Banana Yoshimoto – Kitchen

„Kitchen“ ist sowohl der Titel des Buches als auch der ersten der insgesamt drei darin enthaltenen Erzählungen. Ich-Erzählerin der ersten Geschichte ist die junge Studentin Mikage, die durch den Tod ihrer Großmutter, ihrer letzten noch verbliebenen Verwandte, vollkommen aus der Bahn geworfen wurde. Antriebslos liegt sie in der Küche, dem einzigen Raum, in dem sie sich noch wohl fühlt. Erst Yūichi und seine Mutter Eriko, die sie einladen für einige Zeit bei ihnen zu wohnen, können sie aus ihrer Apathie befreien und ihr zeigen, dass das Leben weiter geht.

Die zweite Erzählung, „Vollmond (Kitchen 2)“, ist, wie unschwer zu erkennen ist, eine Fortsetzung der Titelstory „Kitchen“. Während Mikage als Assistentin der Chefin eines Kochstudios ihre Liebe zur Küche auch als Broterwerb ausüben kann, wird diesmal Yūichi durch die Ermordung seiner Mutter Mikage aus der Bahn geworfen. Die Verhältnisse aus der ersten Erzählungen kehren sich nun teilweise um, da es nun an Mikage ist, als seelische Stütze für Yūichi da zu sein. Doch ist dies für sie beide nicht so einfach, da sie füreinander mehr empfinden, als sie bereit sind zuzugeben. Erst als sich Mikage ein Herz fasst und offen mit Yūichi spricht, scheint sich alles zum Guten zu wenden.

„Moonlight Shadow“, Yoshimotos Debüt als Schriftstellerin, bildet schließlich die dritte Erzählung im vorliegenden Buch. Auch hier ist das Thema wieder der Verlust eines geliebten Menschen und die Verarbeitung der Tragödie. Doch während sich Mikage und Yūichi gegenseitig als Stützen hatten, steht Satsuki, die Ich-Erzählerin, diesmal beinah allein da. Zwar hat sie Kontakt mit dem jüngeren Bruder ihrer großen Liebe Hitoshi, doch dieser kämpft selbst mit der Trauer um seine Freundin, die gemeinsam mit Hitoshi bei einem Verkehrsunfall starb. Beide Zurückgebliebene entwickeln ihre eigenen Rituale, um nicht an der Banalität des Lebens zu zerbrechen. Bei ihrer morgendlichen Joggingrunde trifft Satsuki auf die mysteriöse Urara, die ihr erzählt, dass es bald an dieser Stelle zu einem geheimnisvollen Phänomen kommt, welches nur aller 100 Jahre zu beobachten ist. Während Satsuki sich von Urara angezogen fühlt, ohne es sich erklären zu können, vergehen die Tage und dann ist es soweit und sowohl Satsuki als auch Hiiragi, Hitoshis Bruder, und Urara haben die Gelegenheit, mit den düsteren Kapiteln ihrer Vergangenheit abzuschließen und neuen Mut für die Zukunft zu fassen.

Aufgrund der allen drei Erzählungen zugrunde liegenden Thematik von Verlust und Trauer ist die Stimmung durchweg sehr traurig, melancholisch – und doch schimmert immer wieder ein Hauch von Hoffnung durch, so dass man nie an der Welt verzweifelt. Diese gelungene Atmosphäre gefiel mir sehr gut und aufgrund der Innenansicht der Protagonistinnen und der Schilderungen ihrer Gedanken und Gefühle, konnte ich mich gut in die weiblichen Ich-Erzähler hineinversetzen. Auch die mystische Komponente in der dritten Erzählung war behutsam in die Geschichte integriert und wirkte auf mich nicht aufgesetzt.

Einige Sätze und Ausdrücke empfand ich zwar noch als etwas holprig, doch weiß ich nicht, ob dies der Autorin oder der Übersetzung anzukreiden ist. Da jedoch an vielen anderen Stellen durchblitzte, wie gut Yoshimoto mit Sprache umzugehen weiß, beispielsweise die etwas wirren Sprünge zu Beginn von „Kitchen“, die anschaulich gemacht haben, wie verwirrt und verloren Mikage sich fühlen musste, werde ich definitiv noch mehr von der japanischen Erfolgsautorin lesen.

Abgerundet wurde das Buch durch ein Nachwort der Autorin, ein Glossar sowie einen Aufsatz von Giorgio Amitrano über „Das Phänomen Banana Yoshimoto“.

Ich vergebe 3,5 von 5 Thermosflaschen und bin am Überlegen, welches Buch von ihr als nächstes den Weg zu mir finden wird.

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