Jack Vance – Lyonesse-Trilogie

Die in den 1980er Jahren erschienene Trilogie des US-amerikanischen Autors Jack Vance besteht aus den Romanen

  • Herrscher von Lyonesse
  • Die grüne Perle
  • Madouc

und spielt auf den Älteren Inseln, welche im Golf von Biskaya vor den Küsten Spaniens, Frankreichs, Großbritanniens und Irlands liegen.

König Casmir, Herrscher von Lyonesse, liegt mit dem König des nördlich gelegenen Reichs Dahaut in Zwist, denn beide beanspruchen die Herrschaft über die gesamten Älteren Inseln für sich. Um seinen Ziel wieder einen Schritt näher zu kommen, beabsichtigt Casmir seine Tochter Suldrun unter Missachtung ihrer eigenen Wünsche politisch günstig zu verheiratet. Als Suldruns Weigerung ihn vor ausländischen Gästen kompromittiert, verbannt er sie in den abgelegenen Palastgarten, in den sie sich so gern zurückzog. Gemeinsam mit dem fremden Aillas, welcher von der See an ihren Strand gespült wurde, erlebt sie ein kurzes Glück, welches jedoch verraten wird. Während Aillas in einem tiefen Kerker auf den Tod wartet, kann Suldrun ihren gemeinsamen Sohn noch aus dem Palast schmuggeln, bevor sie sich ihr Leben nimmt. Damit nimmt das Schicksal jedoch erst seinen Lauf, denn Casmir erhält eine Prophezeiung, dass Suldruns erstgeborener Sohn einst über die Älteren Inseln herrschen wird – was Casmirs eigenen Plänen erheblich zuwider läuft.

Von allen Personen, die bis zu diesem Zeitpunkt der Geschichte auftraten, war mir keine sympathisch und lediglich mit Suldruns und Aillas’ Schicksal empfand ich etwas Mitleid. Ansonsten herrschte eine gewisse Distanz zum gesamten Geschehen, die Story konnte mich einfach nicht in ihren Bann ziehen. Teilweise lag das auch an der etwas antiquierten Sprache, die vor allem in den Dialogen auftrat. Sicher müssen Könige und Adlige sich gehoben ausdrücken, aber hier merkt man meiner Meinung nach den Büchern auf alle Fälle ihr Alter an.

Was mir auch nicht gefallen hat, war die allzu eindeutige Charakterisierung – hier haben wir die Guten und dort die Bösen. Und selbst wenn die Guten mal grausam sind, dann ist das okay, weil es schließlich notwendig ist.

Am interessantesten fand ich noch die Abschnitte über die Magier. Obwohl es vom mächtigsten Magier Murgen einst beschlossen wurde, dass sich die Magier aus den Angelegenheiten der Bevölkerung der Älteren Inseln heraushalten sollen, um zu vermeiden, in deren Konflikten aufgerieben zu werden, hielten sich nicht alle Magier an dieses Edikt. Trotz der angedrohten Strafe versuchen sie, ihre eigenen Interessen mithilfe der Menschen zu verfolgen. So bekommen die Konflikte zwischen den Königen der Älteren Inseln noch eine zweite Dimension in der Gesellschaft der Magier, die mich eindeutig mehr gefesselt hat als das politische Kräftemessen.

Eine zusätzliche phantastische Note haben die nichtmenschlichen Bewohner der Älteren Inseln ins Spiel gebracht, obwohl die Charakterisierung aus heutiger Sicht wiederum ziemlich ausgereizt ist: die Elfen sind wankelmütige Wesen, die sowohl liebenswürdig als auch grausam sein können, wohingegen Trolle plumpe Kreaturen sind, die Spaß an Grausamkeiten haben. Im Vergleich dazu bot das menschliche Volk der Ska mit ihrer Philosophie und Kultur weit mehr Stoff zum Faszinieren und Nachdenken.

Bis hierhin gesehen mag Vance seinerzeit durchaus etwas Innovatives und Neues geschaffen haben, aber aus jetziger Sicht gesehen war es eher ein schaler Aufguss von Dingen, die ich schon weitaus besser gelesen hatte. Zusätzlich hat mich neben der Charakterzeichnung vor allen Dingen der Spannungsbogen gestört. Vance hat sich einer Erzählperspektive gewidmet und irgendwann hat er gemerkt, dass es auf seinem Schachbrett auch noch andere Figuren gibt und er sich ihnen mal wieder widmen müsste. Also wird schnell umgeschwenkt, bis er wiederum gemerkt hat, dass er lange genug verweilt ist. Falls eine Person die ihr zugewiesene Rolle erfüllt hat, dann hatte Vance auch keine Probleme damit, sie im weiteren Verlauf zu ignorieren. Besonders krass ist es mir bei Glyneth aufgefallen, die in den ersten beiden Büchern der Trilogie eine der Hauptpersonen war, im dritten Band aber gerade mal noch in einem Nebensatz Erwähnung fand. Der Bruch war zu extrem, als dass er sich noch harmonisch in die Handlung einfügen lies.

Insgesamt gesehen mag das zur Zeit seiner Erstveröffentlichung eine Trilogie gewesen sein, die ihre Leser begeistern konnte. Mich konnte sie jedoch kaum überzeugen und ich habe sie nur zu Ende gelesen, weil ich zu einem gewissen Grad neugierig war, wie der Handlungsstrang um den Magier Shimrod ausging. Das Ergebnis auf dem politischen Feld war hingegen schon aus großer Ferne ersichtlich und brachte keine Überraschungen mehr. Hätte die Trilogie nur aus diesem Handlungsstrang bestanden, hätte ich sie vermutlich recht früh abgebrochen. So gibt es von mir jedoch noch 1,5 von 5 Thronen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s