Farley Mowat – Verlorene Wege. Das Schicksal einer Inuit-Familie

Mowat beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit dem Schicksal der Inuit und ihrem Kampf um ihre Identität. Sein erstes Buch über dieses Volk erschien 1952 unter dem Titel „People of the Deer“, acht Jahre später folgte „The Desperate People“. Mit seinem schonungslosen Anprangern der Vorgehensweise der zuständigen Behörden, die zwar nicht absichtlich, aber auf jeden Fall fahrlässig zu einer Art Genozid unter den Inuit geführt haben, hat er sich zahlreiche Feinde gemacht.

Im Sommer 1999 erhält er überraschenden Besuch: Elisapee, die Tochter Kikis aus dem Stamm der Ihalmiut bittet ihn, ihr bei der Suche nach den letzten Überlebenden ihres Volkes zu helfen. Nach anfänglichem Zögern erklärt er sich bereit in der Hoffnung, der Welt erneut vor Augen zu führen, was in den Barren Lands geschehen ist.

Die Geschehnisse in diesem Buch sind teilweise Nacherzählungen und Zusammenfassungen von „People of the Deer“ und „The Desperate People“, zum Teil aber auch Berichte über bisher nicht bekannte Ereignisse. Genau in diesem Aufbau liegt mein Hauptproblem mit dem Buch: Ich hab schon nach wenigen Seiten den Überblick darüber verloren, in welchem Jahr sich Mowat mit seinen Schilderungen befindet. Mal erzählt er von seiner Reise in der Gegenwart, dann springt er wieder zurück in die 50er oder sogar 40er Jahre. Nie wusste ich genau, ob die Ihalmiut, von denen er gerade spricht, noch leben oder ob er in Erinnerungen schwelgt. Auch kam ich mit den ungewohnten Namen der Inuit durcheinander und ihren verzweigten Verwandtschaftsbeziehungen. Ein Glossar mit Erläuterungen zu den wichtigsten Begriffen wäre ebenfalls sehr hilfreich gewesen. Zwar hat Mowat beim ersten Auftauchen eines Inuit-Begriffs diesen kurz erläutert, doch danach nur noch den Begriff verwendet. Da ich nicht ständig zurückblättern und nach der Erklärung suchen wollte, blieb mir nichts anders übrig als darüber hinweg zu lesen. Das einzige Hilfsmittel war eine Karte des nördlichen Amerikas, anhand derer ich die Reiseroute Mowats im Jahr 2000 nachvollziehen konnte. Das half jedoch nicht sonderlich viel weiter angesichts meiner zahlreichen anderen Orientierungs- und Verständnisschwierigkeiten.

Ohne Zweifel ist das Anliegen Mowats, das Schicksal der Ihalmiut und anderer Inuit-Stämme den Menschen gegenwärtig zu machen und es nicht dem Vergessen anheim fallen zu lassen, lobenswert, doch hat er sich mit diesem Buch keinen Gefallen getan. Ein chronologischer Bericht mit ausführlicherem Anhang würde es dem Leser auf alle Fälle erleichtern, die Zusammenhänge besser zu verstehen und eine Wiederholung solch einer Tragödie zu verhindern. So jedoch gingen viele Schilderungen einfach an mir vorbei, da ich gerade wieder einmal am Grübeln war, in welche Zeit ich sie einordnen sollte und im Endeffekt blieb ich reichlich ratlos zurück. Daher gibt es von mir nur 1,5 von 5 Tuktu.

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