Tad Williams – Die Saga von Osten Ard

Die Saga von Osten Ard, in Deutschland auch unter dem Titel „Das Geheimnis der großen Schwerter“ veröffentlicht, umfasst insgesamt 4 Bücher:

  • Der Drachenbeinthron
  • Der Abschiedsstein
  • Die Nornenkönigin
  • Der Engelsturm

König Johan Presbyter ist der siebte Hochkönig über das Land Osten Ard und regiert von seinem Sitz, dem Hochhorst, aus. In seiner Jugend hat er einst den Drachen erschlagen, der in den Tiefen des Hochhorsts hauste, doch nun ist er alt und gebrechlich. Sein jüngere Sohn Josua hat keine Ambitionen, seinem Vater auf den Thron nachzufolgen, doch wird seinem großen Bruder Elias genau dies von seinem zwielichtigen Berater Pryrates eingeredet. Während das Land unter einer ungewöhnlichen Dürre leidet und kurz darauf ein nicht enden wollender Winter folgt, verschwindet Josua plötzlich.

Von all diesen Ereignissen wird das Leben des Küchenjungen Simon Mondkalb kaum berührt. Wie auch zuvor schleicht er über den Hochhorst in seinem Bestreben, dem Hausdrachen Rachel, der obersten Kammerfrau, zu entkommen und seinen Tagträumen nachzuhängen. Bei einem seiner Streifzüge entdeckt er zufällig eine unterirdische Zelle, in der Prinz Josua gefangen gehalten wird. Gemeinsam mit seinem Mentor Doktor Morgenes befreit er ihn und verhilft ihm zur Flucht. Doch sie wurden beobachtet und Doktor Morgenes opfert sein eigenes Leben, um Simon ebenfalls die Flucht zu ermöglichen. Auf sich allein gestellt irrt er erst durch die unterirdischen Gänge des Hochhorsts und dann weiter durchs Land auf dem Weg zu Josuas Burg Naglimund.

Unterwegs rettet Simon dem Sithi Jiriki das Leben, worauf hin er ihm einen weißen Pfeil als Zeichen seiner Schuld überreicht, für den Fall, dass Simon jemals die Hilfe der Sithi benötigt, die dieser bisher für Sagenwesen hielt. Einem weiteren Sagenwesen begegnet Simon kurz darauf in Gestalt des Trolls Binabik und seiner Wölfin Qantaqa. In ihrer Begleitung schafft er es sicher nach Naglimund, wo er, Prinz Josua und andere Getreue erfahren, dass sich Elias mit dem untoten Sturmkönig Ineluki verbündet hat. Die einzige Möglichkeit Elias, Pryrates und Ineluki aufzuhalten, finden sie in einer alten Prophezeiung über die drei großen Schwerter, welche einst in Osten Ard geschmiedet wurden. Mit Leid besitzt Elias eines davon, doch die beiden übrigen sind verschollen. Während Josua mit seinen verbliebenen Kämpfern Elias Einhalt zu gebieten versucht, begeben sich Simon, Binabik, Qantaqa und einige auserwählte Krieger auf die Suche nach den anderen Schwertern, um sie gegen Ineluki einzusetzen.

In der Folge laufen die diversen Handlungsstränge immer wieder aufeinander zu, treffen sich und trennen sich auch wieder. Reisen quer über das Land Osten Ard gehören zum Hauptbestandteil der Handlung, entweder als Queste oder auf der Flucht. Die in jedem Buch enthaltene Karte hilft dabei, zumindest den groben Überblick zu behalten, auch wenn sie in einigen Details ungenau ist.

Außerdem lernt man durch die diversen Reisen der Charaktere nicht nur die verschiedenen Landstriche und ihre Bewohner besser kennen, zu denen nicht nur Menschen gehören, sondern man erfährt auch, wie sich die Schreckensherrschaft von Elias und seinem Verbündeten Ineluki Sturmkönig immer weiter ausbreitet und das Land in seinem Würgegriff hält. Die dadurch hervorgerufene Stimmung wird immer düsterer und hoffnungsloser. Selbst Simon mit seiner Mondkalb-Natur kann nur kurzzeitig für Auflockerungen sorgen, die jedoch auch seltener werden. Denn er entwickelt sich weiter und wird erwachsen: er lernt Verantwortung zu übernehmen, entdeckt seine Liebe zu Prinzessin Miriamel, der Tochter von König Elias, und wird immer tiefer in den Kampf um Osten Ard verstrickt. Durch seine Abenteuer wird er gezeichnet und aufgrund seiner Freundschaft zu dem Sithi Jiriki gilt er bei der Bevölkerung als etwas Besonderes, von dem man nicht weiß, wie man damit umgehen soll. Mit dieser veränderten Situation muss Simon lernen umzugehen und das wiederum verändert ihn selbst.

