Raymond Queneau – Zazie in der Metro

Jeanne Lalochère will sich in Paris mit ihrem Liebhaber, einem Scheich, treffen. Dabei ist ihr jedoch ihre Tochter Zazie im Weg, denn die 10jährige Göre nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht aus, was sie denkt. Deswegen wird sie noch am Bahnhof ihrem Onkel Gabriel anvertraut, der die nächsten 2 Tage mit ihr herumschlagen darf. Aufgrund ihrer eigensinnigen Art bereitet sie in dieser Zeit jedoch nicht nur Gabriel und seiner Frau, sondern auch seinen Freunden dem Taxifahrer und dem Inhaber der Gaststätte im Wohnhaus ihres Onkel arges Kopfzerbrechen.

Zu Beginn konnte ich recht wenig mit diesem Buch anfangen und als einzig Positives empfand ich die Kürze von lediglich etwas über 150 Seiten. Die Personen sprachen teilweise in Slang, die Wortwahl war ziemlich derb und auch stilistisch waren die Dialoge nicht einfach zu verfolgen, da wörtliche Reden nicht durch Anführungsstriche gekennzeichnet waren, sondern nur mit einem Gedankenstrich eingeleitet wurde.

Doch je weiter ich las, desto mehr kam ich in die Erzählung rein und es machte mir Spaß, Zazie auf ihren Erkundungen zu folgen. Spätestens ab dem Zeitpunkt, als die Touristengruppe ihren Auftritt hatte, musste ich fast die gesamte Zeit in mich hineingrinsen. Das Tempo war die gesamte Zeit über recht hoch, so dass keine Langeweile aufkam. An die Sprache hatte ich mich dann auch gewöhnt und im Ganzen betrachtet passt sie auch sehr gut zu den handelnden Personen, da sie allesamt aus der „einfachen Bevölkerung“ stammen und eine gehobene Sprache völlig unpassend gewesen wäre.

Abgesehen von ihren Lebensumständen erfährt man von den Personen recht wenig. Doch muss ich dem Klappentext ausnahmsweise mal recht geben: die Personen stehen gar nicht im Mittelpunkt des Buches. Vielmehr erlaubt der Roman dem Leser einen Blick in die Pariser Verhältnisse, in das Leben in dieser pulsierenden Metropole, unter deren über 2 Mio. Einwohner sich natürlich auch solche Unikate wie Gabriel und seine Freunde befinden, die der Stadt der Liebe erst zu ihrer Lebendigkeit verhelfen.

Das Ende des Buches halt mich jedoch etwas verwirrt zurückgelassen, denn aus dem spielerischen Schabernack, welchen Zazie und ihre Begleiter mit dem falschen Polizisten mit den vielen Namen trieben, wurde an einem Punkt sprichwörtlich tödlicher Ernst, ohne dass ich hätte nachvollziehen können, wie es soweit kommen konnte. Ich hoffe, dass sich das bei einer späteren Wiederholungslektüre noch aufklärt. Davon abgesehen hat mir der Roman sehr gut gefallen, ohne dass ich genau sagen könnte, worin die Faszination liegt. Ich vergebe 4 von 5 Papageien.

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