Andreas Varesi – Die Gräfin Báthory

Die titelgebende Gräfin Erzsébet Báthory herrscht im Ungarn zu Beginn des 17. Jahrhunderts über einige Ländereien, auf denen jedoch immer mehr junge Mädchen verschwinden und deren Leichen zum Teil grausam verstümmelt wieder auftauchen. Ihre beiden Schwiegersöhne werden von Bewohnern dieser Ländereien gebeten, eine Untersuchung durchzuführen, um die Bestie endlich zur Strecke zu bringen. Teilweise wird ein mysteriöser Schattenwolf für das Grauen verantwortlich gemacht, andere wiederum sehen in der Gräfin selbst den Übeltäter. Der Vizekönig Ungarns höchstselbst führt die Untersuchungskommission an, doch als ehemaliger Liebhaber der Gräfin ist er hin- und her gerissen zwischen ihrer Anziehungskraft und seiner Pflicht.

Die von Andreas Varesi in seinem Roman dargestellten Ereignisse beruhen zum großen Teil  auf den historischen Gerichtsakten über den Fall der so genannten „Blutgräfin“. So ist die Rolle des Vizekönigs und der beiden Schwiegersöhne der Gräfin belegt, ebenso wie die Existenz verschiedener Angestellter von Erzsébet Báthory. Was allerdings die Motive der Gräfin für die Morde an den Mädchen angeht, so hat sich der Autor einerseits an den über die Jahrhunderte entstandenen Legenden orientiert und zusätzlich noch eine magische Komponente hinzugefügt. Dieses phantastische Element hat sich zwar nicht unbedingt als Fremdkörper angefühlt, wäre meiner Meinung nach aber nicht nötig gewesen, da die Geschichte auch so genügend Spannung erzeugt.

Was mich allerdings mal wieder gestört hat, war die unvermeidliche Liebesgeschichte, die sich im Laufe der Ermittlungen auf der Burg der Gräfin Báthory anbahnt. Wieso nur denkt beinah jeder zweite Schriftsteller, dass sich in seiner Story unbedingt ein Liebespaar zusammenfinden muss? Das wirkt hier zu aufgesetzt und besonders im Zusammenhang mit dem Epilog empfinde ich es als unpassend.

Insgesamt gesehen hat mir der Roman gefallen. Obwohl ich den Film „Die Gräfin“ bereits im Kino gesehen hatte, war die Handlung spannend zu verfolgen, da sich der Blickwinkel und die Zeitspanne der Handlung des Films vom Buch unterschieden. Die Charaktere waren glaubwürdig gestaltet und es gab auch Sympathieträger, mit denen man als Leser mitfiebern konnte. Mit den bereits oben angesprochenen Punkten komme ich auf insgesamt 3,5 von 5 Schattenwölfe.

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