Philip José Farmer – Der Flusswelt-Zyklus (1) – Die Flusswelt der Zeit

Was wäre, wenn alle Menschen, die jemals auf der Erde gelebt haben, gleichzeitig wiedergeboren werden, in der Blüte ihrer Jahre und kerngesund? Genau dies passiert an den Ufern eines Flusses, der mehrere Millionen Kilometer lang sein muss, damit er allen Wiedererweckten genügend Raum bietet. Doch was fangen die Menschen mit dieser zweiten Chance an, die ihnen gegeben wurde? Und wer überhaupt zeichnet sich dafür verantwortlich?

Diese Fragen beschäftigen auch den berühmten Forscher Sir Richard Burton, der im Jahre 1890 auf der Erde starb und nun in der Flusswelt erneut zum Leben erwacht. Gemeinsam mit einigen in seiner Nähe wiedererweckten Personen, darunter die Aristokratin Alice, der Urmensch Kazz und der zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf der Erde gelandete Alien Monat, schließt er sich zu einer Gruppe zusammen, um während des anfänglichen Chaos und der Verwirrung nicht unterzugehen. Doch es zeigt sich bald, dass auf der Flusswelt der Tod nicht von Dauer ist und man an einem anderen Abschnitt des Flusses erneut wiedergeboren wird, falls man verstirbt. Um herauszufinden, wie lang dieser Fluss ist und ob es an seinen Ufern noch mehr gibt außer einen schmalen Wiesenstreifen und dahinter steil ansteigende Berge, beschließt Burton ein Floß zu bauen und den Fluss zu befahren.

Während der folgenden mehrjährigen Reise stellt sich heraus, dass sich aus dem anfänglichen Chaos zumeist Diktaturen entwickelt haben, in der einige starke Persönlichkeiten die Bevölkerung ihrer Umgebung unterwerfen und sich auf ihre Kosten bereichern. Einer dieser Tyrannen entpuppt sich als Hermann Göring, den Oberbefehlshaber der Luftwaffe des Dritten Reichs unter Hitler. Nach seinem Entkommen aus Görings Reich kreuzen sich die Wege der beiden noch mehrere Male – zu oft, um noch als Zufall durchgehen zu können. Während Burton sich fragt, wer hinter ihren gemeinsamen Wiedererweckungen stecken könnte und generell hinter der Flusswelt, muss sich Göring unter dem Einfluss einer Droge, dem sog. Traumgummi, mit seiner Vergangenheit auseinander setzen.

Als Leser habe ich es noch einfach so hingenommen, dass Farmer als eine seiner Hauptpersonen den berühmten Forscher Sir Richard Burton ausgewählt hat, der unter anderem für seine Reise nach Mekka (als muslimischer Pilger verkleidet) bekannt geworden war. Doch mit dem Auftauchen von Hermann Göring hat mich Farmer überrascht. Zuerst habe ich befürchtet, dass dahinter nur die antideutsche Haltung des US-Amerikaners steckt, doch mit seiner subtilen Darstellung der Wandlung des Kriegsverbrechers konnte er mich vom Gegenteil überzeugen, so dass ich als Leser zwischen Mitleid und Abscheu geschwankt habe und dabei zunehmend das Mitleid die Oberhand gewann.

In der ebenfalls in der Neuauflage des Buches enthaltenen, bisher unveröffentlichten Novelle „Auf dem Fluss“ geht Farmer sogar noch einen Schritt weiter, indem er den Zimmermann Jeschua in sein Personal integriert. Für gläubige Christen mag dies ein Frevel sein, mich jedoch hat es nicht gestört. Im Gegenteil: es beantwortet die im Roman schon aufgekommene Frage, ob auch Jesus Christus wiedererweckt wurde und wenn ja, was er zu erzählen wüsste – allerdings anders als ich erwartet hatte.

Nach einem etwas zähen Beginn hat mich die Flusswelt und die auf ihr stattfindende Geschehnisse immer weiter in ihren Bann gezogen und obwohl die Charaktere teilweise recht stereotyp waren bzw. die Nebenfiguren kaum genug Zeit hatten, um sich dem Leser näher vorzustellen, wollte ich wissen, wie es mit Burtons Reise weitergeht und ob er es schafft, die Quelle des Flusses zu erreichen und zu sehen, was dahinter liegt. Doch da dieses Buch erst der erste Band des fünfteiligen Flusswelt-Zyklus ist, wurden bisher mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben. Von daher werde ich mir nach und nach noch die übrigen Bücher anschaffen. Für diesen Auftakt gibt es von mir erstmal 3,5 von 5 Zylindern.

Zu erwähnen ist noch, dass der Auftakt des Zyklus unter dem Titel „Riverworld – Welt ohne Ende“ verfilmt wurde, jedoch mit einer zum Teil stark abweichenden Handlung. Dennoch ist er meiner Meinung nach durchaus sehenswert.

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Ein Kommentar zu “Philip José Farmer – Der Flusswelt-Zyklus (1) – Die Flusswelt der Zeit

  1. […] Philip José Farmer – Der Flusswelt-Zyklus (1) – Die Flusswelt der Zeit Bücherzeit – PeopleRank: 5 – 21.09.2009 …Richard Burton, der im Jahre 1890 auf der Erde starb und nun in der Flusswelt erneut zum Leben erwacht. Gemeinsam mit einigen in seiner Nähe wiedererweckten Personen, darunter die Aristokratin Alice, der Urmensch Kazz und der zu Beginn des 21. Jahrhunderts… Namen genannt : Jesus Christus  Hermann Göring  + voten […]

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