hat sich die Kurzbeschreibung des Buches als „ein verschwörerisch-skuriller Fußball-Krimi“ bewahrheitet und ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Dafür gibt es von mir 3,5 von 5 Trikots.

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