Ulrich Drees – Das Spiel des Asen

Der junge Adlige Ronald von Freiseneck weiß gar nicht richtig, wie ihm geschieht, als sein bisheriges Weltbild binnen weniger Tage komplett aus den Fugen gerät. Erst erfährt er, dass er ein Hexer ist und die Energie aus dem Äther, das so genannte Ka spüren und sogar nutzen kann und dann sind auch noch merkwürdige Goths hinter ihm her. Gleichzeitig geschehen überall in Deutschland seltsame Dinge, denn das Ka wird stärker und die Pforte zwischen dem Äther und unserer Welt beginnt sich zu öffnen. Dahinter steckt der Deutsche Orden, welcher in einem alten Ritual die Erzengel beschwören will, um dem Einen Gott zu mehr Macht zu verhelfen – nicht ahnend, dass sie damit nur einem gefangenen Asen in die Hände spielen, der sich befreien und an seinen Peinigern Rache nehmen will. Das Spiel des Asen hat begonnen!

Vor einem Hintergrund aus nordischer und slawischer Mythologie verlaufen mehrere Handlungsstränge, die dem Leser sowohl die Erlebnisse des jungen Ronny aufzeigen als auch diejenigen von Oberst Braun aus dem Deutschen Orden und dem Berliner Privatdetektiv Thor Bronski, der als Söldner scheinbar zwischen allen Fronten agiert. Obwohl einige Personen anfänglich undurchschaubar und wenig sympathisch sind, gewinnen sie im Laufe der Handlung an Konturen und ich konnte sie auch besser verstehen. Ronny von Freiseneck als unangefochtene Hauptperson und Sympathieträger war mir jedoch der liebste Protagonist, gemeinsam mit der etwas extravaganten Leo.

Aufgrund des Kapitelaufbaus – zuerst ein Zitat aus einem Zeitungsartikel, eine Akte oder sonst einem Schriftstück, das irgendwie mit den Geschehnissen in Verbindung steht, dann in Kursivschrift die Gedanken desjenigen, der das ganze Spiel inszeniert, und anschließend erst der Fortgang der Handlung – wird zu Spekulationen eingeladen. Allerdings sollte man in der nordischen und auch slawischen Mythologie etwas bewandert sein, sonst könnte man den Durchblick bei den erwähnten oder sogar auftretenden mythischen Gestalten verlieren.

Unübersichtlich ist zudem – zumindest zu Beginn – die zeitliche Einordnung der verschiedenen Episoden. Erst später kann man anhand von Hinweisen eine grobe Reihenfolge entdecken und die zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfindenden Erlebnisse von Ronny, Oberst Braun und Thor Bronski in einen Zusammenhang bringen. Hier wäre eine Datumsangabe zu Beginn jedes Kapitels eine enorme Erleichterung gewesen.

Etwas schade ist auch, dass manche Handlungsstränge mehr oder weniger im Sand verlaufen und zum Ende hin nicht nochmals aufgegriffen werden. Das wird jedoch durch den trockenen Humor wett gemacht, der immer wieder aufblitzt und mich des Öfteren zum Lachen gebracht hat.

Trotz der genannten Schwächen hab ich mich beim Lesen des Buches hervorragend amüsiert und vergebe dafür 4 von 5 Hunde.  Unter anderem lag dies auch an der autorenbegleiteten Leserunde auf leserunden.de, in der Ulrich neben einigen erhellenden Kommentaren auch ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert hat.

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