Ruth Nestvold – Flamme und Harfe

Wer hat nicht schon von Tristan und Isolde gehört, einem der tragischsten Liebespaare der Weltliteratur? Ruth Nestvold nimmt sich in diesem Buch der Sage an und bearbeitet sie entsprechend ihren Vorstellungen.

Yseult die Schöne, Tochter von Yseult der Weisen, erlebt während ihrer Jugend die Machtkämpfe zwischen dem ehemaligen Hochkönig Irlands und den Fürsten des Südens, die wegen den Plänen Lóegaires, sich mit den Briten zu verbünden, ihre Treue aufgekündigt hatten. Yseult und ihre Mutter, die Königsmacherin, leben relativ sicher bei Murchad, Yseults Onkel. Doch als dieser während eines Geiselaustauschs mit Marcus von Dumnonia getötet wird, bricht für Yseult eine Welt zusammen.

Drustanus von Dumnonia, genannt Drystan, ist der Sohn von Marcus und verantwortlich für den Tod Murchads. Bei ihrem Duell hat er sich jedoch eine Wunde am Bein zugezogen, die sich entzündet und ihm den Tod bringen wird. Lediglich Yseult die Weise, eine große Heilerin, kann ihn noch retten. So begibt er sich denn auf den Weg zu denjenigen, die sich seinen Tod wünschen, um sich von ihnen heilen zu lassen. Als Tandrys der Barde erobert er zudem das Herz von Yseult der Schönen. Jedoch schwebt ständig die Gefahr über ihm, dass er enttarnt wird.

Der Roman ist in insgesamt 4 Bücher unterteilt, deren Titel die jeweilige Situation sehr knapp und präzise in Worte fassen: Zwei Frauen / Ein Mann und eine Frau / Zwei Männer und eine Frau / Zwei Frauen und ein Mann. Die einzelnen Kapitel werden von kurzen Zitaten aus anderen Bearbeitungen der Legende von Tristan und Isolde eingeleitet, deren es zahlreiche gibt.

Die unbestreitbaren Hauptpersonen sind Drystan und Yseult, mit denen ich sehr gut mitfühlen konnte. Es ist berührend mitzuerleben, wie sie sich langsam ineinander verlieben, jedoch konnte ich das nicht uneingeschränkt genießen, denn ständig wartete ich nur darauf, dass Drystans Identität aufgedeckt wird und die Idylle ein Ende findet. Genau diese quälende Ungewissheit und das Warten auf das scheinbar Unvermeidliche verleihen der Situation ihre bittere Süße, die in wunderbaren Worten eingefangen wurde.

Auch in späteren Situationen kann ich sowohl Drystans und Yseults Verhalten voll und ganz nachvollziehen, auch wenn sie oft alles andere als vernünftige Entscheidungen treffen. Alle anderen Personen treten gegenüber diesen beiden zurück, was mich allerdings nicht weiter gestört hat, wollte ich doch unbedingt wissen, wie es mit der tragischen Liebe von Drystan und Yseult weitergeht.

Neben der Sage von Tristan und Isolde hat die Autorin auch noch Teile der Artus-Legende verarbeitet. Arthur, erfolgreicher britannischer Feldherr, ist hier jedoch noch lange nicht der mythische Hochkönig Britanniens, sondern hat als unehelicher Sohn von Uther mit Anfeindungen seitens anderer Fürsten Britanniens und mit den Einfällen von  Sachsen und Raubzügen der Erinn Irlands zu kämpfen. Die Kämpfe, an denen sowohl Arthur als auch Drystan teilnehmen, werden jedoch nicht in sämtlichen Einzelheiten beschrieben, sondern das Ergebnis der Schlachten und die damit veränderte Situation in Britannien steht im Vordergrund.

Die Verbindung der beiden großen Sagenkomplexe ist Frau Nestvold gut gelungen. Während jedoch die Erzählung um Drystan und Yseult mit „Flamme und Harfe“ abgeschlossen ist, wird Arthurs weiterer Weg laut Aussage der Autorin auf der Leipziger Buchmesse 2009 Gegenstand eines zweiten Buches.

Was mir an „Flamme und Harfe“ besonders gut gefällt, ist dass der Titel sogar zum Inhalt passt: die Flamme steht für die heidnischen Feuer der Erinn und der Tuatha Dé Danann, des Volks der beiden Yseults, während die Harfe für Drystans musikalisches Talent steht, dem er es verdankt, dass er sich überhaupt erst als Barde ausgeben konnte. Ebenfalls gelungen ist die Ausstattung des Buches mit einem passenden blauen Lesebändchen, einem Anhang mit Personen- und Begriffsverzeichnis und einer Karte von Irland, Großbritannien und der Nordküste Frankreichs.

Da ich mich mit dem Buch hervorragend unterhalten gefühlt habe und mich nur schwer von der tragischen Liebe zwischen Drystan und Yseult losreißen konnte, gibt es von mir volle 5 von 5 Torgues.

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