J.R.R. Tolkien – Die Kinder Húrins

Mittelerde im ersten Zeitalter, lange bevor der Ringkrieg gegen Sauron stattfand: In Beleriand leben Menschen und Elben ständig in Furcht vor Morgoth, Saurons Meister, welcher von den Thangorodrim ausgehend, den Bergen über seinem Sitz Angband, Schrecken und Terror verbreitet. Doch die Elben waren damals noch zahlreich und gemeinsam mit den mächtigsten Häusern der Menschen zogen sie in die Schlacht um Morgoth zurückzuschlagen. Doch die später Nirnaeth Arnoediad, Schlacht der ungezählten Tränen, genannten Kämpfe blieben erfolglos und Morgoth konnte seinen Einfluss dank seiner Orkheere und der niederen Ostmenschen über beinah ganz Beleriand ausbreiten. Während der Kämpfe wurde Húrin, ein tapferer Mensch aus dem Hause Hador gefangen genommen und aufgrund eines Wortstreits mit Morgoth wurde er von diesem dazu verflucht, an den Hängen der Thangorodrim zu sitzen und dem unglücklichen Schicksal seiner Kinder tatenlos zuzusehen.

Davon ahnte sein Sohn Túrin nichts, als er von seiner Mutter Morwen fortgeschickt wird, um bei den Elben von Doriath in Sicherheit aufzuwachsen. Während seiner Jugend erlernte und erfuhr er dort viel, was anderen Menschen verborgen blieb, doch er hatte ein stolzes und eigensinniges Wesen, welches ihn schließlich zur Flucht aus Doriath trieb. In der Folge lebte er bei verschiedensten Menschen und Elben unter unterschiedlichen Namen, doch Morgoths Fluch lastete unabänderlich auf ihm und er fand nirgendwo Frieden.

Seine Mutter Morwen lebte derweil noch einige Jahre in ihrer Heimat unter der tyrannischen Herrschaft einiger Ostmenschen, die das Land und die dort lebenden Menschen ausbeuteten. Doch nachdem ihre Tochter Nienor, die kurz nach Húrins Gefangennahme geboren wurde, alt genug war um die beschwerliche Reise in den Süden zu den Elben Doriaths zu unternehmen und Morwen sich endlich zum Aufbruch entschlossen hatte, erfuhr sie von Túrins Flucht und den vergeblichen Bemühungen des Elbenherrschers, ihn zur Rückkehr zu bewegen. Entschlossen zog Morwen daraufhin selbst los, um ihren Sohn zu finden und Nienor begleitete sie, denn außer ihrer Mutter kannte sie keinen ihrer Verwandten. Doch Morgoths Fluch galt allen Kindern Húrins und er lastete auch auf Nienor, Túrins Schwester.

Schon von der Anlage der Erzählung her wird deutlich, dass man hier keineswegs mit einer heiteren und unbeschwerten Atmosphäre zu rechnen hat. Doch die Trost- und Hoffnungslosigkeit, die beinah jede Zeile des Buches ausatmet, ist beim Lesen streckenweise nur schwer zu ertragen. Dazu trägt auch Túrins Charakter bei: er ist uneinsichtig, stur und überschätzt sich selbst und seine Stellung immer wieder. Damit ist er zu einem wesentlichen Teil für sein Unglück selbst verantwortlich und mehr als einmal hätte ich ihn dafür am liebsten geohrfeigt. Seine Schwester Nienor hingegen ist frühzeitig erwachsen geworden und zu einer stillen und ernsten Frau herangewachsen. Ihr Schicksal ging mir beim Lesen viel näher als Túrins Verderben, denn sie war im Gegensatz zu ihrem Bruder ein Opfer von Morgoths Tücke.

Eine große Hilfe beim Lesen war die Karte Beleriands am Ende des Buches sowie die Einführung von Christopher Tolkien, in der die Situation Beleriands vor der Nirnaeth Arnoediad geschildert wird und die hilft, das Folgende einzuordnen. Ein Anhang, in dem er auf die Entstehung der Geschichte, die Schwierigkeiten bei der Zusammenstellung der vorliegenden Fassung und den Diskrepanzen zu anderweitig veröffentlichten Auszügen (im Silmarillion und den Nachrichten aus Mittelerde) eingeht, sowie eine Namensliste runden das Buch ab. Als besonderen Bonus enthält das Buch rund ein Dutzend ganzseitige Farbillustrationen sowie mehrere kleine Schwarz-Weiß-Abbildungen zu Beginn und teilweise Ende der einzelnen Kapitel von Alan Lee.

Als Fazit kann ich die Erzählung für diejenigen, die gerne mehr über die frühe Vergangenheit Mittelerdes erfahren möchten, nur empfehlen, vor allem auch unter dem Aspekt, dass dies diejenige Geschichte ist, der sich Tolkien mit größter Aufmerksamkeit gewidmet hat. Wer jedoch nur eine – in diesem Fall äußerst tragische – Erzählung lesen möchte, dem würde ich von den Kindern Húrins abraten, da einige Vorkenntnisse über Tolkiens Welt und besonders die ältesten Tage für das Verständnis notwendig sind. Neben dem Herrn der Ringe sollte man meines Erachtens nach zumindest noch das Silmarillion gelesen haben. Von mir gibt es für die Kinder Húrins insgesamt 3,5 von 5 schwarzen Schwertern.

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