Pierre Grimbert – Die Magier (1) – Gefährten des Lichts

Einst kam ein Fremder in die Königreiche westlich des großen Gebirges und bat alle Länder, einen Vertreter zur Insel Ji zu schicken. Was dort geschah, weiß niemand, doch erst über einem Monat nachdem die Menschen das felsige Eiland betreten hatten, kehrten sie zurück – soweit sie den Ausflug überlebt hatten. Keine der Regierungen, die sie entsandt hatte, erfuhr von ihren Vertretern Genaueres, denn diese Gefährten hatten ein Schweigegelübde abgelegt. Seitdem trafen sie sich jedes Jahr, später nur noch aller drei Jahre wieder, um gemeinsam ihre Erlebnisse zu überdenken und sich an die Toten zu erinnern.

Nachdem der Autor diesen Rückblick von Léti, einer Nachfahrin einer der Gefährtinnen, hat erzählen lassen, wendet er sich der Gegenwart zu, in der die Erben überall in den verschiedenen Reichen in Bedrängnis geraten, denn jemand hat den Orden der fanatischen Züu angeheuert, alle Erben auszulöschen. Welche Beweggründe dahinter stehen, ist den wenigen Überlebenden, die sich zusammengefunden haben, schleierhaft, schließlich kennen die Erben das Geheimnis der Insel Ji nicht – zumindest nicht vollständig. Der einzige Weg, der sich ihnen auftut, ist es zu ergründen, was damals wirklich geschah, als der Fremde die Gefährten in das Felslabyrinth auf der Insel führte.

Bevor sich die Handlung jedoch dieser Richtung zuwendet, breitet Grimbert ein ganzes Geflecht von unterschiedlichen Handlungssträngen aus, in denen jeweils ein Erbe im Mittelpunkt steht. Alle von ihnen begegnen einem Züu, Mitglied des Ordens einer grausamen Göttin, die glauben, dass sie als Richterin dieser Göttin auf Erden agieren und ihre Morde gottgewollt sind. Die wenigen, die diese Begegnung überlebt haben, machen sich auf den Weg zur Insel Ji. Unterwegs verknüpfen sich dann nach und nach die verschiedenen Handlungsstränge immer weiter, bis beinah alle Überlebenden sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen haben.

Während dieser Einführungsphase lernt man als Leser einiges über die verschiedenen Charaktere, ihre Lebensumstände und die Länder kennen, in denen sie leben. Hier gibt es für beinah alle Vorlieben eine Identifikationsfigur: das junge Mädchen, das nicht als solches behandelt werden will, der verliebte Kindskopf, der seine Angebetete retten will, sich aber nicht traut, ihr seine Liebe zu gestehen, der wortkarge „Waldläufer“ mit tragischer Vergangenheit und die Diplomatin, die die Gruppe zusammenhält. Später stoßen auch noch ein Gigant aus dem Norden, der geschworen hat niemanden zu töten, sowie ein kleiner Gauner, der den Witzbold der Truppe mimt, hinzu. Leider sind die Personen damit auch fast schon umfassend charakterisiert, nur selten einmal wird ein Hauch von Plastizität angedeutet. Dies mag aber dahingehend verschmerzbar sein, dass es sich hier um den Auftaktband einer Tetralogie handelt, an deren Ende sich eine tiefgründigere Entwicklung der Personen abzuzeichnen beginnt.

Unter Beachtung, dass es sich um das erste von vier Büchern handelt, bleibt abzuwarten, inwieweit sich die Handlung und Charakterisierung der Personen entwickelt. Für den soliden, aber nicht herausragenden Auftakt vergebe ich 3 von 5 Masken.

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