Diane Setterfield – Die dreizehnte Geschichte (gelesen von Judy Winter und Franziska Petri)

Vida Winter, Englands bekannteste Schriftstellerin, ist alt und krank. Vor ihrem Tod möchte sie endlich die Wahrheit über sich, ihre Zwillingsschwester und den Brand in ihrem Zuhause Angelfield enthüllen. Als ihren Beichtvater hat sie sich ausgerechnet Margaret ausgesucht, die stille Tochter eines Buchhändlers, die einige unbeachtete Biografien über wenig bekannte Personen der Vergangenheit verfasst hat. Zu ihr fasst Vida Winter, die vor ihrem Namenswechsel Adeline Angelfield hieß, Vertrauen und nachdem sie so vielen anderen nur Geschichten erzählt hat, berichtet sie Margaret die Wahrheit über ihre Vergangenheit.

Die Erzählung beginnt noch vor der Geburt der Angelfield-Zwillinge, wie die beiden Mädchen Emmeline und Adeline genannt wurden, mit der Jugend ihrer Mutter und der mehr als brüderlichen Zuneigung ihres Onkels. Ihre Mutter, verfolgt von der einengenden Liebe ihres Bruders, floh jung vom väterlichen Anwesen, doch schon wenige Jahre später kehrte sie als Witwe zurück, mit den beiden Mädchen auf dem Arm. Doch konnte sie für sie nie eine fürsorgende Mutter sein und nach ihrer Einweisung in eine Anstalt und der zunehmenden Geistesgestörtheit ihres Onkels, hatten die Zwillinge nur noch die Angestellten Angelfields, die sich um sie kümmerten. So wuchsen die wilde Adeline und die sanfte Emmeline auf, immer nur das im Kopf, was sie momentan beschäftigte. Mit dem Auftauchen einer Kinderfrau, die nicht nur das Haus in Ordnung bringt, sondern auch Regeln für das Leben in Angelfield aufstellt, sollte jedoch das fragile Gleichgewicht in Gefahr geraten und als sie Emmeline und Adeline selbstsüchtig benutzen will, um eine medizinische Theorie über Zwillinge zu bestätigen, stürzt für die Mädchen eine Welt zusammen.

Margaret, die am Krankenbett von Vida Winter sitzt und sich von ihr in die Vergangenheit entführen lässt, nutzt die Pausen, die ihnen von der Krankheit der großen Autorin diktiert werden, dazu, eigene Nachforschungen anzustellen. Sie stößt auf Geheimnisse und Wahrheiten, die auch ihr eigenes Leben betreffen – schließlich ist auch sie ein Zwilling, doch starb ihre Schwester kurz nach der Geburt, um ihr eigenes Überleben zu sichern. So pendelt die Handlung zwischen Vergangenheit und Gegenwart und verwebt die Erinnerungen der alten Dame und die Nachforschungen und Erkenntnisse von Margaret zu einer dichten und spannenden Familiengeschichte, in der sich Stück für Stück Abgründe auftun.

Diane Setterfield hat mit diesem Buch eine bedrückende und düstere Familienchronik geschaffen, deren Setting stellenweise an das viktorianische England mit seinen prachtvollen Herrenhäusern erinnert. Margaret als Ich-Erzählerin ist mir zwar stellenweise zu passiv und schicksalsergeben, doch schlummert in ihr auch ein starker Willen, der besonders dann zum Vorschein kommt, wenn sie auf Vida Winters Spuren wandelt. Die Schriftstellerin selbst ist mir ans Herz gewachsen, denn hinter ihrer schroffen Art steckt ein mitfühlendes Herz, das bereit ist, viel auf sich zu nehmen für die, die sie liebt.

Das Hörbuch von Random House Audio ist eine gekürzte Lesung, bei der mir jedoch keine Schnittstellen und Ungereimtheiten aufgefallen sind. Meiner Meinung nach tut die Kürzung der Geschichte sogar gut, denn obwohl mich die Handlung interessierte und ich wissen wollte, welche Geheimnisse Vida Winter verbarg, ging es mir streckenweise zu ruhig voran. Es mangelte so schon am Spannungsbogen und bei einer ungekürzten Lesung, die sich noch mehr in die Länge gezogen hätte, hätte vielleicht eine meiner teilweise mehrwöchigen Hörpausen kein Ende gefunden und ich hätte das Hörbuch abgebrochen.

Die beiden Sprecherinnen, Judy Winter und Franziska Petri, haben einen guten Job gemacht und den Text zwar betont gelesen, dabei aber entsprechend der ruhigen Erzählweise nie die Stimmen erhoben. Teilweise konnte ich die für mich recht ähnlich klingenden Stimmen nicht auseinander halten, doch denke ich, dass eine der Sprecherinnen die Kapitel in der Gegenwart sprach, während ihre Kollegin Vida Winters Erinnerungen übernahm.

Insgesamt gesehen liegt hier eine gute Verarbeitung eines ruhigen, teilweise zu ruhigen Romans vor, der für alle interessant sein könnte, die gerne Familiengeschichten und von dunklen Geheimnissen lesen. Von mir gibt es 3 von 5 gravierte Löffeln.

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Ein Kommentar zu “Diane Setterfield – Die dreizehnte Geschichte (gelesen von Judy Winter und Franziska Petri)

  1. Novia sagt:

    Ich hab das Buch bereits zwei mal gelesen und bin davon begeister! Ein tolles Buch!
    Gruß

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