Aleister Crowley – Moonchild

Aleister Crowley, geboren als Edward Alexander Crowley, betrachtete sich selbst als den größten Magier des 20. Jahrhunderts. Andere sahen in ihm hingegen den Vater des Satanismus. Diese ambivalente Person veröffentlichte neben mehreren okkulten Werken auch den Roman Moonchild, der zum Teil autobiografische Züge hat.

Welches nun der eigentliche Inhalt von Moonchild ist, lässt sich relativ schnell zusammenfassen: der junge Magier Cyril Grey (stellvertretend für Aleister Crowley in seinen früheren Jahren) hat sich in den Kopf gesetzt, das Moonchild zu erschaffen, ein Kind, welches von der Seele des Mondes vereinnahmt ist. Neben der Unterstützung des erfahrenen Simon Iff (= Aleister Crowley in seinen späteren Jahren) braucht er dazu die Lebefrau Lisa la Giuffria, die als Mutter des Moonchild herhalten soll. Doch der verfeindete Orden „die schwarze Loge“ setzt alles daran, um die Pläne von Cyril Grey zum Scheitern zu bringen.

Dieser an und für sich relativ interessante Plot wird jedoch von zahlreichen philosophischen und mystischen Abhandlungen überlagert, in denen Crowley dem (unbefleckten) Leser die Grundzüge der von ihm entwickelten Magick und seiner philosophisch-religiösen Lehre „Thelema“ nahe bringt. Neben dem zentralen Aussagen von Thelema – „Tu was du willst, soll sein das ganze Gesetz“ und „Liebe ist das Gesetz. Liebe unter dem Willen“ – fachsimpeln die Personen des Romans über die Beschaffenheit der Seele, die Auswirkungen der Sterne auf den Charakter eines Menschen und etliche andere Dinge.

Zu Beginn sind diese „Abschweifungen“ noch ganz interessant, da ich selbst auch einiges Neues gelernt habe, doch im Laufe der Erzählung nehmen sie derart überhand, dass sie die eigentliche Handlung des Romans erdrücken. Zudem beginnt der Plot der Geschichte ab der zweiten Hälfte ziemlich seltsame Entwicklungen durchzumachen und endet mMn in einem Chaos, welches nichts mehr mit dem titelgebenden Moonchild zu tun hat.

Die verschlungenen Sätze, die Crowley hervorbringt und welche ich oft mehrmals lesen musste, um ihren Sinn zu entwirren, tragen nicht gerade dazu bei, das Verständnis zu fördern. Daneben sind die Charaktere größtenteils nur flache Schablonen, die so agieren, wie es Crowley gerade braucht, um eine neue Abhandlung über Thelema/Magick & Co. zu starten. Die einzige Figur, die eine Entwicklung durchläuft, ist Cyril Grey, in dem sich die Lebensgeschichte von Crowley gut widerspiegelt, soweit ich das anhand dieser ziemlich ausführlichen Biografie sagen kann.

Fazit: Was Crowley hier fabriziert hat, läuft zwar unter dem Motto „Roman“, ist aber vielmehr eine Abhandlung über seine Lehren mit ein bisschen Rahmenhandlung, die sich zudem am Ende in geordnetem Chaos verliert. Das ist einfach nicht das, was ich erwartete, als ich mit dem Lesen begann, insbesondere da es den Anschein hat, dass eine „Bekehrung“ des Lesers erfolgen solle. Von mir daher nur 2 von 5 Halbmonden.

Von Thelema und Magick habe ich mir nebenbei einiges im Wiki erlesen, so dass ich sagen kann, darüber kein weiteres Buch lesen zu wollen, insbesondere nicht, wenn es von Crowley selbst in seiner weitschweifigen Art verfasst wurde. Das Leben des „größten Magiers des 20. Jahrhunderts“ finde ich jedoch aufregend genug, um mit dem Gedanken zu spielen, eine Biografie über den Mann zu lesen.

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