Patrick Süskind – Das Parfum (gelesen von Hans Korte)

Jean-Baptiste Grenouille wurde als ein Mensch geboren, der keinen eigenen Geruch besaß. Von einer seiner Ammen als Geschöpf des Teufels bezeichnet wuchs er mehr schlecht als recht in einem staatlichen Waisenhaus auf und diente bei einem Gerber. Doch seine besondere Gabe kann er erst beim Parfümeur Baldini richtig zur Geltung bringen, denn er besitzt den besten Geruchssinn der Welt. Nachdem er bei Baldini eine Lehre absolviert hat, zieht er aus Paris hinaus nach Grasse, wo er sein Wissen über die Kunst, Düfte zu bewahren, vervollkommnen will. Angelockt durch den bezaubernden Duft eines jungen Mädchens beschließt er, das „Parfum der Welt“ zu kreieren, wobei der Duft dieses einen Mädchens die Kernnote bilden soll.

Obwohl Grenouille ohne Zweifel im Mittelpunkt des Romans steht, der seine Lebensgeschichte nacherzählt, blieb er mir merkwürdig fremd. Als Leser hat man zwar einiges über seine Ziele und Motive erfahren, doch was genau in ihm vorging, blieb immer rätselhaft, was vermutlich auch daran lag, dass er kaum Gefühle und Empfindungen hatte. Das einzige, was für ihn von Bedeutung war, waren die verschiedenen Gerüche, von denen er weit mehr wahrnahm als jeder andere Mensch.

Gerüche an sich spielen gemäß der Natur der Erzählung eine große Rolle, doch können sie weder in einem Buch noch als Hörbuch in ihrer eigentlichen Form rübergebracht werden. Süskind gelingt es jedoch anhand von zahllosen Beispielen dem Leser eine Vorstellung der Gerüche nahe zu bringen, auch wenn niemand außer Grenouille sie in ihrer ganzen Reichweite erfassen kann.

Was die allgemeinen Lebensumstände im Paris des 18. Jahrhunderts angeht, so konnte Süskind die bedrückende Enge der Gasse sowie den infernalischen Gestank, der sich aus dem Zusammenleben vieler Menschen auf engstem Raum ohne jegliche Kanalisation ergab, sehr gut beschreiben. Hans Korte als Vorleser hat die Beschreibungen des Autors mit seiner ruhigen Stimme zum Leben erweckt. Dabei gelang es ihm, sowohl Grenouilles seltene Gefühlsregungen als auch dessen sonstige Emotionslosigkeit mit seiner Stimme darzustellen.

Insgesamt vergebe ich für die Umsetzung dieses Meisterwerks der Weltliteratur 4 von 5 Flakons.

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