Patrick Rothfuss – The Name of the Wind

It was night again. The Waystone Inn lay in silence, an it was a silence of three parts.

Mit diesem Einstieg entführt der Autor Patrick Rothfuss seine Leser in die Welt von Kvothe, seinem Helden aus der Trilogie „The Kingkiller Chronicles“ (dt.: Die Königsmörder-Chronik). Kvothe, eine Berühmtheit in der Welt, von vielen bewundert, aber auch gefürchtet, hat sich nach Newarre zurückgezogen um dort das Waystone Inn, ein kleines Gasthaus, zu betreiben. Jedoch tauchen in der Gegend Scrael auf, riesige Spinnen mit rasiermesserscharfen Beinen. Als Kvothe sich nachts aufmacht, um einige von ihnen zu töten, lockt er mit seinem Feuer nicht nur die Scrael an, sondern auch den Chronicler, einen Geschichtsschreiber, der durch die Lande reist um Erzählungen zu sammeln und zu veröffentlichen.

In den folgenden drei Tagen breitet Kvothe vor den Ohren des Chroniclers, seines Schülers Bast und dem Leser seine Lebensgeschichte aus. Der vorliegende erste Band von Rothfuss’ Trilogie deckt dabei den Inhalt des ersten Tages ab: seine unbeschwerte Kindheit im Kreis seiner Familie und anderen Edema Ruh, einer Art fahrende Schauspieler; die Bekanntschaft mit seinem ersten Lehrer und somit auch die Bekanntschaft mit der Magie; der Überfall der mystischen Chandrian auf seine Gruppe, den er allein überlebt; die folgenden Jahre, die er als obdachloser Bettler und Dieb in den Straßen der riesigen Metropole Tarbean zubringt; seine Flucht nach vorn, nach Imre an die Universität, wo er als Ausnahmetalent aufgenommen wird; die Vertiefung seines Wissens über die Magie; die Fehde mit dem Sohn einer reichen und einflussreichen Familie; seine ersten Erfahrungen mit Frauen im Allgemeinen und mit der mysteriösen Denna im Besonderen; und natürlich seine Suche nach Antworten auf seine Fragen über die Chandrian und warum seine Eltern und alle, die er gekannt und geliebt hat, sterben mussten.

All dies lässt der gegenwärtige Kvothe, der „alte“ Kvothe, aus seinen Erinnerungen wieder auferstehen. Der Großteil des Buches wird dementsprechend von Rückblenden eingenommen, in denen Kvothe die damaligen Ereignisse schildert. Sehr lebendig erzählt er von den Geschehnissen, aber auf seine Gefühle und Empfindungen breitet er vor dem Leser aus, so dass man sehr gut nachvollziehen kann, warum er so gehandelt hat, wie er es tat.

Der Blick in die Vergangenheit wird dabei aber regelmäßig von kurzen Abschnitten unterbrochen, die dem Leser wieder in Erinnerung rufen, dass Kvothe seine Geschichte aus der jetzigen Sicht erzählt und dementsprechend mit dem Wissen um die Folgen mancher Taten und andere zukünftige Geschehnisse. Daher sind immer wieder Vorausdeutungen eingewoben, vorrangig mit dem Ziel, Spannung aufzubauen. Ein anderer Aspekt der „Zwischenspiele“ besteht darin, dass man als Leser merkt, dass Kvothe nicht unbedingt ein zuverlässiger Erzähler ist. Insbesondere an einer Stelle wird überaus deutlich, dass er sehr wohl seine Worte bewusst wählt um damit bestimmte Empfindungen beim zukünftigen Leser von Chroniclers Niederschrift hervorzurufen. Diese subtile Manipulation überträgt sich dabei auch auf den Leser von Rothfuss Buch, der sich deshalb immer fragen sollte, inwieweit Kvothe die reine Wahrheit oder eine beschönigte Variante derselben zum Besten gibt.

So kam mir insbesondere die Darstellung von Kvothes überragenden Kenntnissen und Fähigkeiten sowie sein darauf basierendes selbstbewusstes, ja sogar arrogantes Auftreten überzogen vor und ich habe mich unweigerlich gefragt, ob der junge Kvothe tatsächlich so war, oder ob der ältere Kvothe u.a. auf Glück und Zufall basierende „Heldentaten“ so umdeutet, dass er als strahlender Übermensch wirkt. Dementsprechend bin ich mit der Hauptperson nicht wirklich warm geworden. Egal welches Unglück Kvothe ereilt hat, immer wieder hat er einen Weg gefunden, es zu ertragen, zu überwinden und sogar zu seinem Vorteil zu nutzen. Insbesondere ab dem Zeitpunkt, ab dem er die Universität besucht, hatte ich das Gefühl, einem Steh-auf-Männchen zuzusehen. Auch zog sich dieser ganze Part meinem Empfinden nach viel zu sehr in die Länge, insbesondere da das Motiv der „Internatsgeschichten“ in letzter Zeit mehrfach ausgeschöpft wurde. Durch die bereits zuvor schon erwähnten Vorausdeutungen hat Kvothe/Rothfuss immer wieder Spannung aufgebaut, die er aber dann nicht zu meiner Zufriedenheit erfüllen konnte. Ständig wurde auf den Streit zwischen Kvothe und Ambrose, dem reichen, verzogenen Bengel, angespielt und angedeutet, dass Kvothe deswegen von der Universität verwiesen werden würde. Doch immer wieder kam es nur zu kleineren Geplänkeln und als dann das Buch endet, ohne dass eine Entscheidung herbeigeführt worden war, war ich enttäuscht.

Nichtsdestotrotz habe ich die Lektüre des Buches sehr genossen, denn so sehr mir die Handlung, der Spannungsbogen und auch die Charakterisierung teilweise „unrund“ vorkamen, so sehr hat mich die Sprache mitgenommen. Mit unverbrauchten Beschreibungen schafft es Rothfuss wundervolle Bilder vor meinen Augen entstehen zu lassen, die mich förmlich in das Buch hineingesogen haben und die mich auch jetzt noch, 2 Wochen nach Beendigung der Lektüre begleiten.

Insgesamt gesehen war das ein interessanter Debütroman von dessen Nachfolger „A Wise Man’s Fear“ ich mir viel verspreche. Würde ich allein die Sprache bewerten, gäbe es von mir ohne Zögern 5 von 5 Lauten, doch unter Beachtung der vorhandenen Kritikpunkte muss ich etwas abziehen. Dennoch vergebe ich insgesamt respektable 4 von 5 Lauten.

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