John Hare – Verwehte Spuren. Auf der Route des legendären Afrikaforschers Hanns Vischer

Der brititsche Journalist und Umweltschützer John Hare, welcher sich für den Schutz des vom Aussterben bedrohten Wildkamels in Asiens Weiten einsetzt, unternahm im Winter 2001/2002 eine Reise von Kukawa in Norden Nigerias über 2.800 km bis nach Tripolis an der Mittelmeerküste. Die Gründe für diese Reise sind vielfältig: einerseits wollte er durch diese Reise Aufmerksamkeit erregen, um mehr Unterstützung für die Wild Camel Protection Foundation zu erhalten, zu deren Gründungsmitgliedern er gehört; andererseits wollte er der Route des berühmten Forschers Hanns Vischer, welcher einst per Kamel von Tripolis nach Süden gereist war, in umgekehrter Richtung folgen.

Nach zahlreichen diplomatischen Hürdenläufen lagen die meisten der benötigten Dokumente, Visa und Erlaubnisse vor, so dass die Reise am 25. Oktober 2001 endlich starten konnte. Da Hare in seiner Jugend in Nordnigeria gelebt hatte, kannte er Land und Leute, was ihm die Verständigung mit ihren Helfern, den Kameltreibern und ihren Führern sowie den ansässigen Menschen sehr erleichterte. Weitere Begleiter Hares, u.a. ein chinesischer Doktor und zeitweilig ein National Geographic-Fotograf, bereicherten die Gruppe, so dass die kleine Karawane zu Beginn aus stolzen 25 Kamelen bestand.

Die Reise war jedoch hart, denn während man mit dem Auto die Strecke in einigen Tagen hätte bewältigen können, brauchte Hare über 3 Monate und kam erst am 1. Februar in Mizda an. Unterwegs wurde ihr Leben neben den diversen Begegnungen mit Beamten der verschiedenen Staaten, deren Territorien sie betraten, vor allem von der ständigen Vorratsbeschaffung bestimmt. Obwohl Kamele genügsame Tiere sind, brauchen sie dennoch Nahrung, um ihre Reiter und Lasten weiter zu tragen. Da die alte Route, der einst Vischer gefolgt war, nicht mehr in Benutzung ist, geriet die Expedition mehrmals in ernsthafte Schwierigkeiten, aus denen sie durch Zufall und die Hilfe der Bevölkerung jedoch heil herauskamen.

Auch Vischer hatte knappe 100 Jahre zuvor diverse Probleme zu meistern, als er der ehemaligen Sklavenroute quer durch den afrikanischen Kontinent folgte. Hare erinnert sich während seiner eigenen Reise an Bilder, Zeichnungen und Fotos, die Vischer gezeichnet bzw. aufgenommen hatte und er zitiert aus den Erinnerungen seines Vorbilds. Diese Rückblenden sind an den jeweils passenden Stellen eingefügt, so dass man als Leser einen guten Vergleich zwischen den beiden Expeditionen hat. Eine Karte, auf der die Route der beiden Forscher und Abenteurer verfolgt werden konnte, ist eine nützliche Ergänzung.

Insgesamt ist Hare ein flüssig lesbarer und anschaulicher Bericht seiner Reise gelungen, der mich beim Lesen gut unterhalten hat und auch sein Ziel erreichte, indem er mich auf die Wildkamele Asiens aufmerksam gemacht hat. Sein Bericht „Auf den Spuren der letzten wilden Kamele. Eine Expedition ins verbotene China“ subbt bei mir noch, wird aber als nächstes Buch der National Geographic-Reihe gelesen. Von mir gibt es für die verwehten Spuren 4 von 5 Akazien.

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