Neil Gaiman – Sandman (1) – Präludien & Notturni

Dream, der Herrscher des Traumreiches und einer der Ewigen, wird bei einer Beschwörung des englischen Magiers Roderick Burgess statt Death gerufen und gefangen genommen. In seinem Verlies wartet er jahrzehntelang, während Roderick Burgess ihn bedrängt, ihm überirdische Kräfte zu verleihen. Nach dessen Tod ist sein Sohn Alex Oberhaupt des magischen Ordens und damit auch der Herr über Dreams weiteres Schicksal, doch aus Angst vor dessen Rache verweigert er ihm die Freiheit weiterhin. Erst durch eine Unachtsamkeit wird der Bannkreis geschwächt und Dream gelingt die Flucht – nicht ohne sich an seinem Gefangenenwärter zu rächen.

In den langen Jahren seiner Gefangenschaft hat sich jedoch vieles geändert und das nicht unbedingt zum Guten. Die Schlafkrankheit hat sich auf der Erde verbreitet, da Dream die Kontrolle über das Traumreich verloren hat und dieses daraufhin begann zu zerfallen. Um sie zurück zu gewinnen braucht er seine drei Hilfsmittel – den Beutel mit Sand, seine Maske und den Rubin – die ihm bei seiner Beschwörung von Burgess und seinen Gefolgsleuten gestohlen wurden und seitdem in alle Reichen verstreut sind. Ob und wie er seine Gegenstände wiedererlangt, davon handelt der Großteil dieser Graphic Novel.

Der teilweise gewöhnungsbedürftige Zeichenstil und die größtenteils in gedeckten Farben und eigenwilligen Rahmen präsentierten Zeichnungen tragen die Handlung sehr gut und unterstreichen ihre Atmosphäre, die noch intensiver auf den Leser wirkt. Dadurch, dass Dream vor den Scherben seiner Vergangenheit steht und sie wieder zusammensetzen muss, herrscht eine gedrückte Stimmung vor. Auch Dreams Charakter ist keiner der humorvollen Sorte, sondern vielmehr aufgrund seines ewigen Daseins von eher melancholischer Veranlagung. Jedoch ergibt er sich nicht in Selbstmitleid, sondern nimmt die Dinge in die eigene Hand, wobei er keineswegs zimperlich vorgeht.

Auf seinem Weg trifft er verschiedene Figuren des DC-Universums wie beispielsweise John Constantine und Vertreter der Justice League. Für Kenner dieser Comics mag es ein nettes, kurzes Wiedersehen sein, aber mir persönlich waren diese Sequenzen zu aufgesetzt. In meinen Augen gibt es keinen Grund für die Crossovers, da Bewohner der Welt von Sandman diese Parts ebenso gut hätten übernehmen können.

Viel amüsanter waren für mich die Anspielungen, die Gaiman in sein Werk eingebaut hat. Besonders der Bezug auf Aleister Crowley und die durch ihn hervorgerufene bzw. begünstigte Spaltung des magischen Ordens des Golden Dawn ist mir aufgrund der kürzlichen Lektüre von Moonchild besonders aufgefallen.

Neben der ernsten Thematik ist diese Graphic Novel aufgrund mancher grausamer Szenen, bei denen sich die Zeichner zwar nicht im Detail suhlen, aber doch genug zu Papier gebracht haben, um den Leser ein klares Bild der Vorgänge zu bescheren, nicht für Jugendliche und Personen mit zarten Nerven geeignet. Ansonsten kann ich dieses Werk, welches von mir insgesamt 4 von 5 Gargoyles erhält, für Freunde von Comics nur empfehlen.

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