Simon Beckett – Die Chemie des Todes (gelesen von Johannes Steck)

David Hunter, ehemals forensischer Anthropologe und nun Landarzt im verträumten Manham, wird unvermittelt aus dem ruhigen Dorfleben grissen, als eine Frauenleiche gefunden wird. Schnell holt ihn seine Vergangenheit als Koryphäe auf dem Gebiet der Rechtsmedizin ein und die Polizei bittet ihn um Hilfe. Im Dorf hingegen werden jedoch immer mehr Verdächtigungen über den Außenseiter, der erst vor wenigen Jahren hierher zog und über dessen Vergangenheit wenig bekannt ist, geäußert. Als eine zweite Frau verschwindet, spitzt sich die Situation immer weiter zu und Hunter ist gezwungen, sich tiefer in die Ermittlungen verwickeln zu lassen, als ihm lieb ist. Immer wieder muss er dabei den Gedanken an seine Frau und seine Tochter unterdrücken, nach deren Unfalltod er seinen Beruf aufgegeben hatte und sich nach Manham zurückzog.

Der Einstieg in die Geschehnisse war für mich erstmal reichlich unappetitlich: detailliert wird beschrieben, welche Verwesungsprozesse in einem Leichnam ablaufen und welche Rolle die insektoide Tierwelt dabei spielt. Da ich in einer Mittagspause mit dem Hörbuch begonnen hatte, war ich schon versucht, es abzubrechen. Ich habe mich jedoch überwunden und weitergehört, was ich nicht bereut habe.

Der Ich-Erzähler David Hunter machte einen sehr sympathischen Eindruck von einem Mann, der im Leben steht und sich mit seiner Situation arrangiert hat. Doch nachdem die erste Leiche gefunden wurde und sich die Spirale aus Angst und Gewalt begonnen hat zu drehen, erfährt man nach und nach mehr über seine Vergangenheit und was ihn bewogen hat, sich nach Manham zurückzuziehen. Zwar finde ich den Teil mit seiner verunglückten Frau und Tochter reichlich abgegriffen, jedoch verschonte uns Beckett mit einem zerbrochenem Mann, der jeglichen Geschmack am Leben verloren hat. Im Gegenteil: Hunter lernt die Lehrerin Jenny kennen und später muss er sich eingestehen, dass er sie auch lieben gelernt hat.

Über die Identität des Täters war ich mir bis kurz vor Schluss nicht im Klaren. Zwar hatte ich hin und wieder eine Person aus dem Repertoire des Dorflebens im Verdacht, doch lag ich leider meist daneben. Lediglich bei einer bestätigte sich mein ungutes Gefühl, jedoch auch nicht in der Art, wie ich erwartet hatte. In der Hinsicht hat mich die Auflösung der Geschehnisse überrascht, allerdings waren mir einige Erklärungen zu weit hergeholt.

Ich bezweifel jedoch, dass dies daran liegt, dass das Hörbuch eine gekürzte Lesung ist. Während der übrigen Zeit kam mir die Handlung rund vor und mir sind keine Sprünge oder Brüche aufgefallen. Im Gegenteil, die Spannung wurde kontinuierlich erhöht, so dass ich die letzten 1 ½ CDs am Stück hören musste. Dazu hat auch der gekonnte Vortrag des Sprechers Johannes Steck beigetragen, der durch eine leichte Modulation seiner Stimme verschiedenste Emotionen ausdrücken konnte.

Der Thriller an sich ist sicherlich keine Neuerfindung des Rads, aber er ist äußerst solides Handwerk und hat mir spannende Stunden bereitet. Das Hörbuch ist zudem von sehr guter Qualität, so dass ich in der Summe 4 von 5 Dinkys vergebe.

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