Frühling, ja du bists! Geschichten und Gedichte

Passend zur Jahreszeit und zum Oster-/Frühlingslesewochenende auf Literaturschock habe ich diese Anthologie aus der Fischer Klassik Reihe gelesen. Doch leider konnte sie mich nicht wirklich begeistern.

Während der Untertitel „Geschichten und Gedichte“ eine relativ ausgewogene Mischung aus beidem suggeriert, vielleicht sogar mit einem leichten Überhang der Geschichten, besteht das Buch zu schätzungsweise ¾ oder sogar noch mehr aus Gedichten. Okay, würde mich auch nicht so sehr stören, wenn sie denn zum Thema passen würden. Obwohl ich sicherlich nicht behaupten möchte, dass ich ein besonders ausgeprägtes Literaturverständnis hätte, waren mir doch zu viele Gedichte dabei, die für mich überhaupt keinen Bezug zum Thema Frühling hatten. Ein Beispiel für mein Unverständnis wäre Detlev von Liliencron mit „Schwalbensiziliane“ oder Getrud Kolmar mit „Eine Mutter“. Es gehört für mich mehr dazu, Frühlingsgefühle zu wecken, als nur einmal die bloße Erwähnung von blühenden Blumen in einem sonst völlig frühlingslosen Gedicht.

Ich möchte nicht verschweigen, dass es auch viele meiner Meinung nach passende Gedichte gab, z.B. den unvermeidlichen Osterspaziergang von Goethe oder Eduard Mörikes „Frühling lässt sein blaues Band“. Doch leider wurde deren frohe Stimmung getrübt durch immer wieder vorkommende unpassende Gedichte.

Auch die Sache mit den Geschichten ist etwas, was mir nicht gefiel. Abgesehen davon, dass es ruhig ein paar mehr hätten sein dürfen, waren die wenigsten „echte“ Geschichten. Neben zahlreichen Auszügen aus Romanen kam auch eine Lobrede auf den Künstler Heinrich Vogeler in der Anthologie vor. Zwar mag er sehr schöne Bilder erschaffen haben, die dem Betrachter einen Hauch von Frühling nahe bringen, doch hat deswegen eine Lobrede auf seine Zeichenkünste noch lange nichts in solch einem Buch zu suchen – ebenso wenig wie die meisten der „Geschichten“. Der Auszug aus Manns „Zauberberg“, in dem die Zeit der Schneeschmelze und das Erwachen der Natur beschrieben wird, gefiel mir sehr gut, doch konnte ich beispielsweise überhaupt nicht nachvollziehen, was „Seiltänzer“ von Max Frisch an Frühlingsbezügen aufweist.

Insgesamt war dieses Buch für mich eine Enttäuschung, über die einige schöne Beiträge nicht hinweg helfen können. Mehr als 2 von 5 Kirschblüten gibt es von mir nicht.

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