Diego de Landa – Bericht aus Yucatán

Nachdem Kolumbus Amerika entdeckt hatte, folgte die dunkle Ära der Konquistadoren, die in ihrem Gefolge auch Priester und Mönche mit nach Amerika brachten. Der Franziskanermönch Diego de Landa wurde auf der Halbinsel Yucatán, dem Siedlungsgebiet der Maya aktiv. In diesem Bericht, der ursprünglich als Verteidigung seiner Handlungen vor der spanischen Krone gedacht war, schildert er die Lebensweise der Maya, ihre Kultur, Rituale, die Umwelt in der sie leben und auch das gespannte Verhältnis zu den spanischen Eroberern.

Beginnend mit einer kurzen Beschreibung der Lage und Geografie von Yucatán schildert de Landa die Ankunft der Spanier und die Reaktionen der einheimischen Bevölkerung auf die weißen, bärtigen Männer. Ausgehend davon bringt er einen Überblick über die verschiedenen Streifzüge der Konquistadoren, um das gesamte Land unter ihre Kontrolle zu bringen, und die Schwierigkeiten, mit denen sie dabei zu kämpfen hatten.

Erst ab dem zweiten Viertel seines Berichts wendet er sich dem Thema zu, welches mich ursprünglich dazu verleitet hat, dieses Buch zu lesen: der Lebensweise der Maya zur Zeit der Konquista. Neben der Beschreibung ihres täglichen Lebens nehmen der Kalender und die zahlreichen Feste, die die Maya feierten, einen Großteil der Schilderungen ein. Sehr ausführlich geht de Landa auf jedes einzelne Fest ein und wiederholt dabei auch des Öfteren Kulthandlungen, wie beispielsweise das Fasten und rituelle Reinigen der Körper, die bei jeder Feierlichkeit eine Rolle spielen.

Neben der Erwähnung der Bauwerke, die überall im Urwald des Tieflandes gefunden wurden und über die sich de Landa voll des Erstaunens und der Bewunderung äußert, geht er noch auf Flora und Fauna sowie die Nutzung derselben durch die Maya ein. Abgerundet wird dieser Bericht durch Schlussbetrachtungen, in denen de Landa seine Beobachtungen zusammenfasst.

Während des gesamten Buches, aber insbesondere beim Lesen der Schlussbetrachtungen musste ich mir immer wieder vor Augen halten, aus welchem Blickwinkel de Landa seine Niederschrift angefertigt hat: der zivilisierte Geistliche legt Rechenschaft über die primitiven, ungläubigen Heiden ab. Immer wieder unterstreicht der Franziskanermönch, wie sehr die Indios von der Ankunft der Spanier profitieren können, da sie nun endlich zu richtigen Menschen erzogen werden. Die Grausamkeiten, die jedoch von den Spaniern an den Indios begangen werden und die durchaus auch Erwähnung in diesem Bericht finden, zeichnen ein ganz anderes Bild.

Für alle diejenigen, die an der Maya-Kultur interessiert sind, bietet dieser Augenzeugenbericht einige neue Informationen als Ergänzung zu den heutigen Sachbüchern. Wer jedoch einen Einstieg in diese Materie sucht, dem möchte ich davon abraten, mit de Landas Bericht zu beginnen, da er einiges in einem verzerrten Licht darstellt, welches man ohne das Wissen über die heutigen Erkenntnisse der Maya-Forschung zu kennen, missdeuten kann.

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