Cornelia Funke – Tintentod

Der dritte und abschließende Band der Tintenwelt-Trilogie schließt genau dort an, wo wir Leser Meggie, Mo und alle anderen zurückgelassen haben: Staubfinger ist tot und Farid tut verzweifelt alles, um ihn zurückzuholen, schließlich hat Staubfinger ihn durch seinen Tod selbst zurück ins Leben gebracht. Daher hat er sich bereit erklärt als Orpheus Diener zu arbeiten, damit dieser die Zeit und Ruhe hat, die richtigen Worte für Staubfingers Rückkehr zu finden. Dadurch hat Farid aber kaum noch Gelegenheit Meggie zu sehen, die sich gemeinsam mit ihrer Mutter Resa und ihrem Vater Mo auf einem Bauernhof versteckt hält und von den Männern des schwarzen Prinzen bewacht wird. Mo, der sich immer mehr in die Rolle des Eichelhähers hineinbegibt, ahnt nichts von der beginnenden Entfremdung zwischen seiner Tochter und ihrer ersten großen Liebe, denn er hat alle Hände voll damit zu tun, die Bevölkerung der Tintenwelt vor den Übergriffen des Natternkopfs und seiner Leute zu schützen.

Während bereits Tintenblut eine düstere Atmosphäre aufwies als Tintenherz, so stellt Tintentod nochmals eine Steigerung der Trost- und Aussichtslosigkeit dar. Egal, was unsere Helden unternehmen, welche Kniffe und Tricks sie sich einfallen lassen, so können sie doch nicht verhindern, dass das Böse sich immer weiter über die Tintenwelt ausbreitet und das Leben der einfachen Leute zur Hölle macht. Diese Hoffnungslosigkeit erfasst bald auch die Protagonisten und mehr als einmal kommt es auch zum Streit zwischen Mo und Resa über Sinn und Zweck ihres weiteren Aufenthalts in der Tintenwelt.

Ein Lichtblick stellt die Ankunft von Elinor und Darius in der Tintenwelt dar: dadurch, dass die beiden ihrem einsamen Dasein in Elinors Villa entkommen sind und ihre Begeisterung über die Wunder, die die Tintenwelt zu bieten hat und die sie zum ersten Mal mit eigenen Augen sehen, noch frisch ist, schaffen sie es, die gedrückte Stimmung etwas aufzuheitern.

An einem kann das Auftauchen der Beiden jedoch nichts ändern: an der wieder einmal gleichen Story, die von der Autorin abgespult wird: Mo gerät wieder einmal in die Hände des Feindes, wieder einmal will der nur von seinen Fähigkeiten profitieren und wieder einmal eilen die Guten zu seiner Rettung herbei. Doch die geringfügigen Abweichungen, die Frau Funke diesmal eingebaut hat, schaffen es immerhin, dass das Déjà-vu-Gefühl nicht so sehr überhand nimmt, dass es das Leseerlebnis nachträglich trübt. Was jedoch einen sehr faden Beigeschmack hinterlassen hat, ist die Auflösung am Ende von Tintentod (Stichwort Deus ex machina). Hier hat es sich die Autorin sehr einfach gemacht, so als ob sie nicht wüsste, wie sie aus der von ihr geschaffenen Situation wieder herauskommen soll. Dennoch war ich ehrlich gesagt froh darüber, welches Ende sie für ihre Protagonisten bereit hielt – und ich war auch froh, dass ich das Buch beruhigt zuschlagen konnte, um mich wieder anderer Lektüre widmen zu können.

Fazit: Im Vergleich zum direkten Vorgänger Tintenblut gibt es die gleichen Punkte, die mir gefallen haben bzw. die ich kritisiere, wobei die Kritikpunkte diesmal ein kleines bisschen weniger stark ins Gewicht fallen, so dass ich insgesamt auf 3,5 von 5 weißen Frauen komme.

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