Elizabeth Amber – Der Kuss des Satyrs

Die drei Satyr-Brüder Nicolas, Raine und Lyon besitzen in der Toskana des 19. Jahrhunderts ein florierendes Weingut, dem sie sich mit ganzer Kraft widmen. Doch als sie eines Tages einen Brief ihres im Sterben liegenden Vaters erhalten, dass er mit drei Menschenfrauen je eine Tochter gezeugt habe und nun die Brüder die Aufgabe hätten, diese zu finden, zu heiraten und zu beschützen, gerät ihre Welt durcheinander.

Nicolas begibt sich als erstes auf die Suche und findet in Tivoli die junge Jane, die gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester bei ihrem (Stief-)Vater und dessen Schwester lebt. Als sie von Nicolas Heiratsangebot erfährt, sieht sie darin die Chance, ihrem alkoholsüchtigen Vater zu entkommen. Doch ihre Andersartigkeit, die kleinen Flügel auf ihren Schultern und ihre Fähigkeit, durch Berührung mit Menschen verschmelzen zu können, lässt sie zögern, da sie sich für abartig hält und nicht will, dass Nicolas davon erfährt und sie danach möglicherweise verbannt.

Was Jane nicht weiß: Nicolas weiß um ihre Andersartigkeit und versucht sie dazu zu bringen, sich ihm anzuvertrauen. Denn auch er hat ein Geheimnis, denn Satyr ist nicht nur sein Familienname, sondern er ist selbst auch einer und in Vollmondnächten wird er vollkommen von der Leidenschaft beherrscht.

Während Nicolas „Fähigkeiten“ nur in Vollmondnächten zu Tage treten und rein körperlicher Natur sind, ist Janes Gabe der Verschmelzung viel interessanter, da sie durch eine Berührung die Gedanken und Gefühle von anderen Menschen wahrnehmen kann. Da sie dadurch psychisch belastet wird, versucht sie so wenig Körperkontakt wie möglich mit anderen zu haben und zieht sich selbst vor ihrer geliebten kleinen Schwester zurück.

Die Wandlung von der eingeschüchterten jungen Frau, die sich selbst erst im Haushalt von Nicolas zurechtfinden und sich einen Platz schaffen muss zur toughen Mätresse ihres Gemahls, die mehr will als nur die Anstandsbesuche ihres Mannes in ihrem Bett ging mir allerdings viel zu schnell von statten, um noch nachvollziehbar zu sein. Auch wie problemlos sie Nicolas Satyr-Natur zur Kenntnis nimmt und auf seine Wünsche eingeht, ist in meinen Augen überzogen.

Da die Autorin allerdings auch keine Charakterstudie zeichnen wollte, sondern sich im Zuge von Vampiren, Gestaltwandlern, Engeln und anderen Sagenwesen aufs weite Feld der Romantasy begab, sind die angesprochenen Punkte vom Leser wohl einfach hinzunehmen, ebenso wie die Tatsache, dass die Toskana des 19. Jahrhunderts jederzeit durch eine beliebige andere Kulisse hätte ausgetauscht werden können, denn vom typischen Italien-Feeling kam bei mir nichts auf.

Die Story an sich ist weder sonderlich tiefgründig noch innovativ, allerdings hat die Autorin einen flüssig zu lesenden Schreibstil, der mit seinen kurzen Sätzen keine große Herausforderung darstellt und daher dazu beiträgt, dass die Seiten nur so dahinfliegen. Entsprechend der Genreeinordnung des Buches gibt es auch mehrere Sexszenen, die meist recht deutlich geschildert werden und vermutlich nicht viel mit dem damals wohl üblichen prüden Sexualleben in der Ehe zu tun haben.

Wer lediglich einen gut lesbaren und nicht sonderlich anspruchsvollen Unterhaltungsroman sucht und sich von einigen derben Szenen nicht abschrecken lässt, kann hier ruhig mal reinlesen und bei Gefallen kann er sich auf die zwei folgenden Romane freuen, in denen Raine und Lyon ihre jeweiligen zukünftigen Ehefrauen suchen werden: „Die Nacht des Satyrs“ (Mai 2010) und „Die Braut des Satyrs“ (Juli 2010). Wer allerdings mit der ganzen Romantasy-Welle nichts anfangen kann, die derzeit den Markt überschwemmt, sollte auch um dieses Buch einen großen Bogen machen. Von mir gibt’s 2,5 von 5 Weinstöcke.

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