Fantasy-Abend im Leipziger Hauptbahnhof

Wie ich bereits verkündet habe, steht mir dieses Jahr nichts im Wege, um auch das Rahmenprogramm der Leipziger Buchmesse auszukosten, und so entschloss ich mich, den gestrigen Abend in der Buchhandlung Ludwig im Leipziger Hauptbahnhof zu verbringen. Zu der dort stattfindenden Veranstaltung mit der Beschreibung „Deutschlands Top-Fantasy-Autoren erzählen von Elfen, Drachen, Piraten und Werwölfen“ fanden sich die vier Schriftsteller Boris Koch, André Wiesler, Christoph Hardebusch und Bernhard Hennen ein. Jeder dieser bekannten deutschen Fantasyautoren stellte kurz eines seiner Bücher vor, um anschließend eine oder zwei Passagen daraus vorzulesen.

Boris Koch

Boris Koch

Den Auftakt machte Boris Koch mit dem bei Heyne erschienen „Drachenflüsterer“, in dem der junge Ben, nach dem Tod seiner Mutter ein Außenseiter in seiner Stadt, davon träumt, in den Drachenritter-Orden aufgenommen zu werden, um gemeinsam mit einer mutigen Jungfrau (denn die braucht es, um einen Drachen anzulocken, schließlich sind sie deren Lieblingsspeise) die Drachen von ihren verfluchten Flügeln zu befreien und damit aus den gefährlichen Bestien eher harmlose Tiere zu formen. Ob ihm jedoch die Aufnahme in den Orden überhaupt gelingt oder was für andere Überraschungen auf ihn warten, das hat der Autor natürlich nicht verraten.

André Wiesler

André Wiesler

Boris Koch folgte André Wiesler auf die kleine Bühne nach, um dort den dritten Teil seiner „Hagen von Stein“-Chroniken zu präsentieren. Nachdem er in wenigen Worten das Grundgebäude seiner Welt geschildert hat, in der es von Gegensätzen nur so wimmelt, entführte er die Zuhörer sowohl in die Vergangenheitsebene als auch die Gegenwart seines Romans, in dem Werwölfe, Hexen und Vampire eine Rolle spielen. Diese sind jedoch nicht immer nur der ultimative Feind der Menschheit, sondern je nach Gesinnung werden gute und böse Werwölfe, Hexen und Vampire unterschieden, denn entweder den Menschen zu helfen versuchen oder ihnen Schaden zufügen wollen. Die beiden vorgetragenen Textstellen stellten ebenfalls einen Gegensatz dar. Während in der ersteren die Gefühle eines werdenden Vaters im Mittelpunkt standen und seine Sorge um den zukünftigen Stammhalter, trat bei der Flucht vor einem Vampir der sehr schlagfertiger Humor des Protagonisten zu Tage, der im Publikum für Gelächter sorgte.

Christoph Hardebusch

Christoph Hardebusch

Der Dritte im Bund, Christoph Hardebusch, hat mit „Sturmwelten – Unter Schwarzen Segeln“ ebenfalls einen Folgeband vorgestellt. Im Gegensatz zu seinem vorherigen Erfolg „Die Trolle“, hat er in den Sturmwelten ein Inselreich zur Kulisse gemacht, vor der diverse Fraktionen aus unterschiedlichen Gründen Jagd auf ein legendäres Kolonialschiff mit magischer Fracht machen. Wie bereits bei den Trollen, welche ich bereits gelesen habe, war auch die ausgewählte Textstelle von einem etwas rabiatem Freidenker geprägt, der sich nicht der strickten Routine der Marine unterwerfen wollte und selbst einige Geheimnisse hat, die nicht offenbart werden sollen. Soweit ich dies aufgrund der wenigen Seiten einschätzen kann, erinnert er mich an Sten Cal Dabran, den Helden aus Hardebuschs Trollen. Da die Stumwelt bereits seit längerem auf meinem Radar verweilt, werden die Bücher sicherlich den Weg in mein Regal finden, aber wohl erst, wenn der abschließende Band der Trilogie erschienen ist.

Bernhard Hennen

Bernhard Hennen

Last, but not least, beehrte Bernhard Hennen die Zuhörerschaft, indem er aus seinem jüngsten Elfenbuch „Elfenlied“ vorlas. Da dieser Ergänzungsband zu den mittlerweile sechs Elfenromanen die üblichen Spuren in der Fantasyliteratur verlässt und neben einer Novelle, in der die Lutin Ganda ihr Leben schildert, auch lyrische Ergüsse enthält, wurde er von den Lesern mit zwiespältigen Gefühlen aufgenommen. In der anschließenden allgemeinen Fragerunde gab Hennen auch unumwunden zu, dass ihm insbesondere die zahlreichen 1-Stern-Bewertungen bei Amazon nicht gerade ermutigt hätten und er auch von seiner Idee, ein weiteres Buch ähnlich „Elfenlied“ in einigen Jahren herauszubringen, abgerückt ist. Offen und unumwunden hat er zugegeben, dass ein Autor es sich nicht leisten kann, die Erwartungen seiner Leserschaft allzu oft zu enttäuschen, denn sonst steht seine Existenz als Autor auf dem Spiel.

Fragerunde auf dem Podest

Fragerunde auf dem Podest

Über die Projekte, die die vier Autoren für die Zukunft planen oder die sie gern realisieren würden, breiteten sie beinah einvernehmlich ein Tuch des Schweigens. Lediglich Bernard Hennen erzählte ausführlich über die Idee, die ihn seit 20 Jahren verfolgt, die jedoch aufgrund der momentan Lage noch nicht realisierbar ist. In einer Mischung als offiziellen Fragen der Moderatorin und Fragen aus dem Publikum wurden den Schriftstellern noch einige Informationen beispielsweise über ihre Arbeitsweise, Ideenfindung und Namensgebung gestellt. Dabei herrschte auf der kleinen Bühne zwar leichtes Gedränge, aber auch eine scherzhafte Atmosphäre, in der sich die vier Autoren gegenseitig das einzige Mikrofon zuschoben. Nachdem über 2 Stunden nach dem Beginn der Veranstaltung alle Fragen erschöpfend beantwortet waren, ging der Fantasyabend zu Ende. Wünsche nach Autogrammen wurden jedoch noch von allen Vieren bereitwillig erfüllt.

Obwohl der Abend insgesamt gesehen keine Zeitverschwendung war und mir 2 vergnügliche Stunden beschert hat, haben doch die fast die ganze Zeit andauernden Tonprobleme den Genuss etwas getrübt. Auch fand ich es von André Wiesler und Christoph Hardebusch etwas unglücklich gewählt, mit den Folgebänden ihrer Reihen aufzutreten, da es für uninformierte Leser wie mich teils schwierig war, das Geschehen in die Gesamthandlung einzuordnen.

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