Arturo Pérez-Reverte – Der Club Dumas

Der etwas eigenbrötlerische Lucas Corso, seines Zeichens eine Art Bücherdetektiv für wertvolle Exemplare und Erstausgaben, wird im Rahmen seiner Tätigkeit mit zwei Fällen konfrontiert, die ihm sehr viel abverlangen werden. Auf der einen Seite hat ein befreundeter Antiquar kurz bevor sich sein Kunde erhängte von diesem ein handschriftliches Manuskript eines Kapitels aus Dumas „Die drei Musketiere“ geschenkt bekommen mit der Auflage, es – falls es echt ist – einem möglichst großen Kreis zugänglich zu machen und es dann meistbietend zu verkaufen. Corso soll nun ermitteln, ob dieses Manuskript echt ist. Ein Experte hierfür sitzt in Paris, wohin ihn auch Corsos anderer Auftrag führt. Varo Borja, Sammler okkulter Schriften, hat eine von nur 3 erhaltenen Ausgaben der „Neun Pforten“ erworben, dessen Autor auf einem Scheiterhaufen der Inquisition starb, weil er angeblich in diesem Buch mitteile, wie man den Teufel beschwören könne. Der stets misstrauische Borja will nun von Corso wissen, ob er tatsächlich für ein echtes Exemplar oder eine Fälschung bezahlt hat.
Corsos Weg führt ihn durch diverse Städte in Europa, immer auf der Suche nach Antworten für seine Auftraggeber, für deren Geld er sich auch schon mal die Hände schmutzig macht. Es wird deutlich, dass er alles andere als ein angenehmer Zeitgenosse ist, sondern sehr wohl um seiner Wirkung auf andere weiß – als etwas schäbig daherkommender Brillenträger mit dem hilflosen Kaninchenblick, der Bambi-Liebhabern das Herz höher schlagen lassen würde. Doch dass er auch anders kann, stellt er des Öfteren unter Beweis, wenn er Gesprächspartner eiskalt manipuliert, um seine Ziele zu erreichen. Eigentlich also kein Sympathieträger. Dennoch habe ich mit ihm mitgefiebert und ständig gehofft, dass er den Geheimnissen um das Manuskript von Dumas, den Auszug aus den „Musketieren“ und ihre mysteriöse Verbindung auf die Spur kommt.
Was die Verbindung der zwei Handlungsstränge um die beiden bibliophilen Kostbarkeiten angeht, hatte der Autor bei mir ins Schwarze getroffen. Genau die Auflösung, die ich mir herbeigesehnt habe, trat tatsächlich ein – ich konnte mein Glück nicht fassen!
Keine Bonuspunkte hat er jedoch mit seinem Erzähler gesammelt. Zwar wird die Geschichte zum größten Teil in der dritten Person wiedergegeben, doch an einigen Stellen tritt ein Ich-Erzähler in Erscheinung. Dieser hat Corso während der im Buch geschilderten Ereignisse kennen gelernt und nachdem ihm von diesem die Geschehnisse, bei denen der Ich-Erzähler nicht persönlich anwesend war, mitgeteilt wurden, breitet dieser nun das vollständige Bild vor dem Leser aus. Nervend war hierbei insbesondere, dass der Erzähler bei jedem seiner (zum Glück nicht sehr zahlreichen) Auftritte immer wieder betonte, auf welcher Grundlage seine Ausführungen beruhen und welche Funktion er einnimmt. Beim ersten Mal konnte ich noch darüber hinwegsehen, beim zweiten Mal war ich leicht genervt, aber beim dritten Mal hätte ich ihm am liebsten ordentlich geschüttelt und ihm klar gemacht, dass ich nicht begriffsstutzig bin und es auch schon beim ersten Mal kapiert habe. Nein, da hat Herr Pérez-Reverte leider einige Punkte verschenkt!
Dennoch habe ich mich im Großen und Ganzen gut amüsiert und die Tatsache, dass ich die Verfilmung des Buches unter dem Titel „Die neun Pforten“ (mit Johnny Depp) schon kannte, hat dem Vergnügen keinen Abbruch getan, da das Buch durch den zweiten Handlungsstrang um das Dumas-Manuskript und die Verknüpfung mit dem okkulten Buch „Die neun Pforten ins Reich der Schatten“ reichlich neuen Stoff zum Nachdenken und Miträtseln bot. Ich vergebe 3,5 von 5 Zigarren „Monte Christo“.

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2 Kommentare zu “Arturo Pérez-Reverte – Der Club Dumas

  1. Philly sagt:

    Ich fand die napoleonischen Kriegsvergleiche für eine „Liebesszene“ unglaublich skurril… Ich weiß gar nicht mal, ob ich das Buch danach weiter gelesen habe, irgendwie erinnere ich mich gar nicht an die Auflösung 😀

  2. Myriel sagt:

    Oh je, daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern …
    Interessant aber, dass Du gerade jetzt auf diese Rezi gestoßen bist. Vorgestern erst lief die Verfilmung wieder mal im TV – und wieder mal konnte ich Johnny Depp nicht wiederstehen 😳

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