Joanne K. Rowling – Harry Potter

Angestiftet durch die zurzeit in den Kinos laufende Verfilmung des 6. Harry Potter-Bands „Harry Potter und der Halbblutprinz“ habe ich in den letzten 2 Wochen noch einmal die kompletten 7 Bände sowie „Die Märchen von Beedle dem Barden“ gelesen.

Harry Potter lebt als Waise bei seinen einzigen Verwandten, Tante Petunia, Onkel Vernon und Cousin Dudley in einem gepflegten Reihenhaus im Londoner Vorort Little Whinging. Leider hat Harry hier keine glückliche Kindheit und so ist er umso erfreuter  als er an seinem 11. Geburtstag erfährt, dass er ein Zauberer ist und auf die Hogwarts Schule für Zauberei und Hexerei gehen wird. Dort erfährt er auch mehr über seine Vergangenheit und die Ursache für die blitzförmige Narbe auf seiner Stirn. Vor 10 Jahren hat der damals größte Schwarzmagier, der die ganze magische Welt terrorisiert hatte, versucht ihn zu töten. Allerdings fiel der Todesfluch zurück auf Lord Voldemort und Harry überlebte mit nichts weiter als der Narbe auf seiner Stirn. Voldemort hingegen war seines Körpers und seiner Kräfte beraubt und floh. Deswegen ist Harry in der magischen Welt eine Berühmtheit, womit er sich allerdings erst abfinden muss, da er bis zu seinem 11. Geburtstag nichts davon wusste, denn Onkel und Tante wollten ihm diesen „Unsinn“ austreiben.

Natürlich lässt dies Dumbledore, Schulmeister von Hogwarts und vielleicht größter Zauberer seiner Zeit, nicht zu und so beginnt Harry seine siebenjährige Ausbildung zum Zauberer. Allerdings ist seine Schulzeit alles andere als ruhig zu nennen, denn bereits im ersten Band begegnet er dem verkümmerten Lord Voldemort wieder, der den Stein der Weisen stehlen und damit seine Kräfte regenerieren will. Im zweiten Band wird die legendäre Kammer des Schreckens in Hogwarts wieder geöffnet und was immer darin lebt, greift Schüler an. Während man Harry für den Täter hält, deckt dieser gemeinsam mit seinen besten Freunden Ron Weasley und Hermine Granger auf, dass wieder Lord Voldemort, allerdings diesmal in Gestalt eines jüngeren Selbst, dass er in einem Tagebuch verborgen hat, dahinter steckt. Ein Jahr später erfährt Harry endlich mehr über seine Eltern und entdeckt, dass der aus Askaban geflohene Mörder Sirius Black in Wahrheit sein unschuldiger Pate ist. Leider kann der wahre Täter Peter Pettigrew fliehen und so muss sich Sirius weiterhin verstecken. Peter kehrt derweil zu seinem Herrn Lord Voldemort zurück und gemeinsam mit einem weiteren Verschwörer planen sie, das im 4. Schuljahr in Hogwarts stattfindende Trimagische Turnier dazu zu benutzen, Harry zu entführen und ihn dazu zu benutzen, Voldemort zu seiner alten Macht zurück zu helfen. Soweit funktioniert der Plan auch, doch Harry kann fliehen und berichtet Dumbledore von Voldemorts Rückkehr. Dieser reaktiviert daraufhin den alten Orden des Phönix, um den Kampf gegen Voldemort aufzunehmen. Doch das Zaubereiministerium weigert sich, an dessen Rückkehr zu glauben, so dass Harry und Dumbledore die Diffamierung als Lügner ertragen müssen, während Voldemord im verborgenen Pläne schmiedet. Nach einem Kampf im Zaubereiministerium, wohin Voldemort Harry gelockt hatte, muss selbst der verbohrte Minister Fudge die Wahrheit anerkennen. In Folge ergreift die Zauberwelt Vorbereitungen zur Abwehr von Lord Voldemort und seinen Todessern, doch auch diese bleiben nicht untätig und es kommt erneut zum rätselhaften Verschwinden von Personen, zu Folter und Mord. Um dies ein für alle Mal zu beenden, gibt Dumbledore Harry während seines 6. Schuljahres Einblick in seine Erkenntnisse über Voldemorts Vergangenheit. Um sich vor dem Tod zu schützen, hat Voldemort seine Seele in 7 Teile zerrissen, von denen er 6 Stück als Horkruxe in verschiedenen Gegenständen verwahrt hat. Gemeinsam gehen Harry und Dumbledore auf die Jagd nach diesen Horkruxen, denn erst wenn sie alle 6 zerstört haben, kann Voldemort getötet werden. Als sie dem 3. Horkrux auf der Spur sind, dringen Todesser in Hogwarts ein und in der Folge wird Dumbledore von Snape, dem er vertraut hat, getötet. Fassungslos über diesen Verrat schwört Harry Rache, doch noch wichtiger ist, dass er Dumbledores Mission übernimmt und die restlichen Horkruxe zerstört. Deswegen kehren er, Ron und Hermine nicht zu ihrem 7. Schuljahr nach Hogwarts zurück, sondern folgen jedem noch so kleinem Hinweis zu dem Versteck eines Horkruxes, während sie sich gleichzeitig vor den Todessern verbergen müssen, die mittlerweile das Zaubereiministerium übernommen haben und in diesem offiziellen Gewand ihren Terror vorantreiben.

