Edgar Wallace – Das Geheimnis der gelben Narzissen

Mr. Tarling, seines Zeichens Detektiv, wird von Mr. Lyne engagiert, um dessen Hauptbuchhalter und rechte Hand der Untreue zu überführen. Doch kurz bevor Mr. Lyne ihn in die Einzelheiten einweihen kann, bekomm der verwöhnte junge Mann einen Korb von einer seiner Angstellte, Odette Rider, was er gar nicht gut aufnimmt. Er entsinnt einen Racheplan, in dem er die von Mr. Milburgh veruntreuten Gelder Mrs. Rider anlasten will. Obwohl der Detektiv dieser Hinterhältigkeit seine Unterstützung verweigert, befindet sich Mrs. Rider bald in allergrößter Gefahr, denn die Leiche ihres Ex-Chefs Mr. Lyne wird in ihrer Wohnung gefunden. Tarling, der zwischenzeitlich sein Herz an die junge Frau verloren hat, versucht daraufhin mit allen Mitteln ihre Unschuld zu beweisen.

Der Einstieg in diesen Krimi war relativ spannend: ein verschmähter Möchtegern Intellektueller versucht sich für die erlittene Demütigung zu rächen, wird aber bald darauf selbst das Opfer eines Verbrechens. Was dann jedoch folgte, war wieder einmal Schema F. Die junge Frau ist selbstverständlich das unschuldige Lämmchen, dass den Schutz des starken Detektivs braucht, den dieser ihr natürlich nur zu gerne angedeihen lässt. Dafür verstößt er sogar gegen alle anerkannten Ermittlungstaktiken, nur um seinem Herzen zu folgen.

Für eine erfrischen Komponente sorgte allerdings die Vergangenheit unseres Helden: er lebte einige Zeit in China und war dort als „Menschenjäger“ berühmt berüchtigt. Offenbar bediente er sich zur Aufklärung seiner dortigen Polizeifälle einiger Methoden, auf die die Definition von Folter zutrifft.

Aus Schanghai hat folgte ihm neben seinem Ruf auch Ling Chu nach London, wo er eine recht undurchsichtige Rolle als Tarlings Helfer und Diener einnimmt. Dabei erfüllt er jedoch das typische Klischee des schweigsamen und untertänigen Asiaten, der für seinen Herrn sorgt. Es wird jedoch bald klar, dass hinter dieser Fassade mehr steckt, ohne dass jedoch die Chance genutzt wird, Ling Chus Charakter besser herauszuarbeiten; er bleibt leider sehr flach und klischeebehaftet.

Wie die titelgebenden gelben Narzissen letztendlich auf die Leiche von Mr. Lyne gelangt sind und wer sie dort abgelegt hat, wird am Ende in typischer Wallace-Manier in einem längeren Monolog aufgeklärt, wobei jedoch kaum Überraschungen auf den Leser warten.

Insgesamt gesehen hätte eine Straffung der Geschehnisse sicherlich nicht geschadet und auch das Augenmerk mehr auf die Mordermittlungen gelenkt, anstatt dass diese immer wieder von den Sorgen und Nöten eines liebestollen Detektivs unterbrochen zu werden. Ich vergebe 3 von 5 Telegrammen.

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