Stephen King (als Richard Bachmann) – Todesmarsch

Jedes Jahr am 1. Mai starten 100 jugendliche Amerikaner im Bundesstaat Maine zum Langen Marsch. Die Spielregeln sind simpel: komme niemals unter eine gewisse Marschgeschwindigkeit. Falls du doch zu langsam wirst, wirst du verwarnt. Nach der dritten Verwarnung wirst du erschossen. Der letzte Überlebende ist der Sieger und erhält alles, was er sich wünscht.

Dieses Jahr ist Garrety, Nummer 47, einer der Teilnehmer des Langen Marschs. Gemeinsam mit 99 anderen Jugendlichen wurde er auserwählt. Warum er sich eigentlich beworben hatte, ist ihm selbst nicht klar. Im Laufe der Stunden und Tage, die vergehen, während das Feld immer weiter zusammen schrumpft, erkennt er, dass er eine gewisse Todessehnsucht hegt. Auf der anderen Seite hält klammert er sich aber auch ans Leben, da er seine Freundin und seine Mutter wieder sehen will. Hin- und hergerissen zwischen Aufgeben und Durchhalten marschiert er dahin, kämpft gegen Blasen an den Füßen, Muskelkrämpfen und die Müdigkeit.

Einige Teilnehmer des Feldes schließen sich zu losen Gruppen zusammen und es entwickeln sich sogar freundschaftliche Bande, aber immer unter der Gewissheit, dass nur ein Einziger von ihnen überleben wird. Unter der Prämisse ist es sehr ergreifend zu lesen, wie sich zu fortgerückter Stunde die Überlebenden zusammenschließen und vereinbaren, dass wer auch immer von ihnen gewinnt, für die Familie des einzig Verheirateten tun wird, was in seiner Macht steht. Solchen Beweisen von Mitgefühl steht aber auch immer wieder der Überlebenswillen der Geher entgegen, von denen einer sich sogar hämisch freut, wenn es wieder einen Konkurrenten weniger gibt.

Obwohl es aufgrund der personalen Erzählperspektive aus Garretys Sicht keine vorurteilsfreie Wahrnehmung der Personen gibt, wird geschickt eine Schwarz-Weiß-Zeichnung vermieden. Sogar das anfängliche Ekelpaket, genannt „Killer“, erhält im Laufe des Marschs eine differenziertere Figurenzeichnung und am Ende des Buches empfand ich für alle Teilnehmer (auch für die, die kaum bis gar nicht erwähnt wurden) Mitleid, da sie ihr Leben für nichts und wieder nichts weggeworfen haben.

Warum es überhaupt den Marsch gibt, wer die Spielregeln aufgestellt hat und warum die Soldaten, die den Marsch begleiten und Regelverstöße ahnden, dazu die Berechtigung haben und sogar die Bevölkerung als Zuschauer auftritt, gierig darauf einen Jungen aus ihrer Mitte sterben zu sehen, darauf gibt es keine eindeutigen Antworten. Es wird lediglich angedeutet, dass die Armee das Land regiert und jegliche Opposition unterdrückt wird, doch wie es überhaupt dazu kommen konnte, bleibt offen. Obwohl ich mir gern mehr Informationen über den Langen Marsch gewünscht hätte, bleibt King der Erzählperspektive treu und statt deplatziert wirkende Monologe über die Situation des Landes einzuflechten lässt er den Leser an den Kämpfen teilhaben, die Garrety mit seinem Geist und seinem Körper ausfechten muss. Je länger der Marsch andauert, desto erschöpfter sind die Geher und dementsprechend verwirrter wird auch der Erzählstil, da sich Garrety immer mehr in sich selbst zurückzieht und die Außenwelt nur noch dumpf wahrnimmt.

Obwohl ich schon einige King-Romane gelesen habe, besticht dieser doch nicht durch blutigen oder schleichenden Horror, sondern er spielt mit der Schaulust der Leser. Zwar war ich einerseits von der Idee des Langen Marschs abgestoßen, aber dennoch konnte ich nicht aufhören zu lesen, da ich wissen wollte, wen es als nächstes erwischen würde und wer schließlich als Sieger daraus hervorgehen würde. Ich vergebe 4 von 5 Marmeladenbrote, lediglich vom Ende war ich geringfügig enttäuscht, da es in einer Dimension sehr vorhersehbar war.

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