Die Leipziger Buchmesse am 15.03.2009

Leipziger Buchmesse 2009

Nach einer meiner Meinung nach etwas zu kurz geratenen Nacht, an derem Ende ich von den lauten Geräuschen des auf dem nahe liegenden Sportplatz landenden Rettungshubschraubers geweckt wurde, und einem stärkenden Frühstück, bestiegen wir erneut die Tram in Richtung Messegelände. Anders als am Vortag, an dem uns mein Dad bis fast vor die Eingangshalle chauffiert hatte, durften wir diesmal schon auf der Hinfahrt Gruppenkuscheln im Straßenbahnwaggon zelebrieren.

Wochenend-Ausbeute

Messe-Ausbeute

Da wir am Vortag nur zwischen den von uns besuchten Lesungen Zeit hatten, durch die Hallen zu schlendern und an Ständen zu schauen, hatten wir uns für Sonntag wohlweislich weniger vorgenommen. So konnten wir dann auch erstmal ganz gemütlich unseren zweiten Gang über die Messe beginnen. Ganz im Mittelpunkt stand für uns Halle 4, in der neben den internationalen Verlagen vor allem beinah sämtliche großen Belletristik-Verlage ihre Stände hatten: Piper, Luebbe, Fischer, Suhrkamp, Rowohlt, Kiepenheuer & Witsch, die Random House-Gruppe und noch viele mehr. Gleich zu Beginn hatten wir uns mit Plastiktüten vom Piper Fantasy-Stand versorgt, die nun fleißig mit Vorschauen und Prospekten von allem gefüllt wurden, was interessant klang und das wir nicht aus den Augen verlieren wollten.

Ruth Nestvold liest aus "Flamme und Harfe"

Ruth Nestvold liest aus "Flamme und Harfe"

Die erste Unterbrechung unseres Hamsterzugs begann 11:30 Uhr, als Ruth Nestvold auf der Fantasy-Leseinsel aus ihrem Roman „Flamme und Harfe“ las. Zu Beginn erklärte sie, dass dieses Buch eine Nacherzählung der Tragödie um Tristan und Isolde darstellt, in der jedoch die Geschehnisse aus weiblicher Sicht gezeigt werden. In der anschließend gelesenen Szene kommt Yseult dahinter, dass der junge Tandrys keineswegs ein Barde ist, sondern Drystan, der Mörder ihres geliebten Onkels. So bewegende, wie Ruth Nestvold die Gedankengänge von Yseult vor dem Leser wiedergibt, kann man beinah ihren Schmerz fühlen, als sie mit sich ringt und versucht ist, Drystan wegen seines Verbrechens zu töten. Obwohl mein SUB weiß Gott hoch genug ist, werde ich mir, wann auch immer das Buch den Weg zu mir findet (@Grotesque: 😉 ), mir die Zeit dafür nehmen. Nach dem Nestvold ihren Vortrag beendet hatte, gewährte der Lektor aus dem Penhaligon-Verlag noch einen kurzen Blick auf die Geschichte, wie sein Verlag zu dem Buch kam. Anschließend erklärte sich die Autorin nur allzu gern bereit, sämtliche Autogrammwünsche der Anwesenden zu erfüllen. Bei den kurzen Gesprächen, die sich dabei ergaben, merkte man genauso wenig wie zuvor bei der Lesung, dass sie eigentlich Amerikanerin ist und Deutsch nicht ihre Muttersprache.

Daniela Knor liest aus 'Sternenwächter'

Daniela Knor liest aus "Sternenwächter"

Da es bereits auf halb 1 Uhr zuging und bald darauf die nächste (und unsere letzte) Lesung anstand, stürzten wir uns ähnlich wie am Vortag wieder in den Kampf um etwas Essbares und einen Sitzplatz für die Dauer des Verzehrs. Gestärkt erhoben wir uns bald darauf wieder und kehrten zur Fantasy-Leseinsel zurück, wo Daniela Knor mit „Nachtreiter“ angekündigt war. Doch mussten wir zu unserem Leidwesen erfahren, dass man viel ankündigen kann, wenn der Tag lang ist. Statt aus „Nachtreiter“ las die Autorin aus dessen Nachfolger „Sternenwächter“. Ohne eine Zusammenfassung der Geschehnisse im ersten Band oder auch nur einer kurzen Vorstellung der auftretenden Charaktere fühlten wir uns ins kalte Wasser geworfen. Die zudem sehr eintönige Vortragsweise von Daniela Knor trug nicht zu unserem Wohlbefinden bei, so dass wir uns nach einigen Minuten verabschiedeten. Die Buchmesse ist zu groß und die Zeit zu knapp, um sie dort weiter zu verschwenden.

