Francis Hallé, Dany Cleyet-Marrel, Gilles Ebersolt – Über den Wipfeln des Regenwaldes. Ein Expeditionsbericht

Wie kann man die aus Sicht der Wissenschaft interessantes Zone im tropischen Regenwald erforschen, die Baumkronen? Mit dieser Frage hat sich der französische Botaniker Francis Hallé schon längere Zeit befasst und seine Lösung lautet: mit einem Baumfloß. Was genau man sich unter einem Baumfloß vorstellen muss, wie es eingesetzt wird und welche Erlebnisse das Forscherteam während der verschiedenen Einsätze mit ihrer Erfindung schon gesammelt hat, erfährt man in diesem Expeditionsbericht.

Zu Beginn des Buches werden die verschiedenen Mitglieder des Teams um den Biologen Francis Hallé, den Piloten Dany Cleyet-Marrel und den Architekten Gilles Ebersolt sowie das ganze Projekt rings um das Baumfloß auf sehr sympathische und humorvolle Art vorgestellt, so dass ich mich schon auf eine amüsante und aufschlussreiche Lektüre freute.

Doch gleich darauf bekam mein Optimismus den ersten Dämpfer, denn es folgte eine fast 30seitige Abhandlung, warum die Regenwälder geschützt werden müssen. Natürlich ist es wichtig zu erklären, was man mit seiner Forscherarbeit erreichen möchte, aber für meinen Geschmack war dies zu ausführlich und auch die Spritzigkeit des vorherigen Kapitels hat gefehlt. Zudem habe ich mich das ein oder andere mal unangenehm von der Moralkeule getroffen gefühlt, während zwanghaft versucht wurde, die üblichen Vorurteile der bösen Konzerne und der armen Einwohner zu vermeiden, die den Wald nur roden, um überleben zu können – nicht immer mit Erfolg.

Der Wechsel zwischen lockeren und humorvollen Schilderungen des Tagesablaufs im Regenwald sowie den dortigen Erlebnissen und recht drögen und trockenen Passagen zog sich auch durch das restliche Buch. So folgte auf die Nacherzählung verschiedener Episoden des Forscherlebens in Französisch-Guayana vom dem Einsatz des Baumfloßes auf dem Kronendach und dem Sammeln von Pflanzen- und Tierproben bis zur Übernachtung in luftiger Höhe und der Essensverpflegung im Basislager eine viel zu ausführliche und für meine Begriffe zum Verständnis des Buches nicht unbedingt notwendige Erläuterung des Spektrums der Forschungsarbeiten, welches von Aeorologie bis Virologie reicht.

Zwischen durch kamen die Autoren dabei immer wieder auf die Fragen der Finanzierung ihrer Expeditionen zurück, wobei fast durchgängig bemängelt wurde, wie wenig sich der Staat engagierte und welches die namhaften privaten Unternehmen sind, die statt dessen eingesprungen sind. Gab es von diesen Unternehmen extra Zuweisungen, weil ihre Firmennamen in diesem Expeditionsbericht erwähnt wurden?

Beinah während der gesamten Lektüre habe ich mich gefragt, an welchen Adressatenkreis man sich mit diesem Expeditionsbericht eigentlich richten wollte: Für Forscher ist er viel zu populärwissenschaftlich und ohne großen Informationsgehalt. Für den Ottonormal-Leser enthält er zu viele fachspezifische Aspekte, die den Lesefluss des sonst recht amüsanten Berichts über die Arbeit eines Forschers immer wieder hartnäckig unterbrechen. Für Sponsoren taugt er nichts, da ihre Namen nicht auf dem Schutzumschlag stehen. Am ehesten wendet er sich vielleicht noch an halbgebildete Umweltschützer, die sich für den Erhalt des tropischen Regenwaldes einsetzen und sich mehr Hintergrundwissen aneignen wollen. Für mich persönlich kann ich nur das Fazit ziehen: nicht Fleisch noch Fisch!

Für die flüssig zu lesenden Episoden aus dem Expeditionsalltag sowie für die Fotos und Zeichnungen, welche das Buch aufgelockert haben, vergebe ich noch 1,5 von 5 Potondreiecken, aber ansonsten lautet mein Resümee: Thema verfehlt!

Advertisements

Ein Kommentar zu “Francis Hallé, Dany Cleyet-Marrel, Gilles Ebersolt – Über den Wipfeln des Regenwaldes. Ein Expeditionsbericht

  1. Richard Missbach sagt:

    Das Buch zählt zu meinen Lieblingsbüchern, und ich lese es immer wieder gerne. Ich finde das gerade die Abwechslung zwischen den lockeren und lustigen Geschichten vom Forscheralltag und den pseudo-wissenschaftlichen Teilen das Buch interessant machen. Natürlich vertritt das Buch eine klare Meinung zur Abholzung des Regenwaldes etc. aber wie könnte es auch ein Buch von Leuten die genau in diesen Gebieten gearbeitet haben anders tun? Das Buch ist sehr gut für „Ottonormal-Leser“ geeignet, da das wissenschaftliche Niveau nicht zu hoch ist, mir in etlichen Fällen sogar etwas zu primitiv. Das Buch richtet sich ganz klar an alle die sich für den Regenwald und dessen Erforschung sowie Faszination interessieren, aber auch an alle Abenteuer- und Sci-Fi-Liebhaber, die nichts dagegen haben,dass es real ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s