Markus Heitz – Ritus

Frankreich im Jahre 1764: Der Wildhüter Jean Chastel und seine beiden Söhne Pierre und Antoine haben im Vivarais einen Loup-Garou erlegt, einen Werwolf. Doch während des Kampfs mit der Bestie tauchte ein zweites Exemplar auf, welches zuerst die beiden jungen Chastels verletzte und anschließend floh. Nach der Rückkehr ins Gévaudan lebt Jean Chastel daraufhin in doppelter Angst. Einerseits vor der Bestie, welche damit beginnt, die Bevölkerung des Landstrichs abzuschlachten, und andererseits davor, dass seine Söhne selbst zu Loup-Garous geworden sind und an den Morden nicht unschuldig sind. Nachdem die Furcht vor der Bestie immer weitere Kreise zieht, tauchen Jäger aus, die sich Hoffnung auf die Belohnung machen, welche der König für die Erlegung der „Bestie vom Gévaudan“ ausgesetzt hat.

München, 2004: Eric von Kastell, seines Zeichens Spross der reichen Kastell-Familie, ist der Familientradition gefolgt und wurde Werwolf-Jäger, wobei von all den verschiedenen Arten der Lykantropenfamilie sein Hass ganz besonders der Bestie gilt, die als eine Mischung verschiedener Wandelwesen am gefährlichsten ist. Doch nachdem sein Vater von einem ägyptischen Schakalwesen getötet wurde, gerät sein Leben nach und nach immer mehr außer Kontrolle. Da kommt es ihm gerade recht, dass er die letzte Bestie in Kroatien bei den Plitvicer Seen aufspüren konnte. Leider zieht er dabei die Wolfsforscherin Lena in die Fehde zwischen der Bestie und den von Kastells mit hinein und nebenbei muss er sich mit den Orden des Lycaon und den Lycaoniten herumschlagen. Ausgerechnet in diese kritischen Phase lernt er bei der Verlesung des Testaments seines Vaters seine Halbschwester Justine kennen, die anscheinend ebenfalls im Familiengewerbe tätig ist, allerdings für den Orden der Schwesterschaft vom Blute Christi.

Immer abwechselnd schildert Heitz ein Kapitel aus der Sicht von Jean Chastel im Frankreich des 18. Jahrhunderts und von Eric von Kastell im Europa der Gegenwart. Beide Männer weisen Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede auf, von denen das herausragendste Merkmal ihrer beider Leben die Jagd nach der Bestie ist. Während Jean bereits die Blüte des Lebens überschritten hat, dementsprechend ruhiger und überlegter handelt und sich vor allen Dingen um seine Söhne sorgt, ist Eric ein junger und eher hitzköpfiger Draufgänger, der die Annehmlichkeiten des Lebens in vollen Zügen auszukosten weiß, insbesondere was die Vorzüge des weiblichen Geschlechts angeht. Neben diesen beiden Protagonisten bevölkern zahlreiche weitere Figuren den Roman, wobei sie durchgängig lebendig beschrieben wurden, obwohl nicht alle Klischees vermieden werden konnten.

Die Sprache von Heitz ist gewohnt flüssig und aufgrund der eher kurzen Sätze weist die Erzählung ein hohes Tempo auf, insbesondere in Kampfszenen. Dabei fließt allerdings auch reichlich Blut, vor allem wenn die Bestie mal wieder ihren Hunger gestillt hat. Hier hätten es ruhig einige Details weniger sein können, ohne das dadurch etwas Wesentliches verloren gegangen wäre. Die Spannung wurde ohnehin mehr von den Perspektivenwechseln zwischen Jean in der Vergangenheit und Eric in der Gegenwart hoch gehalten als durch blutige Einzelheiten der Morde der Bestie.

Obwohl Ritus nur der erste von zwei Teilen ist und keiner der Handlungsstränge daher abgeschlossen ist, gefällt mir bisher die Schilderung der Geschehnisse im Gévaudan besser, vor allem da Heitz seinen Roman auf wahren Begebenheiten aufgebaut hat. Was in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts wirklich geschah und wer für die über 100 Toten verantwortlich ist, konnte bis heute nicht geklärt werden, wodurch von ganz allein eine Gänsehaut erzeugt wird. Im Gegensatz dazu kam mir die Handlung in der Gegenwart zu überzogen vor, so dass ich diese Parts eher mit Skepsis gelesen haben. Summa summarum komme ich auf insgesamt 3,5 von 5 Holzfiguren.

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4 Kommentare zu “Markus Heitz – Ritus

  1. Nina sagt:

    Ich habe das Buch vor Ewigkeiten mal angefangen, konnte mit dem Schreibstil aber nicht wirklich viel anfangen. Deswegen hab ich’s erstmal wieder beiseite gelegt. Bezeiten wollte ich es aber noch mal versuchen. Die Thematik reizt mich nämlich schon und ‚Sanctum‘ subbt schließlich auch noch.

    LG,
    Nina

  2. Myriel sagt:

    Hallo Nina,
    na wenn Dich lediglich die Thematik reizt, aber der Schreibstil nicht wirklich zusagt, bin ich mir nicht sicher, inwieweit Du mit „Sanctum“ deine Freude haben wirst. Ich empfand es doch als wesentlich schwächer als „Ritus“, auch vom Thema her hat es sich in eine ziemlich andere Richtung entwickelt – und zwar nicht zum Positiven. 😉
    LG Myriel

  3. Nina sagt:

    Ich hab halt immer die Hoffnung, dass es noch besser wird. 😉 Manche Autoren brauchen ja ’ne Weile, um sich einzuschreiben. Wenn es aber gar nicht geht, dann kommen die beiden Bücher eben zu Buchticket. Da findet sich sicher ein Abnehmer.
    Schade ist es trotzdem, denn ich finde es immer total ärgerlich, wenn die Idee eigentlich gut ist, aber die Umsetzung dann nicht gelingt.

    Beste Grüße,
    Nina

  4. Myriel sagt:

    Da die Hoffnung bekanntlicherweise zuletzt stirbt, hoff ich mal, dass Du mehr Freude an den Büchern haben wirst als ich. 🙂

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