Markus Heitz – Sanctum

In der Fortsetzung der Erzählung um die Bestie vom Gévaudan treffen wir die Protagonisten dort wieder, wo wir sie am Ende von Ritus verlassen haben: Jean Chastel hat eine der Bestien im Gévaudan töten können, doch wurde er in Dinge hineingezogen, die größer sind, als alles, was er sich vorstellen konnte. Eine zweite Bestie wurde von Jesuiten entführt, die die Furcht, die sie verbreitet, nutzen wollen, um die Gotteshäuser zu füllen und der Kirche zu mehr Macht zu verhelfen, während sich die dritte Bestie nach Rom aufgemacht hat, um dort eine alte Rechnung zu begleichen. Jean und die Äbtissin Gregoria begeben sich auf getrennten Wegen ebenfalls in die Ewige Stadt, wo sie in die kirchlichen Intrigen im Vatikan hineingezogen werden.

Währenddessen begibt sich Eric von Kastell in der Gegenwart gleichfalls auf den Weg nach Rom, um dort die Schwesternschaft vom Blute Christi zu treffen, in deren Gewalt sich die von der Bestie infizierte Lena befindet, in die sich Eric verliebt hat. Ähnlich wie der erste Jäger Jean muss sich auch Eric mit diversen Intrigen herumschlagen, von denen er immer weiter in die Enge getrieben wird. Sein einst so komfortables Leben mit Verstecken überall auf der Welt zerbricht immer weiter und er weiß nicht mehr, wem er noch trauen kann. Zu allem Unglück hat eine der Parteien das einzige überlebende Junge der getöteten Bestie in ihrer Gewalt, welches Eric aufspüren und töten muss, um einer Jahrhunderte währenden Hetzjagd endlich ein Ende zu bereiten.

Während in Ritus die wahren Geschehnisse um die Bestie vom Gévaudan als Grundlage für den Erzählstrang um den Wildhüter Jean Chastel dienten, hat der Autor nun eine völlig eigene Fortsetzung geschrieben, die nicht mehr viel mit dem Beginn allen Unglücks im Jahr 1764 zu tun hat. Die Verlagerung nach Rom und die zunehmende Wichtigkeit der gesponnenen Intrigen haben viel der Geschwindigkeit aus dem Roman genommen. Obwohl die Sprache dank der kurzen Sätze gewohnt flüssig ist und auch einige Kämpfe mit Wandelwesen in Rom vorkommen, liegt das Hauptaugenmerk auf der Gründung des Ordens der Schwesternschaft vom Blute Christi, die als Gegenpol zu den Jesuiten im Vatikan gedacht ist.

In der Gegenwart darf sich Eric mit der immer noch bestehenden Schwesternschaft beschäftigen, die ein mögliches Heilmittel für infizierte Wandelwesen bereithält, welches sie Lena und später auch ihm verabreichen möchten. Eric, der zunehmend den Boden unter den Füßen verliert und nur noch reagieren kann, anstatt selbst Pläne zu schmieden und Fallen zu stellen, hadert aufgrund dieser für ihn ungeahnten Möglichkeit zunehmend mit seinem Schicksal, was ich ihm allerdings nicht ganz abnehmen konnte.

Auch andere Ungereimtheiten haben mich in zunehmenden Maße gestört, beispielsweise zu dem Punkt, welche Gestalt die Kinder von Werwesen annehmen – Wolf oder Mensch? Bei der Auflösung der Verbindung zwischen den Chastels aus dem Frankreich des 18. Jahrhunderts und den von Kastells der Gegenwart, die ich aufgrund der Ähnlichkeit der Namen schon lange vermutet habe, ebenso wie bei der Erklärung für Erics übermenschlichen Kräfte bzw. deren Ursache hat es sich der Autor für meinen Geschmack zu einfach gemacht. Ebenso unglaubwürdig ist es, dass Eric trotz der Jahrhunderte, die seine Familie schon Werwesen jagt, immer noch von Wer-Eisbären und anderen Wesen sowie deren Lebensgewohnheiten überrascht werden kann. Da stellt sich mir unweigerlich die Frage, wie die von Kastells überhaupt so lange überleben konnten, wenn sie angesichts ihrer mehr als zahlreichen Feinde doch so unwissend waren.

Im Vergleich zum Vorgänger „Ritus“ hat mich „Sanctum“ nicht annähernd so sehr überzeugen oder fesseln können, so dass ich nur auf 2,5 von 5 Blutstropfen komme.

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