James Fenimore Cooper – Lederstrumpf

Die fünf Lederstrumpf-Romane, die zwischen 1823 und 1841 veröffentlicht wurden und Abenteuer aus dem Leben des Falkenauge genannten Weißen und seinem indianischem Freund Chingachgook erzählen, sind in diesem Sammelband enthalten. Im Einzelnen handelt es sich um:

  • Der Wildtöter
  • Der letzte Mohikaner
  • Der Pfadfinder
  • Die Ansiedler
  • Die Prärie

Während der bei den Mohikanern aufgewachsene Falkenauge sich im ersten Buch gemeinsam mit Chingachgook auf seinen ersten Kriegspfad begibt und dem Einsiedler Hurry Harry und seinen beiden Töchtern gegen Angriffe eines feindlichen Indianerstamms beisteht, werden die beiden mittlerweile erfahrenen Jäger im zweiten Buch von Chingachgooks Sohn Unkas begleitet. Zu dritt nehmen sie es wieder mit feindlichen Mingos auf, diesmal stehen sie den Töchtern eines britischen Offiziers bei, die zu ihrem Vater reisen wollten, aber unterwegs von ihrem indianischen Führer verraten wurden.

In „Der Pfadfinder“ befinden sich die alternden Abenteurer in den Diensten des Kommandanten eines britischen Forts an einem der großen Seen zwischen den heutigen USA und Kanada und kämpfen dort gegen die Franzosen und ihre indianischen Verbündeten, die durch Verrat und Spionage die Position eines geheimen Stützpunkts der Briten erfahren haben und diesen nun ins Visier nehmen.

Nach ihrem anstrengenden Leben hatten sich Falkenauge und Chingachgook eigentlich zur Ruhe gesetzt und wollten ihr Alter in Ruhe verbringen und sich von dem Ernähren, was die Wälder ihnen bieten können. Doch die europäischen Auswanderer überfluten das Land und drängen immer weiter nach Westen vor. Ehemals freies Land wird besiedelt und den Gesetzen unterworfen, so dass die beiden Jäger immer weiter eingeengt werden.

Im letzten Buch schließlich sucht der mittlerweile uralte Falkenauge seinen Frieden in den Weiten der Prärie, wohin er sich vor den Siedlerströmen zurückgezogen hatte. Doch auch hier tauchen erste Wagentrecks auf und ein letztes Mal sieht er sich in der Pflicht, den Unschuldigen gegen Verbrecher und feindliche Indianer beizustehen.

In beinah jedem Buch geht es haupt- oder nebensächlich um die Rettung von unschuldigen Frauen vor blutrünstigen Indianer und verbrecherischen Weißen. Auf Dauer gesehen wirkt dies recht eintönig, auch wenn sich die einzelnen Geschichten durchaus in den Details und der Atmosphäre unterscheiden. Insbesondere „Die Ansiedler“ ist von der Grundstimmung her wesentlich trauriger, (lebens-)müder als noch die aufregenden und munteren Anfänge mit „Der Wildtöter“. Eine gewisse Entwicklung der Hauptcharaktere, die in allen Teilen vorkommen, ist dadurch erkennbar. Dennoch ist mir Falkenauge viel zu gutmütig und heldenhaft, nichts trübt sein Wasser, wodurch er flach und blaß bleibt.

Was mir mehrfach negativ aufgefallen ist, ist dass in Dialogen Sprünge vorkommen und ich plötzlich nicht mehr wusste, wer gerade spricht. Das ist vermutlich auf die Kürzungen zurück zu führen, die vom Verlag vorgenommen wurde. Laut Impressum wurde der Text „vorsichtig überarbeitet und von unwesentlichen Längen befreit.“ Wenn jedoch allein der zweite Band „Der letzte Mohikaner“ ungekürzt beinah 500 Seite umfasst und die Gesamtausgabe aus dem Gondrom Verlag insgesamt nur 640 Seiten, dann steht zur Debatte, ob man die Überreste der Romane überhaupt noch als Romane bezeichnen darf. Der negative Eindruck, der hierdurch hervorgerufen wird, kann auch nicht durch die enthaltenen Schwarz-Weiß-Illustrationen überdeckt werden, die einige Szenen der Romane verbildlichen.

Insgesamt gesehen kann ich diese Ausgabe aufgrund der erheblichen Kürzungen nicht empfehlen und werde mir in Zukunft lieber die noch ungelesene ungekürzte Ausgabe vom letzten Mohikaner zu Gemüte führen, um Coopers Schreibe wirklich einschätzen zu können. Zu mehr als 2 von 5 Tomahawks reicht es nicht.

Advertisements

Ein Kommentar zu “James Fenimore Cooper – Lederstrumpf

  1. Karthause sagt:

    In jungen Jahren hat mich Lederstrumpf noch begeistert. Jahre später, als mein Sohn im Lesealter für dieses Buch war, konnte es mich auch nicht mehr fesseln. So ändern sich die Zeiten und der Lesegeschmack. Einen guten Rutsch ins neue Lesejahr wünscht Karthause.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s