Die Leipziger Buchmesse am 14.03.2009

Leipziger Buchmesse 2009

Bereits kurz nachdem das Programm der Leipziger Buchmesse im Internet veröffentlicht wurde, habe ich gemeinsam mit meiner Cousine stundenlang in den Veranstaltungen gestöbert und eine Liste mit interessanten Lesungen zusammengestellt. Dementsprechend bewaffnet trafen wir am Samstag kurz vor der Öffnung der Messehallen auf dem Neuen Messegelände ein. Den zahlreichen Besucherströmen folgend gelangten wir zuerst in Halle 2, wo neben Schulbuchverlagen die Comic- und Fantasystände angesiedelt waren, die den meiner Meinung nach größten Besucheransturm verzeichneten und in der es vor schrill kostümierten Cosplayern nur so wimmelte. Viel Zeit zum Umschauen blieb uns nicht, denn bereits 10.30 Uhr stand die Lesung von Markus Heitz aus seinem aktuellen Bestseller „Blutportale“ an, die wir uns nicht entgehen lassen wollten.

Markus Heitz liest aus "Blutportale"

Markus Heitz liest aus "Blutportale"

Als wir kurz vor Beginn der Lesung an der Fantasy-Leseinsel eintrafen, hatte sich bereits eine ansehnliche Menge eingefunden, so dass wir uns mit einem Stehplatz in der hinteren Reihe begnügen mussten. Dennoch konnte man den Autor gut verstehen, als er von den Erlebnissen der jungen Saskia berichtet, die nach einer Party in einem Haus voller verstümmelten Leichen erwacht und versucht, in dieser Umgebung des Grauens nicht den Verstand zu verlieren. Auf ihrem zögerlichen Erkundungsgang durch die blutbesudelte Villa kommt sie dann auch in einem Raum, der von einem großen Portal beherrscht wird – eines der titelgebenden Blutportale! Schon anhand der vorgetragenen Szene wird deutlich, dass Heitz in diesem Roman nicht mit Blut und Innereien geizt und der Leser sich dementsprechend wohl auf Splatter einstellen sollte. Zart besaiteten Gemütern sei von diesem Roman abgeraten.

Nachdem unsere Wunschliste einvernehmlich um die „Blutportale“ angewachsen war, stand etwas Zeit zur Verfügung, die Messehallen zu erkunden. Nachdem wir einigen Fantasyverlagen bzw. den Fantasy-Abteilungen von Großverlagen einen Besuch abgestattet hatten, zog es uns in Halle 3. Dort dominierte in der Mitte das Hörbuchforum, an den äußeren Bereichen waren neben der 15. Leipziger Antiquariatsmesse der Bereich „Buch+Art – Kunst rund um das Buch“ sowie Fach- und Sachbuchverlage zu finden. Da keine von uns beiden auf der Jagd nach einem vergriffenen Buch war, statteten wir der Antiquariatsmeile nur einen kurzen Besuch ab, wo ich den Anblick von Regalen voller ledergebundener Bücher in mich aufsog. * gestrichen, weil erst Sonntag gewesen … ja, ich werd wirklich nicht jünger ^^ * Viel schwerer fiel es mir, mich von den wunderschönen Sachbüchern loszureisen, von denen insbesondere die Bildbände über die Länder der Erde meine Reiselust weckten.

Die zentrale Glashalle

Die zentrale Glashalle

Von den bisherigen Erkundungen hungrig geworden, begann der Kampf um einen Platz in den wie üblich beinah hoffnungslos überfüllten „Restaurants“. Mit viel Glück und gutem Timing konnten wir uns jedoch zwei Sitzplätze sichern und eine kurze Verschnaufpause einlegen. Anschließend ging es zurück in Halle 3 zum Stand der ZEIT: Günther Grass liest aus „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland“. Doch kaum dort angekommen, machte sich eine herbe Enttäuschung breit. Eine große Menschenmenge umzingelte bereits den viel zu kleinen Stand und die ohnehin schlechte Sicht zwischen den Schultern der Vordermänner wurde weiter durch absolut ungünstig platzierte Plakate zunichte gemacht. Auch nicht der Vortrag von Günther Grass konnte darüber hinwegtrösten, denn ebenso wenig wie man ihn zu Gesicht bekam, ebenso wenig hörte man ihn sprechen. Entschlossen, unsere Zeit nicht weiter hier zu verschwenden, verbrachten wir mindestens 10 Minuten damit, uns aus der Ansammlung zu lösen und in einem der stockenden Menschenströme zum nächsten freien Gang zu gelangen. Durchatmen!