Neben diversen Ausflügen in Halle 4, u.a. an den chinesischen Stand, dem Gastland der Frankfurter Buchmesse im Herbst, zog es uns nochmals durch die anderen Hallen, um ja möglichst viele Eindrücke mitzunehmen. So schlichen wir an der Antiquariatsmeile entlang, stöberten noch mal im Sachbuch-Bereich, entspannten kurz im Hörbuch-Forum, um letzen Endes in der Messebuchhandlung zu landen. Stark wie wir beide nun mal sind, gingen wir auch tapfer, aber nicht ohne Bedauern ohne Buch wieder hinaus.

Als ab 15:00 Uhr dann offiziell auch an den Ständen verkauft werden durfte, brach bei Jokers eine mittelschwere Hysterie aus, da der Preis der ohnehin schon reduzierten Exemplare nochmals um 50% gesenkt wurde. Verächtlich blickte meine Cousine der Gefahr ins Gesicht und erkämpfte sich einen Band mit den Erzählungen von Franz Kafka, während ich mit bangem Herzen am Rand der Menschenmenge auf ihre Rückkehr wartete. Okay, das klingt leicht übertrieben, aber selten habe ich so rücksichtslose und gierige Massen erlebt.

Unsere Zeit auf der Messe neigte sich dann auch langsam dem Ende entgegen, so dass wir schweren Herzens (und mit schweren Beuteln voller Prospekte) den heiligen Bücherhallen den Rücken kehrten und uns auf den Heimweg begaben. Das Warten auf die nächste Buchmesse wird diesmal jedoch nicht allzu lange auf sich warten lassen, denn wir beabsichtigen, die langen Monate bis zum 18. März durch den Besuch der Frankfurter Buchmesse zu verkürzen. Mal sehen, ob die Planung aufgeht.

Auf Wiedersehen bis 2010

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2 Kommentare zu “Die Leipziger Buchmesse am 15.03.2009

  1. Grotesque sagt:

    „Verächtlich blickte meine Cousine der Gefahr ins Gesicht und erkämpfte sich einen Band mit den Erzählungen von Franz Kafka, während ich mit bangem Herzen am Rand der Menschenmenge auf ihre Rückkehr wartete.“

    Oh, ich musste gerade soo lachen. xD Die Zustände hatten schon etwas von einer Art Massenpanik o.O Für nächstes Jahr muss ich mir aber eine bessere Strategie als „Meine-übergewichtige-Prospektetasche-kiiiippt-gleich-um-wer-mich-am-Tisch-aufspießt-bekommt-die-Ladung-ab“ überlegen. *g*

    „…etwas zu kurz geratenen Nacht, an derem Ende ich von den lauten Geräuschen des auf dem nahe liegenden Sportplatz landenden Rettungshubschraubers geweckt wurde…“
    Welcher Hubschrauber? o_0 Also ich hab ja geschlafen. 🙂
    Hach, lagen die ganzen Prospekte Sonntag früh nicht noch ordentlich gestapelt da? Oder war das eine Anwandlung, nachdem dich der Hubschrauber geweckt hat?

    „Flamme und Harfe“ musst du dir aber persönlich abholen, dann kannst du gleich mein altes neues Zimmer beschnorcheln. 😀 Wobei ich von 41,5 SuB-Zentimetern vorher noch einiges abarbeiten muss.
    Noch etwas nicht-Bücherhaftes: Seit heute früh ist das zweite Lamm bei uns geboren. 🙂 Das erste vor zwei Tagen. Die sind so knuffig. ^^

  2. Myriel sagt:

    Nee, für das Prospektechaos war nicht der Hubschrauber verantwortlich. Die hab ich nur mal so aufm Bett verteilt, damit man die Menge schöner überblicken kann. Mittlerweile sind sie wieder fein säuberlich aufgestapelt.

    Persönliche Abholung und Rückgabe wird natürlich selbstverfreilich übernommen, besonders bei diesem Buch. Bin schon sehr gespannt drauf.

    Die ersten Lämmchen, wie toll. Ich kann mich nur über einen neuen Wurf Fruchtfliegen freuen. *seufz*

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