Zahi Hawass – Bilder der Unsterblichkeit

Der Generalsekretär der Obersten ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, hat sich in diesem Buch den Grabmalereien in den Gräber des Tals der Könige angenommen und führt den Leser in die Jenseitsvorstellungen der Ägypter ein.

Ausgehend von der Einleitung über die Entstehung und Entwicklung der Begräbnisriten der ägyptischen Könige und den Aufbau und die Ausstattung eines Königsgrabs nähert sich Hawass über die verschiedenen Darstellungsmöglichkeiten des Königs mit den Göttern und deren Bedeutungen dem Thema des Buches.

Entgegen meiner bisherigen Vorstellungen hatten die alten Ägypter nicht nur ein Totenbuch, sondern über ein halbes Dutzend. Das am besten erforschte ist „Das Buch dessen, was in der Dat (=Unterwelt) ist“, in dem der Sonnengott während der 12 Stunden der Nacht die Unterwelt durchqueren und sich mit Osiris verbinden muss, um neue Kräfte zu erlangen und am nächsten Morgen als Sonnenscheibe wiedergeboren zu werden. Während der beschwerlichen Reise befindet sich der verstorbene Pharao stets im Gefolge des Sonnengottes und ist daher ebenfalls den Gefahren durch die Chaosschlange Apophis ausgesetzt, wie er den Schutz anderer Götter genießt, die den Sonnengott in seiner Barke begleiten.

Während das Pfortenbuch ähnlich aufgebaut ist, sind die Sonnenlitaneien einzelne Gebete, die dem Verstorbenen das notwendige Wissen an die Hand geben, die Wächter der Unterwelt zu besänftigen und die Prüfungen zu bestehen, damit seine Seele in die Unsterblichkeit eingehen kann. Die einzelnen Kapitel des Totenbuches erfüllen einen ähnlichen Zweck, sind dabei allerdings wesentlich zahl- und umfangreicher. Des Weiteren werden noch das Höhlenbuch, das Buch von der Erde sowie verschiedene Himmelsbücher behandelt.

Die Ausführungen von Hawass werden von großartigen Fotografien von Sandro Vannini begleitet. Auf 166 Farbabbildungen stellt er zahlreiche Szenen der beschriebenen Totenbücher dar, so dass man als Leser die stellenweise doch recht trockenen Beschreibungen veranschaulicht bekommt. Etliche der Fotografien erstrecken sich über eine Doppelseite des großformatigen Buches, manche sogar als Klapptafeln über bis zu 3 Doppelseiten.

Diese vielen Abbildungen sind meines Erachtens nach aber streckenweise auch nötig, um das Interesse des Lesers zu erhalten. Während das „Buch dessen, was in der Dat ist“ fast umfassend entschlüsselt und interpretiert wurde, so dass die Grabmalereien auch eine Bedeutung bekamen, konnte bei anderen Totenbüchern nicht einmal eine Reihenfolge der erhaltenen Fragmente angegeben werden, geschweige denn ein zusammenhängender Inhalt. Hier erschöpfen sich die Texte von Hawass in rein beschreibende Wiedergaben der erhaltenen Jenseitsdarstellungen, die häufig nur aus der Aufzählung von Göttern und der Anzahl der dargestellten Diener oder Feinde bestehen. Da fiel es mir als Leser sehr schwer, mit den Gedanken beim Buch zu bleiben. An diesen Stellen wäre weniger vermutlich mehr gewesen. Wenn man schon keine Erkenntnisse vorweisen kann, sollte man diese Lücken nicht mit ausufernden Beschreibungen auffüllen.

Versöhnlicher war der Abschluss des Buches mit einem Ausblick auf die Zukunft des Tals der Könige und seine Bilder der Unsterblichkeit, die durch die täglichen Touristenströme arg in Mitleidenschaft gezogen werden. Hier merkt man als Leser, wie sehr Hawass an seinem Job hängt – der Beruf ist bei ihm zur Berufung geworden.

Insgesamt gesehen spürt man bei diesem Buch die Hingabe, die in es hineingesteckt wurde, und auch das Wissen des Autors. Dieser nimmt uns auf eine spannende Reise in die ägyptische Unterwelt mit, während der er sich in gut verständlichen Sätzen und ohne übermäßigen Fremdwortgebrauch an den Leser wendet. Dafür gibt es von mir trotz der vorhandenen Durststrecken 4 von 5 Sonnenbarken.

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