Ju Honisch liest aus "Salzträume"

Ju Honisch liest aus "Salzträume"

Wieder zu Atem gelangt, gingen wir durch die zentrale Glashalle wieder in Halle 2 zur Fantasy-Leseinsel: Ju Honisch las aus „Salzträume“. Da das im Vorjahr vorgestellte, lose mit „Salzträume“ verbundene „Obsidianherz“ mir mit seiner viktorianischen Atmosphäre sehr gut gefallen hat, stand es fest, dass wir dieses Jahr wieder dem kraftvollen Vortrag von Ju Honisch lauschen und erneut in das Parallelwelt-Europa eintauchen würden, in dem solch mysteriöse Wesen wie Vampire wirklich existierten. Diese im verborgenen lebenden Fey sind jedoch in Gefahr, wie Charlotte von Sandling feststellen muss, als ihr beinah Verlobter einen dieser Fey in ihrem Schloss niederschießt und in einen Käfig sperrt um ihn später für Experimente benutzen zu können. Obwohl sie in der gelesenen Szene nicht auftauchten, sollen auch zahlreiche Personen aus „Obsidianherz“ wieder eine Rolle spielen – jedoch steht laut Aussage der Autorin die junge Charlotte im Mittelpunkt der sich vor dem Leser entfaltenden Abenteuer. Ohne Zweifel wird auch dieser Roman den Weg in mein Regal finden, sobald er erschienen ist. Einen genauen Termin gibt es dafür zu meinem Leidwesen jedoch noch nicht.

Die Uhr schlug bereits halb Vier, als wir uns zum wiederholten Male ins Getümmel stürzten. Ziel war diesmal die Halle 5 mit einigen Belletristik-Verlagen, den für uns als Leser eher uninteressanten Dienstleistungsanbietern rund um Buchhandel & Verlage sowie den Ständen zum Thema Kunstbuch. Kreuz und quer wanderten wir etwas umher und wann immer uns ein tolles Cover oder ein auffälliger Buchtitel auffiel, der es Wert war, im Gedächtnis zu bleiben, wanderte (falls vorhanden) das Verlagsprogramm in unsere Taschen und Beutel, um zu Hause in aller Ruhe genauer unter die Lupe genommen zu werden.

Die Buchmesse auf einen Blick

Die Buchmesse auf einen Blick

Verhältnismäßig kurze Zeit später unternahmen wir noch einen kurzen Abstecher in Halle 4, wo sich die Stände der meisten großen Belletristik-Verlage wie beispielsweise Lübbe, Heyne, Suhrkamp, Rowohlt, Fischer und dtv befanden. Angesichts der Fülle der ausgestellten Bücher und der schier erschlagenden Menge an Informationen waren wir beide froh, dass uns noch der Sonntag zur Verfügung stand, um diesen Bereich der Messe genauer zu erkunden.

In der Tram

In der Tram

Mit diesem Wissen im Hinterkopf begaben wir uns mit der Tram, in der Dank der zahlreichen Messebesucher eine kuschelige Atmosphäre herrschte,  zum Hauptbahnhof, wo wir uns erstmal mit einem Kaffee stärkten, bevor es nach Hause ging, um unsere Ausbeute des heutigen Tages abzulegen und kurz zu verschnaufen, bevor es dann auf den Friedhof Leipzig-Plagwitz zur Gothic-Lesung im Kerzenschein ging. Doch dazu morgen mehr.

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3 Kommentare zu “Die Leipziger Buchmesse am 14.03.2009

  1. Grotesque sagt:

    Wenn ich hier noch einmal lese, wo wir überall gewesen sind, fangen meine Füße wieder an zu schmerzen… *g*
    Die Antiquariatsmeile hatten wir uns allerdings erst am Sonntag angeschaut – wirst du etwa alt?

    Ich wünschte, die Autoren würden ihre Lesungen öfter wie Ju Honisch halten, ausdrucksstark und betont. Wie in einem Hörspiel. 😉 Schade, dass die Buchmesse nun schon wieder vorbei ist.

  2. Myriel sagt:

    Alt werden? Ich bin alt! Was meinst Du denn, warum meine neue Wohnung eine Etage tiefer liegt? *gg*

    Ja, Ju Honischs Lesungen empfinde ich schon als etwas Besonderes. Ganz anders als beispielsweise Daniela Knor am Sonntag. Da bin ich ständig mit den Gedanken abgeschweift, weil es einfach so eintönig war.

  3. Grotesque sagt:

    Eine Etage tiefer? Wirklich? Siehst du, ich kriege so etwas gar nicht mit… ^^

    Daniela Knor hatten wir ja nach 5 Minuten auch schon wieder verlassen. Als die ganzen Zusammenhänge mit dem 1. Band deutlich wurden, habe ich abgeschalten. Wer weiß, vielleicht wäre der 1. Band ganz interessant… Wir wissen es nun nicht.

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