Andere Charaktere durchlaufen auch gewisse Entwicklungen, allerdings bei weitem nicht so ausgeprägt. Was die Schwarz-Weiß-Malerei angeht, so ist diese recht deutlich ausgeprägt. Nur bei wenigen Personen lässt sich nicht sofort sagen, ob sie zu den Guten oder den Bösen gehören.

Neben diesem Punkt ist auch die Handlung größtenteils recht vorhersehbar. Bereits zu Beginn konnte ich mir ausmalen, wie alles enden würde – lediglich der Weg dorthin war noch unbekannt. Auch musste man sich nie wirklich Sorgen um die Hauptpersonen machen, denn Rettung gab es immer, leider oft in Form von Dei ex machina. Die einzigen wirklichen Überraschungen für mich hatte Williams erst gegen Ende des vierten Bandes parat, wobei ich an einer Stelle wirklich dachte „Das kann der doch jetzt nicht machen!“

Gewöhnungsbedürftig mag die Religion in Osten Ard sein. Diese ist sehr deutlich an das Christentum angelehnt, samt Märtyrer, der für die Menschheit starb. Statt eines Kreuzes war es zwar ein Baum, aber sonst wurde vieles eins zu eins übernommen. Mich persönlich hat es nicht sonderlich interessiert, doch gläubige Leser könnten sich daran stören.

Insgesamt gesehen gibt es vieles an diesen Büchern, was mich normalerweise stören würde. Doch gibt es auch etwas, was ich zwar nicht genau benennen kann, das mich aber die rund 3.600 Seiten in nur 2 Wochen hat verschlingen lassen. Wie jemand mal gesagt hat: auch eigentlich nicht so gute Bücher können die perfekte Lektüre sein, wenn man sie in der richtigen Situation liest und das war hier definitiv der Fall. Deshalb gibt es von mir auch 4,5 von 5 Handschellen, Abzug gibt es nur für die zähen ersten 200 Seiten.

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5 Kommentare zu “Tad Williams – Die Saga von Osten Ard

  1. Emily sagt:

    Die ersten 200 Seiten braucht Tad Williams in den meisten seiner Bücher. Aber dann lassen sie einen nicht mehr los. 🙂 Schön, dass Du an Osten Ard auch soviel Freude hattest. Ich freue mich, dass sie endlich wieder neu aufgelegt werden.

  2. Myriel sagt:

    Über die Neuauflage bin ich auch sehr froh, denn ich hatte mir die Bücher nur ausgeliehen. So kann ich sie mir dann dauerhaft ins Regal stellen, zumal ich die Cover auch schöner finde als die von den Fischer-TB.

  3. Emily sagt:

    Die Cover sind wirklich viel schöner. Aber der Preis leider nicht. Sonst würde ich mir glatt eine zweite deutsche Version ins Regal stellen. Die englische habe ich auch schon. 😉

  4. Erin sagt:

    *ans Herz fass* die neuen Cover sind schöner? xD Hach, wie ich die alten Illustrationen von Michael Whelan liebe…! Freut mich aber, dass Dir Osten Ard so gut gefallen hat. Als ich es vor gut 15 Jahren das erste Mal gelesen habe, war ich auch völlig hin und weg.. und heute.. liebe ich komischerweise besonders diese ersten 200 Seiten 😉 [dafür hänge ich mich an tausend anderen Dingen auf, die ich heute öde finde.. so ist das ;)]
    Ich empfehle Dir dazu die Kurzgeschichte: Der brennende Mann, die ebenfalls auf dem Hochhorst spielt, allerdings rund 500 jahre früher! 🙂
    LG

  5. Myriel sagt:

    Hi Erin,
    schlägt das Herz noch? 😉
    Ja, mir gefallen die neuen Cover besser, wobei auch die von den Fischer-Tb inhaltlich gut gepasst haben. Über Geschmack lässt sich halt nicht streiten.
    Ich bin übrigens gerade mitten in einem Osten-Ard Reread und habe beim 2. Mal lesen die ersten 200 Seiten auch gar nicht mehr als so schlimm empfunden. Auch fallen mir viele Andeutungen und Anspielungen auf, die ich beim 1. Lesen gar nicht erkennen konnte. Echt toll soetwas. *Daumen hoch*
    Den brennenden Mann werde ich mir wohl nach Abschluss des Rereads zu Gemüte führen. Danke für den Tipp.
    Viele Grüße
    Myriel

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