Alexander Dumas – Zwanzig Jahre nachher

Dieser Roman handelt von unseren vier Helden aus „Die drei Musketiere“, aber wie der Titel schon verrät trifft der Leser sie erst 20 Jahre nach den Geschehnissen des Vorgängerromans wieder.

D’Artagnan, den seine Erfolge gegen Kardinal Richelieu ein Leutnantspatent bei den Musketieren eingebracht haben, ist in den vergangenen Jahren nicht weiter die Karriereleiter hinaufgefallen, sondern er verharrte in seiner Position und dient nun Anna von Österreich, ihrem Sohn Louis XIV. sowie dem Liebhaber der Königin und Nachfolger Richelieus, dem italienischen Kardinal Mazarin.

Das französische Volk begehrt gegen Mazarin auf, hält es ihn doch für die Wurzel allen Übels (insbesondere der erdrückenden Steuerlasten) und fordert lauthals seine Entlassung. In dieser unruhigen Lage beginnt ein erbitterter Kampf zwischen den Frondeurs, Bürgerlichen und Gegnern Mazarins, sowie den Anhängern der Königin und des Kardinals. Mitten in dieser verzwickten Lage, die durch Verhaftungen von Widersachern des Kardinals zusätzlich aufgeheizt wird, erinnert man sich plötzlich wieder D’Artagnans und beauftragt ihn, seine ehemaligen Kameraden, die sich mittlerweile allesamt zur Ruhe gesetzt haben, erneut für den Dienst der Königin (und damit des Kardinals) zu rekrutieren. Athos, Graf de la Fère, und Aramis, Abbe d’Herblay, verspüren wenig Anreiz, diesem Aufruf zu folgen und nur Porthos, der sich für seine Ländereien ein Baronatstitel wünscht, reitet mit D’Artagnan. In der Folge erkennen diese Beiden allerdings, dass Athos und Aramis ihnen nur deswegen nicht gefolgt sind, weil sie selbst auf der Seite der Frondeurs stehen. Aus den ehemaligen Freunden sind nun politische Gegner geworden!

Die Situation, in der sich die neuerlichen Abenteuer von D’Artagnan und den ehemaligen drei Musketieren abspielen, ist politisch viel verzwickter als noch vor 20 Jahren. Viele Mitglieder des Parlaments, Räte und andere Akteure beanspruchen ihren Platz in diesem Buch und das machte es für mich sehr schwer, nachzuverfolgen, wer nun welchen Platz auf dem Schachbrett innehat. Zwar ist zu Beginn meiner Ausgabe ein Personenregister abgedruckt, doch gibt dieses nur Auskunft über die bereits bekannten Persönlichkeiten und konnte mir deshalb nur wenig weiterhelfen.

Im Gegensatz zum Vorgängerbuch ist diesmal jedoch die Personenkonstellation wesentlich spannungsgeladener, da unsere vier Freunde sich auf verschiedenen Seiten wieder finden. Zwar geloben sie sich, dass ihre Freundschaft nicht darunter leiden soll, doch inwieweit können sie sich tatsächlich trauen und wie sollen sie auf diese Art und Weise dennoch ihre sich widersprechenden Aufträge ausführen? Aufgrund der vorhandenen Zweifel und des latenten Misstrauens ist die Stimmung wesentlich düsterer und bedrückter als noch vor zwanzig Jahren. Auch die ehemaligen Diener der Kämpfer, die mittlerweile zwar zumeist auf eigenen Beinen stehen, die jedoch auch diesmal wieder mit in die Geschichte verstrickt sind, vermögen es nicht, durch einige humorige Begebenheiten den Grundton aufzulockern.

Einerseits gewinnt das Buch zwar durch die veränderte Ausgangssituation einiges an Wert und es wirkt nicht nur wie ein billiger Aufguss des Vorgängers, andererseits ist es aber insbesondere aufgrund der zahlreichen handelnden Personen schwieriger, der Entwicklung zu folgen. Von mir gibt es 3,5 von 5 Barrikaden.

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