Cornelia Funke – Tintenblut

Nach den Geschehnissen aus „Tintenherz“ lebt Zauberzunge Mo gemeinsam mit seiner Frau Resa und Tochter Meggie glücklich bei Elinor und Darius in Elinors büchergefülltem Haus. Doch der Schein trügt, denn Meggie und Mo streiten sich immer öfter, da Meggie eine Faszination für die Tintenwelt entwickelt, die Mo ängstigt. Er hatte einst seine Frau für 10 Jahre an diese erdachte Welt verloren und später zwar lebendig, jedoch stumm zurückbekommen. Nun will er keinesfalls, dass Meggie ähnliches widerfährt. Als jedoch Farid, der junge aus 1001 Nacht, der Staubfinger wie ein Schatten folgte, vor ihrer Tür steht und der versammelten Familie erzählt, dass Basta, ehemals rechte Hand von Capricorn, wieder da ist, bietet sich für Meggie eine ungeahnte Möglichkeit. Staubfinger wurde zuvor von Orpheus, einem ebenfalls begnadetem Leser, zurück in die Tintenwelt gelesen, wohin ihm Farid nun folgen möchte, um ihn vor Basta zu warnen. Der Weg in die dorthin führt über das eng beschriebene Blatt Papier, welches Farid ihr zeigt.

Nachdem ihre Eltern merken, dass Meggie offenbar mit Farid zwischen Orpheus Worten verschwunden ist, bleibt ihnen nicht viel Zeit zum Nachdenken, denn kurz darauf steht Basta vor ihrer Tür. Während er Elinor und Darius als Gefangene wegsperrt, lässt er sich selbst mit Mo und seiner alten Herrin Mortola ebenfalls in die Tintenwelt lesen, um sich dort nicht nur an Zauberzunge Mo und Staubfinger zu rächen, sondern auch um Mortolas Wunsch zu erfüllen, ihren toten Sohn Capricorn wieder zu sehen.

Bereits der Einstieg des Buches macht deutlich, dass diesmal deutlich düstere Töne angeschlagen werden als zuvor in „Tintenherz“. Nicht nur, dass zwischen Meggie und Mo nicht mehr alles so harmonisch ist wie früher, Meggie muss nun auch mit ihren widerstreitenden Gefühlen für Farid kämpfen und zudem möchte sie unbedingt die Tintenwelt kennen lernen, von der ihr ihre Mutter so viel berichtet hat. Daraus ergibt sich ein heilloses Gefühlschaos, das für ein Mädchen ihres Alters typisch ist und das ich sehr gut nachvollziehen konnte. Auch ihre Neugier auf eine fremde Welt, in der es blaue Feen, Glasmänner und andere fantastische Geschöpfe gibt, ist mir nur zu verständlich. Oft habe ich mir selbst gewünscht, einmal in ein Buch eintauchen zu können um die beschriebenen Dinge sehen und berühren zu können.

Doch welchen Gang die Geschehnisse in der Tintenwelt nehmen, hat Meggie nicht ahnen können. Zwar lebt ihr Schöpfer, der Schriftsteller Fenoglio mittlerweile in seinem eigenen Buch, doch hat er keinen weit reichenden Einfluss mehr auf die Geschichte – sie erzählt sich mittlerweile selbst. So kann es kommen, dass gut gemeinte Worte sich völlig anders entwickeln, als sich beabsichtigt waren und andere Menschen in große Gefahr bringen. Dies muss Mo am eigenen Leib erfahren, hat ihn doch Fenoglio als Vorlage für den Räuber Eichelhäher genutzt, eine Art Robin Hood der Tintenwelt. Je länger sich Mo in der Tintenwelt befindet, desto stärker wird der Eichelhäher in ihm und er erkennt sich selbst manchmal kaum wieder. Diese widerstreitenden Gedanken und Gefühle waren so gut herausgearbeitet, dass ich beim Lesen beinah spüren konnte, wie es Mo das Herz zerriss.

Im Gegensatz zu den starken Emotionen kam mir die Handlung jedoch recht dünn und eintönig vor: wieder geht es um Mos Fähigkeiten, die er einsetzen muss, um sich selbst und seiner Tochter das Leben zu retten, als sie sich mal wieder in der Gefangenschaft eines Bösewichts befinden. Zwar beleben phantastische Kreaturen diesmal die Statistengruppe, aber im Großen und Ganzen kam mir die Handlung wie ein lauer Aufguss des ersten Teils vor. Eine erfreulicher Lichtblick war lediglich Staubfinger, über dessen eigentliches Leben in seiner eigenen Welt man mehr erfährt und ihn dadurch von einer anderen Seite kennen lernt.

Obwohl die Ausstattung des Buches ähnlich hochwertig ist und liebevolle Illustrationen die Seiten schmücken, kann der Roman nicht an seinen Vorgänger heranreichen. Ich vergebe 3 von 5 Feuerblüten.

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