Gabella & Jean – Das Einhorn (1) – Der letzte Tempel des Asklepios

Im Europa des 16. Jahrhunderts tobt ein Kampf zwischen den Mächten der Kirche und von ihnen verfolgten Ketzern. Die Ketzer entpuppen sich jedoch als durchaus fähige Mediziner, die von seltsamen Bestien beschützt werden. Ambrosius Paré wird unvermittelt in diesen Kampf hineingezogen, als ein lange tot geglaubter Freund verletzt vor ihm zusammenbricht. Seine letzten Atemzüge hat er jedoch genutzt, ihm das Versteck des Schlüssels zu seinem geheimen Labor zu verraten, wo Paré erkennt, dass die Asklepiaden, ein Geheimbund von Medizinern, die die Lehren des großen Asklepios verehren, die Gegenspieler der Kirche sind. Unter dem Schutz von einigen Kämpfern des Ordens reist er von Paris nach Lyon, wo er in die Wahrheit hinter den Lehren von Asklepios eingeweiht wird. Die Kirche blieb jedoch nicht untätig und hat ihre Jäger auf die Spur von Paré gesetzt, der sie damit unwissentlich zum letzten Tempel des Asklepios führt.

Dieser Band stellt den Auftakt zur 4-teiligen Comic-Serie „Das Einhorn“ von Texter Mathieu Gabella und Zeichner Anthony Jean dar. Der Einstieg erfolgt mit einer brutalen Szene, in der der Mediziner und angebliche Ketzer Conrad Gessner verbrannt werden soll, aber eine Bestie sich auf die Männer stürzt und Gessner retten will. Im folgenden Kampf geht es erbarmungslos und blutig zu und mehr als nur einer der Männer verliert dabei sein Leben. Doch auch nach dem Szenenwechsel wird die Story keinesfalls harmloser und man kann weiterhin reichlich Blut und Gedärme auf den in gedämpften Farben gehaltenen Zeichnungen betrachten. Für zarte Gemüter ist dieser Comic daher keineswegs geeignet.

Was die Charaktere angeht, so handelt es sich hier hauptsächlich um eine Gruppe älterer Männer, die teilweise auf historischen Vorbildern wie beispielsweise Ambrosius Paré, Michel de Nostre-Dame (Nostradamus) und Andreas Vesalius beruhen. Zwischen den verschiedenen Gruppen der Gelehrten herrscht Streit über alte und neue Methoden in der Medizin und die überlieferten Lehren des angeblich ersten Arztes Asklepios. Die Darstellungen, wenn die verschiedenen Meinungen aufeinander treffen und sich die älteren Herren in den Haaren liegen, sind dabei sehr amüsant zu verfolgen, auch weil sie recht genau meinen (klischeebehafteten?) Vorstellungen entsprechen.

Die Aufteilung zwischen Text und Bild ist in meinen Augen gut gelungen. Obwohl es an ganzseitigen Zeichnungen mangelt, hatte ich die Handlungsorte immer recht gut vor Augen. Abgesehen von einigen Kampfszenen, bei denen ich zweimal hinschauen musste, um zu wissen, was gerade geschah, ließ sich der Handlung auch sehr gut folgen. Die Hintergründe des Konflikts zwischen den Asklepiaden und der Kirche, in den Paré hineingezogen wird, wird an einer passenden Stelle durch eine auch optisch etwas abgegrenzte Passage erklärt, so dass man als Leser nicht im Dunkeln gelassen wird.

Insgesamt gesehen ist dieser Band ein gelungener Auftakt zu einer düsteren Geschichte, die auf Basis von historischen Fakten eine eigene Version der Vergangenheit konstruiert, dessen blutiger Hauptkonflikt zwischen Asklepiaden und der Kirche aufgrund der expliziten Zeichnungen allerdings keinesfalls für Kinder und Jugendliche geeignet ist. Ich vergebe 4 von 5 Tapisserien und kann es kaum erwarten, bis die Reihe abgeschlossen ist.

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