Frau Rowling hat mit ihren Harry Potter-Bänden ein fantastisches Paralleluniversum zu unserer Welt geschaffen, in der verborgen vor unseren Augen die Zauberei weiterlebt und gedeiht. So existiert beispielsweise auf dem Londoner Bahnhof das Gleis 9 ¾ und mitten in London können nur Zauberer und Hexen die verborgene Einkaufspassage Winkelgasse betreten. Das faszinierende an diesem Weltenbau ist, dass es tatsächlich so sein könnte. Wie sollten denn Muggel wie wir es merken, wenn rings um uns Magie existiert, die jedoch vor uns verborgen wird?

Auch die Örtlichkeiten wissen zu überzeugen. Wer hat es sich denn nicht gewünscht, auch eine Einladung nach Hogwarts zu erhalten und dort gemeinsam mit Harry und seinen Freunden die Geheimgänge zu erforschen oder sich mit sprechenden Porträts zu unterhalten? In den verschiedenen Unterrichtsfächern erfährt man mehr über das Magiesystem und realistischerweise kann man mit Zauberei nicht alles richten. Da Harry, der bei Muggeln aufgewachsen ist und von der Zauberwelt nichts wusste, bevor er nach Hogwarts kam, auch erst nach und nach die Sitten, Gebräuche, Sportarten und andere Dinge der magischen Welt kennen lernt, ist man als Leser nicht sofort überfordert und kann ebenfalls nach und nach ihre Besonderheiten für sich entdecken.

Aus diesem Grund eignet sich Harry am besten als Identifikationsfigur, wobei auch Ron und Hermine ein sehr hohes Identifikationspotential bieten. Mit diesem Trio hat Rowling es geschafft, für vermutlich jeden Leser eine passende Figur zu schaffen, mit der man mitfiebern kann. Dabei begleitet man die verschiedenen Personen über insgesamt 7 Jahre hinweg vom Ende ihrer Kindheit bis zum Beginn ihres Erwachsenenlebens. Natürlich bleibt es dabei nicht aus, dass es auch zwischen den besten Freunden zu Streitereien kommt und genau diese machen die Charaktere so lebendig. Jede Person hat Ecken und Kanten und selbst im letzten Band kann Rowling die Leser noch überraschen und die bisher sehr eindimensional dargestellten Bösewichter in ein anderes Licht rücken, um so die ihnen trotz allem innewohnende Menschlichkeit zu zeigen. Hervorzuheben ist, dass es bei einer so umfangreichen Welt selbstverständlich auch zahlreiche Nebenfiguren gibt, bei denen man dennoch nicht das Gefühl hat, dass sie nur Lückenfüller und Beiwerk sind, sondern man merkt, dass sich hinter jedem Namen auch eine Geschichte verbirgt.

Was mich jedoch während der ersten Bände gestört hat, ist dass immer zu Beginn des Buches noch mal eine Zusammenfassung von Harrys Vergangenheit und den Geschehnissen des vorherigen Buches gab. Grundsätzlich finde ich dies nicht verkehrt, doch war es sehr plump zwischen zwei Sätze gequetscht und keineswegs flüssig in die Handlung eingebunden. Das hätte besser gelöst werden können.

Dennoch hat es mir unglaublich viel Spaß gemacht, Harry und seine Freunde während dieser 7 Jahre zu begleiten, mich mit ihnen zu freuen und mit ihnen zu trauern. Die letzten 6 Seiten von Band 7 hätte sie sich jedoch getrost sparen können. Dieser Epilog wirkt in meinen Augen einfach nur aufgesetzt und überflüssig. Für das restliche Werk gibt es von mir 4,5 von 5 Phönixen.

Nach dem Abschlussband habe ich mir dann noch die deutsche Übersetzung der „Märchen von Beedle dem Barden“ zu Gemüte geführt. Hier kann ich nur auf das verweisen, was ich bereits zur englischen Ausgabe geschrieben habe.

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4 Kommentare zu “Joanne K. Rowling – Harry Potter

  1. Ines sagt:

    Halli Hallo, Gut geschrieben. Bin ein totaler Harry Potter Fan.

  2. Flug sagt:

    Ich fand die Zusammenfassungen am Anfang der Bücher immer recht hilfreich. Allerdings habe ich die Bücher auch noch nie in einem Rutsch gelesen, da fällt das sicher mehr auf.

    Zum Epilog: Ich habe bis jetzt so einige Argumente dafür und dagegen gelesen. Mir als Informationsjunkie, der immer mehr wissen will, hat er sehr gut gefallen. Es ist ein Abschluß der mich nicht fragend zurücklässt. Heiraten sie? Kriegen sie Kinder? Wird alles gut? Außerdem macht es der Epilog schwer noch eine Fortsetzung hintendran zu setzen.

  3. Myriel sagt:

    Hallo Flug,
    klar, so gesehen bietet der Epilog einen richtigen Abschluss und man muss nicht darum fürchten, dass es in eine Endlos-Reihe ausartet. Andererseits empfand ich den Kontrast zwischen dem mörderischen Kampf in Hogwarts und dieser Friede-Freude-Eierkuchen Atmosphäre im Epilog als zu stark. Und manchmal ist es auch besser, wenn gewisse Dinge der Fantasie der Leser überlassen bleiben. 😉
    LG Myriel

  4. Du hast neben der Arbeit die sieben Bände in 14 Tagen gelesen? Alle Achtung! *fügehierdenoffenenmundein*

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